von Tim Schäfer, New York
Carl Icahn ist mit 74 bereits im gesetzteren Alter. Aber wenn er jemanden ins Visier genommen hat, lässt er so schnell nicht locker: 2008 etwa stieg Icahn beim Filmstudio Lions Gate ein. Seither legte er immer neue Übernahmeangebote auf den Tisch und kritisierte lauthals das Management.
Doch das Unternehmen, das Filme wie „Crash“, „Precious“, „Kick-Ass“ oder „Killers“ vermarktet, verteidigt sich bislang geschickt. Vorstandschef Jon Feltheimer wartet mit Giftpillen gegen den Raider auf. Seinem Freund Mark Rachesky schanzte Feltheimer eine Kapitalerhöhung zu, um Icahns Einfluss zu verwässern. Das Pikante daran ist, dass Rachesky einst in Diensten Icahns stand und nun gegen ihn arbeitet.
Doch Icahn bleibt unbeirrt. Dabei könnte sich der New Yorker den öffentlich geführten Schlagabtausch sparen. Sein Privatvermögen wird auf 10,5 Milliarden Dollar geschätzt. Auf der „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt steht Icahn damit auf Rang 59. Aber der abgebrühte Investor haut weiter drauf – und bekommt inzwischen Verstärkung aus dem eigenen Haus. Anfang 2009 schlug der Senior seinen Sohn Brett als Mitglied des Aufsichtsgremiums vor. Lions Gate lehnte ab. Der 30-Jährige verfolgt für die Icahn Group als Sektoranalyst Medienwerte. Icahn Jr. folgt seinem Vater. Nach dem Abschluss in Princeton 2001 sammelte er Erfahrung bei der Gründung der Social-Media-Website Massify.com. Vor gut einem Jahr stimmt Lions Gate zu, mit der Website zu kooperieren. 2005 rückte Brett Icahn in den Verwaltungsrat der Website HowStuffWorks.com auf. Daddy hatte die Internetfirma mitfinanziert. Nach dem Verkauf an die TV-Gruppe Discovery Communications blieb ein satter Gewinn für das Icahn-Duo hängen.
Bei Schwierigkeiten stehen die Firmenjäger auf der Matte
Kürzlich übernahm der Jungmanager bei Motricity einen Posten im Aufsichtsgremium. Den Anbieter von Mobilfunkdaten hatte er 2008 selbst entdeckt. Im Juni folgte der Börsengang. Doch beim IPO erfüllten sich die hohen Erwartungen nicht, der Ausgabepreis und die Zahl der ausgegebenen Aktien mussten reduziert werden. Dafür lohnte sich das Engagement bei dem Videospielehersteller Take-Two Interactive. Mehr als 80 Millionen Dollar machte der Filius seit seinem Einstieg gut. Tief gefallene Aktienkurse sind die Spezialität der Icahns. Wenn Unternehmen in Schwierigkeiten stecken, rückt die Milliardärsfamilie an. Sie beginnt, die Bilanzen und Wettbewerber zu analysieren. Je größer die Probleme sind, desto wohler scheinen sich die Icahns zu fühlen. Egal ob schrumpfende Umsätze, Produktmängel, ausufernde Kosten oder Skandale – Hauptsache, der Kurs ist im Keller. Heimlich, still und leise reißt sich die Familie immer größere Mengen an Aktien unter den Nagel.
Die Liste der Attackierten ist lang: Yahoo, Time Warner, Motorola, Blockbuster, ImClone und viele andere. Hat Icahn die Oberhand gewonnen, mischt er die Aufsichtsräte auf, wechselt Vorstände aus, erzwingt Kostenkürzungen. Nelson Peltz schlägt einen anderen Weg ein. Der Milliardär gab Ende Juli bekannt, beim Discounter Family Dollar Stores einen Anteil von 6,58 Prozent erworben zu haben, stimmte sich jedoch mit der Führungsspitze ab. Zwar will er die Profitabilität erhöhen und forderte von Vorstandschef Howard Levine öffentlich mehr Umsatz je Quadratmeter und aggressivere Aktienrückkäufe. Doch es scheint eine gewisse Übereinkunft zwischen beiden Parteien zu bestehen.
Peltz machte sich als Sanierer in der Lebensmittelindustrie einen Namen. Über seine Trian Holding kontrolliert er Beteiligungen an der Fast-Food-Kette Wendys/Arby’s Group, am Ketchup-Imperium Heinz, am Schmuckhändler Tiffany und am Vermögensverwalter Legg Mason. Zwar scheint Family Dollar nicht ganz in sein Beuteschema zu passen, denn die Billigkette steigert schon seit neun Quartalen in Folge den Gewinn. Anthony Chukumba von BB & T Capital Markets witzelte daher im „Wall Street Journal“: „In gewisser Weise sieht es so aus, als könnte Nelson Peltz am falschen Baum hochbellen. Vielleicht ist es aber auch so: Er stuft die Aktie schlichtweg als unterbewertetes Asset ein.“
Doch möglicherweise will sich der gewiefte Investor so vor einem möglichen Double Dip, also dem Rückfall der Wirtschaft in die Rezession, absichern. Denn je schlimmer die Zeiten werden, desto mehr Geschäft dürfte für den Billigheimer abfallen.
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