24.10.2012 17:29
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"Alle zwei Stunden wache ich auf und weine"

US-WAHL
Bob Dole war einer der mächtigsten Politiker Washingtons. 1996 trat er gegen den damaligen Präsidenten Bill Clinton an und verlor. Heute ist er berater der Kanzlei Alston & Bird
Das Interview führte €uro-Redakteurin Daniela Meyer

Senator Bob Dole: So, hier sitze ich also – besiegt. (grinst)

€uro: : Sie sehen gar nicht wie ein Verlierer aus.
Nicht wirklich.

Glauben Sie, die Leute erinnern sich eher an Ihre Erfolge oder ihre Niederlagen? Ich kann Ihnen sagen, woran sie sich erinnern werden, wenn ich einmal nicht mehr bin. Dann wird man über mich schreiben: Bob Dole, das war doch der Typ, der neben Monica Lewinsky gewohnt hat.

Stimmt das tatsächlich?
Ja, wir waren Nachbarn. Meine Frau und ich haben sogar ihre Wohnung gekauft, als sie ausgezogen ist. Nachdem herauskam, dass sie eine Affäre mit dem damaligen Präsidenten Bill Clinton hatte, habe ich stets gescherzt, dass ich versucht habe, sie anzurufen, aber die Leitung war immer schon besetzt.

Das war sicher Bill.
Vermutlich.

Sie haben 1996 im Präsidentschaftswahlkampf gegen Bill Clinton verloren. Wäre die Wahl anders ausgegangen, wenn die Affäre schon bekannt gewesen wäre?
Vielleicht. Aber Clinton war auch ein verdammt guter Wahlkämpfer. Aber das war nicht mein größtes Problem.

Sondern?
Den Amerikanern ging es gut, sie waren zufrieden. Ein paar Jahre zuvor hatte Richard Nixon mir in einem Brief geschrieben, warum er glaubte, dass ich die Chance hätte, Präsident zu werden. Aber ganz unten, als letzter Punkt, stand: Aber wenn die Wirtschaftslage gut ist, wirst du kaum eine Chance haben, einen amtierenden Präsidenten abzulösen. Er hatte Recht.

Derzeit sind die Amerikaner alles andere als glücklich. Im Gegenteil, sie sind extrem sauer.
Das stimmt. Den USA geht es schlecht. Wir schulden den Chinesen Milliarden. Über acht Prozent der Menschen sind arbeitslos. Wir haben ein Problem mit illegaler Einwanderung. Mitt Romney hat gute Chancen die Wahl zu gewinnen. Er war übrigens vor Kurzem bei mir, wir hatten ein langes Gespräch. Mir gefallen seine Ideen.

Wirklich, welche denn?
Republikaner haben schon immer daran geglaubt, dass die wichtigsten Wahlkampfthemen Steuern und Ausgaben sind. Und genau die spricht Romney an. Er wird die Steuern senken und die Wirtschaft in Schwung bringen.

Von den Steuersenkungen werden aber nur die Reichen profitieren.
Auch ein kleiner Unternehmer, der vielleicht eine Millionen Dollar hat, wird besteuert, wie ein Reicher. Aber er ist nicht unbedingt reich, denn das Geld steckt in seiner Firma, im Inventar. Er muss seine Angestellten bezahlen. Wenn er weniger Steuern zahlen muss, wird er mehr investieren und sein Unternehmen ausbauen.

Glauben Sie, diese Idee kommt bei den Wählern an?
Ich hoffe, dass Romney den Wählern noch eindringlicher erklärt, wie er mehr Jobs schaffen, die Wirtschaft ankurbeln wird. Die Leute wissen schon, wofür Obama steht. Romney und seine Ansichten müssen sie erst noch kennenlernen.

In Europa hat er sich ja neulich schon vorgestellt. Da kam er aber nicht so gut an.
Wir haben an Einfluss im Ausland verloren, sind aber immer noch die Nummer eins in der Welt. Wir verfolgen derzeit eine eher zurückhaltende Außenpolitik. Ich denke aber, Romney könnte einen Teil unseres weltweiten Bedeutung, unserer Freundschaften mit anderen Ländern, wieder herstellen.

Als Gouverneur von MA war Romney sehr liberal. Jetzt zeigt er sich mit seinem Vize Paul Ryan als konservativer Hardliner.
Ryan als Vize zu wählen, war eine notwendige Entscheidung. Unser Land wird insgesamt immer konservativer. Bei den vergangenen Wahlen in Kansas wurden sieben der moderaten von extrem konservativen Republikanern besiegt. Ich selbst stehe eher in der Mitte. Aber jetzt ist es erstmal wichtig, dass wieder ein Republikaner im Weißen Haus sitzt.

Ist Romney wirklich das Beste, was die Republikaner zu bieten haben oder eher der Einäugige unter den Blinden?
Romney hat im Gegensatz zu Obama große Erfahrung als Politiker und Unternehmer. Das macht ihn in der Krise zur perfekten Besetzung. Natürlich kenne ich auch seine Gegner aus den Vorwahlen, wie Newt Gingrich. Sagen wir, es fiel mir leicht, mich für Romney zu entscheiden.

Viele Europäer glauben, dass in den USA jeder eine zweite Chance bekommt – selbst gescheiterte Präsidentschaftskandidaten. Stimmt das?
Romney ist 2008 schon angetreten und in den Vorwahlen gegen John McCain gescheitert. Ihm wurde damals von der Partei gesagt, dass er es noch mal versuchen soll und dann eine bessere Chance hat. So machen wir es bei den Republikanern schon lange. Ich habe 1988 in den Vorwahlen gegen George Bush senior verloren und dann 1996 als Präsidentschaftskandidat gegen Clinton eine zweite Chance bekommen.

Bildquellen: Frank Jr / Shutterstock.com
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