MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Präsident der Ukraine, Viktor Janukowitsch, sieht die Gastransitleitungen durch sein Land trotz anderer Pipelineprojekte als unersetzbar an. "Selbst wenn diese Alternativwege fertiggestellt werden, wären sie von ihrer Kapazität weit davon entfernt, unser Röhrensystem zu ersetzen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag) mit Blick auf die vor kurzem eröffnete Ostsee-Pipeline sowie auf die in Planung befindlichen Projekte South Stream und Nabucco. Die Ex-Sowjetrepublik ist das wichtigste Transitland für russisches Gas in die EU.
Laut Janukowitsch müssen die Leitungen jedoch modernisiert werden. Experten zufolge lägen die Kosten dafür bei fünf bis sieben Milliarden Dollar und dürften sich über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahre erstrecken. Der Präsident wirbt für ein trilaterales Gaskonsortium, das sowohl die Interessen Russlands als Lieferant als auch die der EU-Staaten als Empfänger berücksichtige.
Die Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland sind angespannt, auch beim Thema Gas. "Das vor drei Jahren ausgehandelte Gasabkommen mit Russland ist überaus nachteilig für die Ukraine", sagte Janukowitsch und führte aus: "Der Preis von 516 Dollar pro 1.000 Kubikmeter ist ungerecht. Dieser Preis bedroht auf lange Sicht die nationale Sicherheit der Ukraine. Er benachteiligt unsere Produzenten auf den internationalen Märkten."
Berichte über ein Gesetzesprojekt, welche die Verpachtung des ukrainischen Pipelinesystems an den russischen Gaslieferanten Gazprom (Gazprom (Spons ADRs)) erlauben soll, wies er zurück: "Es gibt kein derartiges Projekt. Wir haben auch nie irgendwelche Verhandlungen über die Verpachtung der Pipelines geführt. Vielmehr liegt es in unserem fundamentalen Interesse, die Position als Transitland nicht zu verlieren", sagt der Präsident. Die Einnahmen deckten einen Teil des ukrainischen Staatshaushalts ab. "Wir setzen also alles daran, weiterhin ein zuverlässiger Partner gerade auch für die Länder der EU zu sein."
Am Donnerstag hatten europäische Abnehmer berichtet, Russland habe seine Gaslieferungen an Europa inmitten der heftigen Kältewelle drastisch verringert. Gazprom wies die Anschuldigungen zurück und betonte, man habe die Lieferungen im Gegenteil erhöht. Gazprom warf damit dem Transitland Ukraine indirekt vor, wie in der Vergangenheit illegal Gas für den Eigenbedarf abzuzapfen. Der ukrainische Energieversorger Naftogas wies das indes zurück. Die finanziell angeschlagene Ex-Sowjetrepublik hat wegen des Superwinters derzeit einen rekordverbrauch./nmu/fn/wiz