von Tobias Meister, €uro am Sonntag
Wenn sich im März 2012 Experten aus aller Welt auf dem World Water Forum in Marseille treffen, werden sie wieder Alarm schlagen. Anhand neuer Studien wird belegt werden, dass der Rohstoff Wasser nicht in ausreichender Menge vorhanden ist, um die stetig wachsende Weltbevölkerung zu versorgen.
Wasser ist der lebenswichtigste aller Rohstoffe. Wahrscheinlich wird das blaue Gold in der Investmentszene bisher nicht richtig wahrgenommen, da es keinen Handel an den Terminmärkten gibt. Der Preis wird nicht an der Börse festgelegt, sondern von Regierungen und Kommunen.
Die Lage ist dramatisch: Nach Berechnungen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2025 etwa drei Milliarden Menschen unter Wassermangel leiden. Das hat vor allem zwei Ursachen: Weltweit hat sich der Wasserbedarf seit 1900 mehr als verfünffacht. Nach einer Studie des Schweizer Spezialisten für nachhaltige Investments SAM (Sustainable Asset Management) verbrauchte die Menschheit damals jährlich etwa 770 Milliarden Kubikmeter Wasser aus dem Kreislaufsystem. Im Jahr 2000 waren es schon 3.840 Milliarden Kubikmeter. Während ein Amerikaner durchschnittlich 580 Liter pro Tag verbraucht, kommt ein Chinese bisher mit 90 Litern aus. Mit dem steigendem Wohlstand wird der Verbrauch auch in den bevölkerungsstarken Schwellenländern drastisch ansteigen.
Etwa 70 Prozent des weltweiten Wasserbedarfs gehen auf das Konto der Landwirtschaft. Vor allem zur Bewässerung von Plantagen werden enorme Mengen des blauen Goldes benötigt. So werden nach Angaben der Stiftung Waterfootprint zur Produktion von einem Kilo Rindfleisch im Schnitt 15.500 Liter Wasser benötigt. Für ein Kilo Filterkaffee sind es etwa 10.000 Liter.
Da die Weltbevölkerung immer stärker wachsen und auch der Wohlstand zunehmen wird, sind in den kommenden Jahren Lösungen gefragt, um die vorhandenen Wassermengen zu optimieren. Rund um das Thema Wasser entstehen riesige Industrien. Satte 40 Milliarden Euro sind nach Schätzungen der Marktforscher von Global Water Intelligence (GWI) notwendig, um die weltweiten Trinkwasserversorgungsanlagen zu erweitern und instand zu halten. Noch deutlicher werden die Investitionen für die jährliche Abwasserreinigung steigen. Bis zum Jahr 2016 rechnen die GWI-Experten mit rund 140 Milliarden Dollar pro Jahr. Anleger können zwar nicht direkt in Wasser investieren, allerdings erscheinen Anlagen in die Aktien der Markt- und Technologieführer sinnvoll.

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Mittlerweile gewinnt Wasser auch im Hinblick auf die Stromerzeugung eine größere Bedeutung. Vor Jahren als altbackene Technik aussortiert, gerät die Wasserkraft wieder in den Fokus – vor allem nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima. Laufwasserkraftwerke erzeugen wohl den saubersten Strom überhaupt. In diesem Segment mausert sich Verbund zum grünen Vorzeigestromkonzern in Europa. 2009 übernahm der Energieversorger, der noch zu 51 Prozent dem Land Österreich gehört, für rund 1,3 Milliarden Euro 13 Laufwasserkraftwerke am Inn von Eon. 3,7 Prozent wurden kurz darauf an Innkraft Bayern weiterveräußert, kürzlich sind EVN und Wien Energie zu jeweils 13 Prozent eingestiegen.
Durch den Kauf sind die Wiener in die Top Five der europäischen Wasserkraftanbieter aufgestiegen – wobei die anderen (EdF, Enel, Statkraft und Vattenfall) teilweise mehr Strom aus anderen Quellen als aus Atomkraftwerken produzieren.
Von Verbund produzierter Strom stammt zu 90 Prozent aus Wasserkraft. Damit liegen die Österreicher in der EU an der Spitze. Und sie wollen mit erneuerbaren Energien weiter Marktanteile gewinnen. Vor allem in Südosteuropa sieht Vorstandschef Wolfgang Anzengruber noch großes Potenzial (siehe Interview).
Auch die umstrittenen Pumpspeicherkraftwerke in den Alpen sind besser als ihr Ruf. Bläst etwa zu viel Wind an der deutschen Nordseeküste, wird der überschüssige Strom aus den Windparks von Verbund genutzt, um Wasser in die Speicherseen zu pumpen. Wird anschließend im europäischen Netz wieder Strom benötigt, wird das Wasser talabwärts durch die Turbinen gejagt und Strom produziert. Somit fungieren Pumpspeicherkraftwerke als eine Art grüne Batterie.
Fest steht: Die Wasserwirtschaft wird langfristig immer wichtiger, egal ob für die Stromerzeugung, Wasserversorgung oder -reinigung.
Anleger können an dem Megatrend mit den richtigen Investments kräftig mitverdienen.
