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aktualisiert: 23.01.2012 09:29

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Mitt Romney: Favorit im Kreuzfeuer

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Mitt Romney spürt politischen Gegenwind
Mitt Romney gilt als aussichtsreichster Kandidat im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Doch nun holt ihn seine Vergangenheit ein.

von Astrid Zehbe, €uro am Sonntag

Über Monate hat sich die Parteibasis der Republikaner um eine Alternative bemüht. „ABR — Anybody but Romney“ lautete das Motto der Suche nach einem geeigneten Prä­sidentschaftskandidaten: Jeder, nur nicht Romney. Doch nach dem Sieg bei den Vorwahlen in New Hamp­shire Mitte Januar gilt ausgerechnet der ungeliebte 64-Jährige als haushoher Favorit, der im November Amts­inhaber Obama als US-Präsident ablösen soll. Selbst wenn ihm sein Sieg bei den ersten Vorwahlen in Iowa wegen einer Wahlpanne aberkannt werden sollte, dürfte das seine Favoritenrolle kaum schwächen. Einer landesweiten Meinungsumfrage zufolge ist er der beliebteste republikanische Kandidat. Doch sein bislang perfekt geführter Wahlkampf bekommt Dellen. Rivalen aus dem eigenen Lager werkeln fleißig an Romneys Demontage und haben die größte Schwäche schnell ausgemacht: sein Vermögen.

Gut betucht zu sein, war für potenzielle Präsidentschaftskandidaten in den USA noch nie ein Problem. Ob Kennedy, Roosevelt oder die Bushs, sie alle waren Millionäre, bevor sie für das Amt kandidierten. Romney allerdings könnte mit einem auf 190 bis 250 Millionen Dollar geschätzten Vermögen mit Abstand zum reichsten US-Präsidenten aller Zeiten werden. In Zeiten, in denen 23 Millionen Amerikaner arbeitslos sind, ist das nicht unbedingt von Vorteil. Zumal Romney seinen Reichtum vor allem seiner Investmentfirma Bain Capital verdankt. Deren Geschäftsmodell basiert auf der Sanierung und gewinnbringenden Weiterveräußerung wirtschaftlich angeschlagener Unternehmen. Heuschreckenkapita­lismus par excellence, so sehen es seine Gegner.

Auf Veranstaltungen stellt sich Romney trotzdem gern als zupacken­der Typ dar. Einer, der weiß, wie das geht mit den Jobs, und der es besser kann als seine Kontrahenten und vor allem Barack Obama. Schon in Harvard, wo Romney Anfang der 70er-Jahre Jura und Wirtschaft studierte, hatte er den Ruf des „Fix-it-Man“ — des Problemlösers, der mit natürlichem Instinkt Schwierigkeiten aus der Welt schafft. Ein Pragmatiker, der in die Wirtschaft ging, weil er dort das tun durfte, was er am besten konnte: Probleme lösen und ­dabei Kapital herausschlagen.

Rund 100.000 Stellen will Romney während seiner Zeit bei Bain Capital geschaffen haben. Die Liste der Firmen, denen das Unternehmen zum Aufschwung verholfen hat, ist in der Tat lang. Der Büroausstatter Staples, der Fast-Food-Riese Domino’s Pizza oder auch das Internetauktionshaus Ebay gehören zu den Erfolgen, mit denen Romney gern für seine Macherqualitäten wirbt.

Die Horrorgeschichten jener Firmen, die pleitegingen, nachdem Bain mit im Boot war, erzählen dagegen deren ehemalige Mitarbeiter in einem 30-minütigen Wahlkampffilm von Romneys Herausforderer Newt Gingrich. „Als Mitt Romney in die Stadt kam“ lautet der düstere ­Titel des Streifens, der Romney vorwirft, an der größten Arbeitsplatzvernichtung seit dem Zweiten Weltkrieg beteiligt gewesen zu sein.

An den vorgeführten Schicksalen muss Romney nicht zwingend schuld sein, doch sie verfestigen das Bild des geldgierigen Finanzinvestors. Auch weil er wenig dagegen ­unternimmt. Seit Wochen fordern Republikaner die Veröffentlichung seiner Steuererklärung, so wie es für Präsidentschaftskandidaten in den USA üblich ist. Erst vergangene Woche kündigte Romney an, er wolle die Unterlagen im April vorlegen. Das könnte noch unangenehm werden.

Denn Romney hat bereits eingeräumt, dass er vermutlich deutlich weniger Steuern zahle als andere amerikanische Gutverdiener. Weil Romneys Einnahmen vor allem aus Kapitalerträgen bestehen, wird sein Einkommen mit gerade mal etwa 15 Prozent besteuert. Der Spitzensteuer­satz für Lohneinkünfte liegt in den USA jedoch bei 35 Prozent.

