RHÖN-KLINIKUM-Aktien rutschten im frühen Handel um mehr als 20 Prozent ab.
Fresenius-Papiere legten dagegen an der DAX-Spitze zu. Die Standardwerteindizes
DAX und
MDAX konnten sich indes zunächst nicht für eine einheitliche Richtung entscheiden.
Eine der spektakulärsten Übernahmeschlachten der vergangenen Jahre ist hierzulande vorerst beendet. Fresenius war im Frühjahr unter anderem wegen der Störfeuer des Konkurrenten Asklepios mit dem Versuch gescheitert, Rhön-Klinikum für 3,1 Milliarden Euro zu übernehmen. Seitdem wurde immer wieder über eine neue Offerte spekuliert. Nun hat sich der Medizinkonzern entschieden kein neues Übernahmeangebot vorzulegen. Ein Händler sagte: "Die Lage ist nun sehr kompliziert, und es gibt nur Verlierer." Die verschiedenen Investoren werden sich weiter blockieren, bei Rhön ist das Geschäft durch den Fokus auf die Übernahme beeinträchtigt worden, und der Verkaufsdruck der kurzfristig engagierten Investoren wird extrem hoch sein, so der Börsianer.
HOHER AKTIENÜBERHANG BRINGT RHÖN UNTER DRUCK
Der hohe Aktienüberhang von Investoren, die auf eine neues Angebot gesetzt haben, löst nun einen deutlichen Kursrückgang aus, schrieb Analyst Volker Braun von der Commerzbank. Zunächst erscheine ein Risikoabschlag von 20 Prozent auf den errechneten fairen Wert von 18 Euro je Aktie angemessen. Er rechnet angesichts der zu schwachen Bilanz nicht mit einem Gebot durch Asklepios, und auch die Gewinnwarnung von Rhön erscheine nun nicht danach, als ob nur reiner Tisch gemacht worden sei. Zudem habe sich die strategische Position des Klinikbetreibers verschlechtert, da die drei großen Wettbewerber nun Aktionäre seien. Das könnte den Spielraum des Managements mittelfristig einschränken. Braun bleibt auf "Reduce" mit einem Kursziel von 15,00 Euro je Aktie.
"Für den Markt und die Investoren ist die Absage eine große Enttäuschung", sagte auch Analystin Theresa Dick vom Bankhaus Lampe. Vor allem die Ankündigung von Asklepios vor dem Wochenende, die Anteile weiter aufstocken zu wollen, dürfte aus ihrer Sicht ausschlaggebend für die Absage gewesen sein. Der Krankenhaus-Markt sei von Übernahmefantasien getrieben worden und entsprechend negativ sie die Meldung nun zu werten. Equinet-Analyst Konrad Lieder stuft fundamental die Unternehmensbestandteile des Klinikbetreibers indes weiter attraktiv ein. Doch könnte das Management in Frage gestellt werden und eine Reihe unfreundlich gestimmter Minderheitsaktionäre könnte operative Störungen verursachen. So könnte sich die Situation festfahren.
FRANKFURT (dpa-AFX )