von Georg Pröbstl, Euro am Sonntag
Die Euphorie ist verflogen. Nachdem Grammer wegen Übernahmegerüchten und eines kräftigen Turnarounds 2010 zu den Topwerten im SDAX zählte und Anlegern eine Kursverdreifachung bescherte, dümpelt der Wert seit dem Kursrutsch von 30 Prozent infolge der Eurokrise im August seit Monaten mehr oder weniger vor sich hin.
Im ersten Halbjahr war die Aktie mit einem zweistelligen KGV noch gut bezahlt und notierte sogar zum ersten Mal seit Langem wieder über Buchwert. Inzwischen gibt es den Hersteller von Sitzen, Armlehnen, Kopfstützen und ähnlichen Fahrzeugteilen aber wieder zum Discountpreis. Denn aller Krisenangst zum Trotz: In den ersten neun Monaten liefen die Geschäfte rund beim SDAX-Mitglied aus Amberg.
So steigerte der Zulieferer der Auto-, Bahn- und Nutzfahrzeugindustrie den Umsatz von Januar bis September um 19,7 Prozent auf 810,4 Millionen Euro. Fürs Gesamtjahr erwartet Firmenchef Hartmut Müller Erlöse von mehr als einer Milliarde Euro. 2010 waren es 929,7 Millionen. Bei einem erwarteten Anstieg der operativen Marge vor Zinsen und Steuern von 3,5 auf etwa 4,4 Prozent steht ein Gewinnsprung bevor. Schon in den ersten neun Monaten stieg das Ergebnis je Aktie von 88 Cent auf 1,45 Euro. Bis Jahresende dürfte der Gewinn auf 1,95 Euro je Anteilschein geklettert sein — macht ein günstiges KGV von sechs.
Kursziel: 19,50 Euro
Stopp: 9,50 Euro

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Auch für die nächsten Jahre stehen die Ampeln auf Grün. Die Oberpfälzer profitieren zum einen von Modellwechseln in der Truck- und Pkw-Industrie. Zum anderen setzt das Unternehmen auf Wachstumsmärkte wie die BRIC-Staaten — allen voran Indien und China. Lag der Fernost-Umsatzanteil 2007 erst bei 9,4 Prozent, so sind es inzwischen 13,8 Prozent. Die BRIC-Staaten haben enormen Nachholbedarf bei Pkw und Nutzfahrzeugen. In Russland etwa wird in diesem Jahr ein Plus der Neuzulassungen von 23 Prozent erwartet.
Die ausgezeichneten Perspektiven spiegeln sich im Kurs nicht wider. Der Sitzhersteller notiert um 30 Prozent unter dem Eigenkapital von 17,50 Euro je Aktie. Kurse auf diesem Niveau sollten also bald wieder drin sein. Hinzu kommt: Von 2008 bis 2010 fiel die Dividende bei Grammer aus. Möglicherweise kehrt das Unternehmen schon mit der 2011er-Dividende zur gewohnten Ausschüttungspolitik zurück. In früheren Jahren gab es einen Euro je Aktie. Bei 7,8 Prozent Rendite sollte mit der Dümpelei bald Schluss sein.
Georg Pröbstl ist Chefredakteur der Value-Depesche.
Der wöchentliche Börsenbrief (www.value-depesche.ch)
ist auf unterbewertete Aktien spezialisiert.