Retter der Spiele
Im Zuge seiner Steuerbeichte stapfte Romney gleich ins nächste Fettnäpfchen, als er mitteilte, ab und zu kassiere er „geringe“ Vortrags­honorare. Im vergangenen Jahr betrugen die jedoch immerhin 375.000 Dollar. Ins Kreuzfeuer geriet Romney zudem, als er vor laufenden Fernsehkameras seinem Herausforderer Rick Perry eine 10.000-Dollar-Wette anbot, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, wie so eine Äußerung wohl bei Wählern ankommt.

Romney stammt aus einem wohlhabenden Elternhaus. Sein Vater machte Millionen in der Detroiter Autobranche, bevor er als Gouverneur von Michigan und später als Wohnungsbauminister unter US-Präsident Richard Nixon eine politische Karriere einschlug. Romneys politische Karriere begann über Umwege. 1999 wurde er in das wegen Bestechungsvorwürfe skandalumwitterte Organisationskomitee der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City berufen. Dem oft als „Retter der Spiele“ bezeichneten Romney gelang es, Geld von privaten Firmen und der Regierung in Washington einzuwerben und die Spiele wieder auf Kurs zu bringen.

Fähnchen im Wind
Mit dem Erfolg in Salt Lake City ­ebnete er seine politische Karriere. Ambitionen hatte Romney schon 1994, als er im Bundesstaat Massachusetts ausgerechnet dem beliebten Ted Kennedy den Gouverneursposten streitig machen wollte. Erfolglos. Acht Jahre später trat er erneut an und gewann überraschend als Republikaner in einem der liberalsten Bundesstaaten der USA.

Seinem Ruf als Sanierer wurde er auch in Massachusetts gerecht: Es gelang ihm nicht nur, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, sondern sogar Überschüsse zu erzielen. Sein politisches Profil blieb dennoch unscheinbar, wechselhaft und visionslos. Frühere Kommilitonen und Professoren bescheinigen ihm eine unideologische Denkweise. Der beste Lösungsansatz war immer der, der das Ziel ein Stückchen näher brachte. In Anspielung auf seine Wankelmütigkeit wird Romney von Anhängern seines Widersachers Jon Huntsman längst als Romney 5.0 verhöhnt. Ob Homoehe, Krankenversicherung oder Abtreibung — Romneys Ansichten ändern sich mit den Umständen. Und die sind im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur anders als im liberalen Massachusetts.

Dennoch dürfte Romney von allen Kandidaten die besten Aussichten haben, Obama im November zu schlagen. Die Ziele seiner sich am rechten Rand der Partei tummelnden Kontrahenten sind kaum mehrheitsfähig und ungeeignet, um enttäuschte Obama-Wähler abzuwerben. Romneys Wahlprogramm enthält zwar ebenfalls die typisch republikanischen Forderungen nach weniger Steuern, der Abschaffung der Gesundheitsreform Obamas und dafür einer Aufstockung des Militärbudgets, ist aber vergleichsweise ­gemäßigt.

Für Obamas Wahlkampfteam scheint längst festzustehen, wer das Rennen machen wird. Seit Monaten bereitet es sich auf ein Duell zwischen Romney und Obama vor. Romneys nächste Herausforderung sind zunächst jedoch die Vorwahlen in South Carolina am 21. Januar. In Umfragen liegt er deutlich vorn.

zur Person:

Selfmademillionär
und Problemlöser

Mitt Romney wird als jüngstes von vier Geschwistern am 12. März 1947 in Detroit geboren. Nach seinem Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an den US-Eliteuniversi­täten Standford und Harvard beginnt Romney bei der Unternehmensberatung Bain & Company und gründet kurz darauf die Private-Equity-Gesellschaft Bain Capital.
Nach einer erfolglosen Bewerbung um den Gouverneursposten von Massachusetts im Jahr 1994 übernimmt er fünf Jahre später den Vorsitz des Organisationskomitees der Olympischen Winterspiele von Salt Lake City. Der Erfolg der Spiele verhilft ihm 2003 zum Amt des Gouverneurs von Massachusetts, das er 2007 jedoch aufgibt, um als republikanischer Präsidentschaftskandidat anzutreten. Bei den Vorwahlen 2008 scheitert er gegen John McCain. Mitt Romney ist bekennender Mormone und lebt mit seiner Frau Ann Lois Davies, mit der er fünf erwachsene Söhne hat, in Boston.

Bildquellen: Jessica Rinaldi

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