24.10.2012 17:29
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"Alle zwei Stunden wache ich auf und weine"

Warum sind Sie nicht einfach in die Politik zurückgekehrt, wie es die meisten tun?
Ich hatte all meine Ämter niedergelegt, um mich ganz auf den Wahlkampf zu konzentrieren. Es war meine letzte Chance Präsident zu werden, immerhin war ich schon 73 Jahre alt. Danach wollte ich nicht zurück in den Senat, ich musste der Politik den Rücken kehren.

Dafür arbeiten Sie immer noch für die Kanzlei Alston & Bird in Washington D.C.
Ich soll hier der Regenmacher sein – einer, der neue Mandanten und Experten anschleppt. In meinem Fall muss man aber wohl sagen, dass ich eher ein Rasensprinkler bin. Aber so lange mein Kopf noch halbwegs funktioniert, werde ich weitermachen.

Sie haben Ihr Leben Ihrem Land gewidmet. Haben Sie den Amerikanern dadurch nicht ebenso viel gegeben, wie sie es in vielleicht vier Jahren Präsidentschaft hätten tun können?
Nein, es gibt kein Amt, das einem so viele Möglichkeiten bietet, wie das des Präsidenten. Ich engagiere mich schon immer, vor allem für Veteranen und Behinderte. Ich wurde schließlich selbst im Zweiten Weltkrieg schwer verwundet. Nur zwei Wochen vor Kriegsende, in Italien. Ich hätte mir damals das Wochenende frei nehmen können. Aber das habe ich nicht. Seither ist mein rechter Arm gelähmt und meinen linken kann ich mittlerweile auch kaum noch bewegen.

Sie sind an Ihren Kriegsverletzungen fast gestorben. Die Folgen haben Sie immer behindert. Wie hat sich das auf Ihre Karriere ausgewirkt?
Ich hätte bereits 1988 gewinnen müssen. Ich lag vorne, zum Beispiel in New Hampshire. Dort wurde ich quasi von einem Schneesturm besiegt, der kurz vor der Vorwahl einsetzte. Ich konnte nichts machen, außer Hände schütteln und von der Seitenlinie zusehen, wie Georg Bush sich als Anpacker präsentierte. Er schaufelte Schnee und fuhr auf Räumfahrzeugen durch die Gegend.

Da packt einen doch die Wut.
Heute sind Bush und ich befreundet, aber es hat eine Weile gedauert. Man darf seinen Gegner nie als Feind betrachten. Solange man sich daran hält, kann man sich nachdem alles vorbei ist, wieder zusammenraufen. Auch Clinton und ich verstehen uns sehr gut und haben nach der Wahl gemeinsam viele Spendenaktionen organisiert.

Sind Freundschaften unter Rivalen im Präsidentschaftswahlkampf wirklich möglich?
Die Kampagnen heute sind aggressiver als zu meiner Zeit. Die Kandidaten greifen sich persönlich härter an. Auf der anderen Seite muss man sagen, wenn der Gegner angreift, muss man zurückschlagen, sonst verliert man. Das weiß jeder, der sich auf dieses Spiel einlässt.

1988 ist Michael Dukakis für die Demokraten gegen Bush angetreten und hat ebenfalls verloren. Macht sie das zu Leidensgenossen?
Vermutlich. Ich glaube, er hat verloren, weil er während seiner Kampagne in einem Militäroutfit im Panzer durch die Stadt gefahren ist. Das war total unglaubwürdig und wurde überall in den Medien kommentiert – und zwar nicht positiv. Zuvor lag er in den Umfragen vorne.

Heute scheitern viele Kandidaten schon in den Vorwahlen, weil ihnen das Geld ausgeht.
In meiner Kampagne 1996 hatten wir zeitweise gar kein Geld mehr. Ich saß einmal eine Woche in Florida am Strand fest, weil wir unser Flugzeug nicht mehr bezahlen konnten.

Florida, Strand – hätte schlimmer sein können, oder?
Es war schrecklich. Ich war so nervös, konnte mich überhaupt nicht entspannen. Es war mir ein Rätsel, warum es so schwierig war Spenden zu sammeln.

Ist es heute leichter?
Das kann ich nicht sagen. Aber Geld ist ein immer wichtigerer Faktor im Rennen um das Präsidentenamt. Für denjenigen, der nicht genug Geld hat, um im Fernsehen für sich zu werben, wird es schwer, bei den Wählern Stimmen zu holen.

Dieser Wahlkampf wird der teuerste der US-Geschichte werden. Ist das Weiße Haus „on sale“?
Als ich angetreten bin, waren die Summen viel kleiner. Bis vor Kurzem wusste ich nicht mal von den neuen Super-Pacs – so weit bin ich schon von der Politik entfernt. Ich war entsetzt als ich gehört habe, dass sie 100 oder 150 Millionen Dollar an Spendengeldern sammeln. Das ist zu viel, das ist gefährlich. Wenn wir dieses Problem nicht angehen, gerät es außer Kontrolle, dann steht die Demokratie zum Ausverkauf.

Sie haben viele Präsidenten kommen und gehen sehen. Wer war der beste, wer der schlechteste?
Ronald Reagan war eindeutig der beste. Er hatte eine Aura, eine Art, mit der er jeden, selbst Demokraten, überzeugen konnte. Der schlimmste? Da fällt mir keiner ein.

Und welcher Verlierer hätte es am meisten verdient gehabt, Präsident zu werden?
Na, ich natürlich!

Vielen Dank für das Gespräch.

Bildquellen: Frank Jr / Shutterstock.com, cholder / Shutterstock.com
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