Interview:
„Der sauberste Strom“
Verbund-Vorstandschef Wolfgang Anzengruber über Wasserkraft.
€uro am Sonntag: Neben Laufwasserkraftwerken betreibt Verbund auch Pumpspeicherkraftwerke. Kritiker werfen Ihnen vor, dass es sich dabei um Ökoschwindel handle.
Wolfgang Anzengruber: Wir betreiben keinen Ökoschwindel. Wasserkraft ist die sauberste Art der Stromerzeugung.
Woher kommen dann die kritischen Stimmen?
Es wird immer wieder behauptet, dass in den Pumpspeicherkraftwerken das Wasser mit Atomstrom aus dem europäischen Netz hochgepumpt wird und daraus Wasserkraftstrom wird, wenn es abgelassen wird. Das ist falsch! Der Strom, der mit Pumpspeicherkraftwerken erzeugt wird, wird nicht als Wasserkraftstrom ausgewiesen. In der Fachsprache wird dieser Strom als „Strom unbekannter Herkunft“ bezeichnet, der sich aus dem statistischen Mix der europäischen Stromerzeugung zusammensetzt.
Demnach können Sie aus Pumpspeicherkraftwerken keinen ökologisch sauberen Wasserkraftstrom verkaufen?
Doch, schon. Der natürliche Wasserzufluss im Speichersee darf als Wasserkraftstrom vermarktet werden. Die Menge lässt sich einfach berechnen, da wir genau wissen, welche Energie wir erwirtschaften und welche Energie wir zum Pumpen benötigt haben. Die Differenz ist Strom aus Wasserkraft.
Suchen Sie weitere Wasserkraftwerke in Deutschland?
Derzeit gibt es keine Überlegungen. Solche Kraftwerke kommen auch nicht jeden Tag auf den Markt. Mit den 13 Laufkraftwerken am Inn können wir rund 500.000 Haushalte mit Strom versorgen. Wasserkraft im großen Stil ist in Deutschland allerdings durch die topografischen Gegebenheiten begrenzt.
Welche Länder stehen dann im Fokus?
Ein wichtiger Markt wird für uns die Türkei werden. Von Finanzkrise ist dort nichts mehr zu spüren. Da geht wirklich die Post ab. Gemeinsam mit unserem Partner, der Sabanci-Gruppe, betreiben wir über die gemeinsame Produktionsgesellschaft EnerjiSA ein sehr erfolgreiches und weiterhin vielversprechendes Joint Venture.
Werden Sie im Bereich Windkraft ebenfalls expandieren?
Windkraft spielt im Energiemix eine wichtige Rolle. Deshalb haben wir uns entschlossen, einen Windpark mit einer Leistung von 150 Megawatt an der rumänischen Schwarzmeerküste zu errichten.
Investor-Info
Verbund
Saubermänner aus Österreich
Die Verbund-Aktie eignet sich für langfristig orientierte Anleger. Mit 90 Prozent Strom aus Wasserkraft zählen die Österreicher zu den saubersten Stromproduzenten und profitieren vom Atomausstieg in Deutschland, der für steigende Strompreise in ganz Europa sorgen wird. Allerdings machen sich Preiserhöhungen erst mit einem Jahr Verzögerung bemerkbar, da Vorstandschef Anzengruber auch weiterhin einen Großteil der jährlichen Stromproduktion zum Fixpreis am Jahresbeginn verkauft.
Veolia Environnement
Zahlmeister aus Frankreich
Wer sich bei Wasseraktien engagiert, kommt am Papier des Umweltspezialisten Veolia Environnement nicht vorbei. Interessant ist vor allem die Dividendenrendite von mehr als fünf Prozent. Die Franzosen sind in 66 Ländern im Wasser- und Abwasserbereich tätig und versorgen rund um den Erdball rund 95 Millionen Menschen mit Trinkwasser. Die jüngste Kursschwäche ist auf eine Volksbefragung in Italien zurückzuführen, bei der die Privatisierung der Wasserversorgung abgelehnt wurde.
Geberit
Wassersparer aus der Schweiz
Wie beim Strom ist auch beim Wasser Sparsamkeit das Gebot der Stunde. Und hier belegen die Schweizer eine Spitzenposition. In fast jedem Haus befinden sich Produk-te von Geberit. Neben Rohrleitungssystemen bietet das Unternehmen mit Sitz in Jona Wasser sparende WC-Spülkästen an und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Wie viele andere Wasseraktien ist Geberit kein Schnäppchen, aber langfristig sehr interessant.
Hydrotec
Hot-Stock aus Deutschland
EHEC-Bakterien in einem hessischen Bach zeigen, wohin die Entwicklung geht: Filtration und Wasseraufbereitung werden immer wichtiger. Genau das ist das Geschäft von Hydrotec. Noch im laufenden Geschäftsjahr will das Management eine Innovation präsentieren. Das Unternehmen im fränkischen Rehau bringt es allerdings gerade mal auf einen Börsenwert von 6,2 Millionen Euro und eignet sich nur für spekulative Anleger.
Bildquellen: Creativ Collection