24.10.2012 17:29
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"Alle zwei Stunden wache ich auf und weine"

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Sie sind doch sogar drei Mal angetreten, das erste Mal 1980. Da haben Sie in den Vorwahlen gegen Ronald Reagan verloren.
Meine erste Kampagne zähle ich nicht. Ich hatte kein Geld, keine Erfahrung. Das war quasi nur ein Testlauf, bei dem ich auf den Geschmack gekommen bin.

Und von da an haben Sie Ihr Leben lang dem Traum, Präsident zu werden, nachgeeifert.
Das steckt in unserer DNA. Wir Amerikaner geben nicht einfach auf. Niemals! Das hat schon Winston Churchill proklamiert. Wer scheitert, steht auf, macht weiter oder probiert etwas Neues. Jeder der sich anstrengt, bekommt eine zweite Chance.

Trotz Ihrem Kampfgeist, ihrem großen Erfolg als Senator, haben Sie es aber letztlich nicht geschafft. Die Niederlage Ihres Lebens?
Es stimmt, diese Niederlage werde ich nie ganz vergessen können. Es gab Zeiten – ein paar Jahre lang ging das so – da habe ich mich im Bett hin und her gewälzt, bevor ich einschlafen konnte. Ich bin die ganze Kampagne immer wieder durchgegangen: Was habe ich falsch gemacht, hatte ich den richtigen Vize? Ich hatte das Gefühl, meinen Kopf einziehen zu müssen, denn ich hatte so viele enttäuscht. Die Wähler, die Leute, die für mich gearbeitet und gespendet hatten. Es hat lange gedauert, bis ich nicht mehr jeden Tag daran gedacht habe.

Und heute, denken Sie nach all den Jahren noch daran?
Nein, das kratzt mich überhaupt nicht mehr. Ich schlafe jede Nacht wie ein Baby. Und alle zwei Stunden wache ich auf und weine. (lacht, bis er einen Hustenanfall bekommt und einen Schluck Wasser aus einem Pappbecher trinken muss)

Geht es wieder?
Ja, alles wunderbar, ich hatte nur etwas im Hals. Ganz ehrlich: Es fühlt sich einfach nicht gut an zu verlieren. Man hat das Gefühl seine Partei, die Amerikaner im Stich gelassen zu haben. Ich hatte ja geglaubt, ich sei besser qualifiziert, den Job zu machen. Und ich glaube auch heute noch, ich wäre der bessere Präsident gewesen. Heute kann ich es aber lockerer sehen: Ich hatte viele Freunde da draußen. Aber Clinton hatte mehr.

Nach Ihrer Niederlage sind Sie in bissige Talkshows wie Letterman gegangen, sie haben Bücher mit wunderbar sarkastischen Titeln, wie „Die witzigsten Präsidenten – Ich wünschte ich wäre in diesem Buch“ geschrieben, Sie haben lustige Werbung für Viagra und Pepsi gemacht. Und plötzlich haben die Amerikaner gesehen: Dieser Typ hat Humor. Warum hat man davon in Ihrer Kampagne nichts gemerkt?
Meine Berater glaubten, die Amerikaner wollten keinen Komiker im Weißen Haus. Ich habe immer geglaubt, dass ein Witz eine Situation entschärfen kann. Wenn im Senat mal wieder heftig gestritten wurde, habe ich oft einen Scherz gemacht, alle haben gelacht und sich wieder entspannt. Dafür war ich bei denen, die mich kannten, beliebt.

War es ein Fehler ihren Witz zu verstecken?
Wahrscheinlich. Wirklich wissen werde ich es nie. Wenn man auf eine Bühne kommt, versucht man immer das Publikum einzuschätzen. Was sind das für Leute, wo kommen die her, was wollen die hören? Ich habe mit meiner Einschätzung oft richtig gelegen, manchmal aber eben auch falsch.

Aber im Nachhinein wollten sie doch noch mal zeigen, wer Sie wirklich sind?
Ja, vielleicht. Aber hauptsächlich wollte ich, das die Leute sehen, es gibt mich noch, ich will immer noch etwas bewegen. Und es hat mir Spaß gemacht, diese neuen Dinge zu tun. Die Werbung, die Bücher, die Talkshows haben mir geholfen, über die Niederlage hinweg zu kommen.

Sie haben einmal gesagt, man lernt aus jeder Niederlage. Auch noch aus der dritten?
Besonders die Dritte hat mir verdeutlicht, dass ich nicht alles kontrollieren kann. Ich habe mich extrem angestrengt und trotzdem verloren. Diese Erfahrung hat mir viel abverlangt. Hätte ich nicht sofort etwas Neues angefangen, hätten Freunde und Familie mich nicht so unterstützt, würde ich heute an einer Straßenecke sitzen und Bleistifte verkaufen.

Bildquellen: cholder / Shutterstock.com
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