06.11.2012 12:30
Bewerten
 (3)

Welcher Präsident bringt Börsianern mehr Rendite?

US-Wahlen und Börse
Dieses Vorurteil hält sich seit Urzeiten: Republikaner sind besser fürs Geschäft. Kein Wunder, dass viele Börsianer bei der US-Präsidentschaftswahl auf Mitt Romney setzen. Seine größten Spender stammen aus den Wall-Street-Banken.
"Republikanische Kandidaten gelten als wirtschaftsfreundlich und Inflationsbekämpfer", erklären die Analysten der großen US-Fondsgesellschaft Janus Capital. Den Demokraten dagegen eile der Ruf voraus, dass unternehmerische Interessen bei ihnen einen nur geringen Stellenwert besitzen.

 

    Eine Wiederwahl von Barack Obama wäre also Gift für den Aktienmarkt? Mitnichten, hat der Londoner Börsenmakler CMC Markets festgestellt. "Obama schneidet ziemlich gut ab, was die Entwicklung der Märkte angeht", sagt Analyst Colin Cieszynski. Nach seiner Aufstellung liegt der demokratische Amtsinhaber sogar in der Spitzengruppe aller Präsidenten, wenn es um die Rendite für die Anleger geht. Der republikanische Vorgänger George W. Bush ist dagegen eines der Schlusslichter.

 

    "Auch wenn die Republikaner im Ruf stehen, eine wirtschaftsfreundlichere Politik zu betreiben, haben sich die Aktienmärkte seit 1900 unter demokratischen Präsidenten besser entwickelt", berichtet Cieszynski und belegt dies mit Zahlen: Unter republikanischen Präsidenten habe die Rendite aus Aktiengeschäften im Schnitt bei jährlich gut 5 Prozent gelegen - unter demokratischen Amtsinhabern dagegen bei 15 Prozent. "Unter Demokraten gab es höhere Renditen bei geringeren Risiken."

 

    Besonders erfolgreich waren demnach auf demokratischer Seite Bill Clinton und Franklin D. Roosevelt, bei den Republikanern Ronald Reagan und Calvin Coolidge, der in den 1920ern regierte. George W. Bush hatte dagegen das große Pech, dass die Finanzkrise im Wahljahr 2008 ihren Höhepunkt erreichte und die Kurse einbrachen. Unter Obama erholten sich die Märkte - ein Pluspunkt für seine Wiederwahl, wie Cieszynski sagt: "Aktienmärkte spiegeln die Stimmung im Land wider."

 

    Doch bedeutet dies, dass ein demokratischer Präsident Obama auch für die Zukunft der bessere Kandidat wäre? Die Experten von Janus Capital warnen: "Die Studien zum Thema sind nicht so eindeutig, wie es notwendig wäre, damit Anleger gezielt auf einen solchen 'Polit-Faktor' an den US-Märkten setzen könnten." Viel entschiedener ist nach Ansicht von Beobachtern, ob es den beiden Parteilagern gelingt, sich bei der Haushaltspolitik zusammenzuraufen und Anfang kommenden Jahres einen Absturz der Wirtschaft zu verhindern.

 

    Die Gefahr einer Rezession in den USA ist real, wie der Internationalen Währungsfonds (IFW) jüngst warnte: Wenn die Gesetzgeber nicht schleunigst verhinderten, dass im Januar wegen auslaufender Fristen automatisch drastische Steuererhöhungen und gleichzeitig Haushaltseinsparungen in Kraft treten, drohe der Wirtschaft ein Absturz von dieser berühmt-berüchtigten "Fiskalklippe"- gleich, wer die Wahl gewinnt. Denn der neue/alte Präsident tritt sein Amt erst Mitte Januar nächsten Jahres an.

 

    Die US-Aktienmärkte wären von einem solchen Absturz von der "Fiskalklippe" direkt betroffen, fürchtet Analyst David Kostin von Goldman Sachs. dow joDenn eine wirtschaftliche Abschwächung dürfte die Kauflaune der Anleger ebenso dämpfen wie höhere Steuern auf Kapitalgewinne und Dividenden. Und wenn die Leitbörsen in den USA schwächeln, so die allgemeine Befürchtung, könnte es auch in Europa mit den Kursen bergab gehen. Oder wie eine alte Börsenweisheit besagt: Wenn die USA niesen, bekommt der Rest der Welt einen Schnupfen.

    NEW YORK/FRANKFURT (dpa-AFX)

Bildquellen: Christopher Halloran / Shutterstock.com
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Bayer: Monsanto-Deal würde ein neues Burg­graben-Unter­nehmen ergeben!
Mit der Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto will Bayer im Agrarchemie-Geschäft den großen Wurf landen und zur weltweiten Nummer Eins aufsteigen. Der strategisch sinnvolle Megadeal ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet. Lesen Sie in der neuen Ausgabe des Anleger­magazins, warum der Life-Science-Konzern dennoch einen näheren Blick wert ist.

Heute im Fokus

DAX geht stabil ins Wochenende -- Wall Street freundlich -- PayPal-Deal mit Visa -- ElringKlinger kassiert Prognose -- Starbucks, Boeing, AMD im Fokus

Teile ehemaliger Bilfinger-Sparte offenbar wieder zum Verkauf. Rekordtransfer: Schürrle-Wechsel zum BVB offiziell. Gewinneinbruch bei American Airlines. GE punktet mit Energie und Luftfahrt. VW-Konzern setzt in Südkorea Verkauf von 79 Modellen aus. Heideldruck-Chef Linzbach verlässt Unternehmen. EZB-Vertreter: Probleme italienischer Banken lösbar.
Die wertvollsten Marken 2016
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Welche Marke ist die teuerste?
Volatilität in Schwellenländern
Das haben die Dax-Vorstände 2015 verdient
Welches Land gewann am häufigsten die europäische Fußballkrone?
Welches Land schnitt bei den Weltmeisterschaften am besten ab?
mehr Top Rankings

Umfrage

Die Bundesregierung sieht keine Auswirkungen des Putschversuchs in der Türkei auf das Flüchtlingsabkommen mit der EU. Sehen Sie das auch so?