28.07.2012 11:00
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Deutsche Bank: Kopfzerbrechen in Mainhattan

Eine Menge Ärger hat sich die Deutsche Bank aber auch selbst eingebrockt
Unter Druck
Deutschlands größtes Geldinstitut leidet nicht nur unter der Eurokrise. Das Haus hat vor allem auch strukturelle Probleme.
€uro am Sonntag

von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Anshu Jain und Jürgen ­Fitschen sind vom Start weg eher Getriebene denn Treiber. Nach dem Gewinnrückgang im zweiten Quartal erwarten Analysten, dass das neue Führungsduo der Deutschen Bank jetzt erst einmal mit Restrukturierung und Aufräumarbeiten eingedeckt ist. Die Eskalation der Staatsschuldenkrise liefert dafür eine Erklärung — denn das größte deutsche Geldhaus verdient noch immer zwei Drittel direkt oder indirekt mit den Kapitalmärkten. Eine Menge Ärger hat sich die Bank aber auch selbst eingebrockt. Viele Analysten bezweifeln zudem, dass das Institut die Herausforderungen ohne weitere Kapitalmaßnahmen durchstehen kann. Die Bank selbst will sich bislang jedoch nicht auf eine Kapitalerhöhung einlassen.

Enorme rechtliche Risiken
„Das größte Risiko für die Deutsche Bank sehe ich derzeit jedoch in den zahlreichen rechtlichen Auseinandersetzungen, angefangen von den Kirch-Prozessen bis zur Verwicklung in den Libor-Zinsskandal“, erläutert Philipp Häßler vom unabhängigen Analysehaus Equinet. „Die möglichen Belastungen allein aus dem Libor-Skandal könnten eine Größenordnung von über einer Milliarde Euro erreichen.“

Einschnitte kommen
Auf 700 Millionen Euro nach Steuern und damit deutlich stärker als erwartet ist der Gewinn im zweiten Halbjahr laut Mitteilung vom Dienstag zurückgegangen. Offizielle Begründung: Die Schuldenkrise drückt die Geschäfte im Investmentbanking; wegen des schwachen Euro steigen zudem Kosten, die in Dollar und Pfund anfallen. Die Bank will informierten Kreisen zufolge jetzt im Investmentbanking kurzfristig etwa 1000 der 10.000 Stellen streichen — in jenem Bereich also, den Jain selbst geführt hat, bevor er an die Spitze rückte. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass das erst der Anfang ist, und dass auch Einschnitte in der Vermögensverwaltung und im Privatkundengeschäft folgen werden.

„Die Deutsche Bank spürt derzeit nicht nur die Flaute im Kapitalmarktgeschäft, sondern auch die Anzeichen einer sich weltweit abkühlenden Konjunktur“, sagt An­dreas Pläsier von Warburg Research. „Es ist richtig, die Stellenzahl im Investmentbanking und damit Kosten zu senken. Man sollte allerdings berücksichtigen, dass das erst einmal Geld kostet und sich ergebnismäßig erst in ein bis zwei Jahren niederschlägt.“ Auf das Ertragsniveau der Jahre 2005/2006 werde die Bank allein schon wegen der verschärften Regulierung nicht mehr kommen.

Weitere Synergien muss die Bank Pläsier zu Folge auch im Privatkundengeschäft umsetzen. Da die übernommene Postbank über die bessere Informationstechnik (IT) verfüge, sollte die Bank ihre gesamte IT daran angleichen. Die Forderung nach Kapitalmaßnahmen hält Pläsier für überzogen. „Die Effekte einer zehnprozentigen Kapitalerhöhung auf die Kapitalquote wären angesichts des niedrigen Kursniveaus zu gering. Dafür müsste der Aktienkurs bei mindesten 37 bis 38 Euro liegen.“ Die Bank sei außerdem in der Lage, durch den Abbau von Risiken in der Bilanz eine angemessene Kapitaldeckung sicherzustellen.

Investoren blicken nun mit Spannung auf den Herbst, wenn Jain und Fitschen ihre neue Strategie vorstellen wollen. „Ich erwarte nicht, dass die beiden das Geschäftsmodell neu ausrichten werden“, sagt Equinet-Analyst Häßler. „Die Grundausrichtung auf Investmentbanking und das immer wichtigere Privatkundengeschäft stimmt.“ Die Vermögensverwaltung außerhalb Deutschlands müsse jedoch profitabler oder zu einem vernünftigen Preis verkauft werden. Auch die Hängepartie um die BHF-Bank sollte laut Häßler so rasch wie möglich beendet werden. „Wichtig ist auch, dass die Bank ihre Geschäftspolitik so anpasst, dass die zuletzt starke Häufung juristischer Auseinandersetzungen wieder deutlich zurückgeht.“

Investor-Info

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