von Georg Pröbstl, Euro am Sonntag
Chinesische Aktien sind out. Beispiel Kinghero. Nach dem Listing in Deutschland 2010 verdoppelte sich der Kurs des Bekleidungsherstellers in wenigen Monaten. Von dort hat sich die Notierung nun aber gedrittelt. Auch der Bambusproduzent Asian Bamboo war Anlegern vor kurzem noch deutlich mehr wert. Von Mitte 2009 bis Anfang 2011 vervierfachte sich die Notierung.
Heute bezahlen Anleger für Asien Bamboo nur noch den 7. Teil der früheren Bewertung. Vergleichsweise stabil läuft dagegen Greater China Precision Components. In den letzten drei Jahren pendelt der Kurs der Holding aus Singapur meist im Bereich von 0,50 bis 1,0 Euro und notiert derzeit ziemlich exakt in der Mitte dieser Spanne.
Dennoch: Auch beim Hersteller von Gehäusen für Mobiltelefone und Tablet-Geräte gibt es einen China-Malus. Anders ist mir die fast unglaublich günstige Bewertung der Aktie nicht zu erklären. Ein 2er-KGV ist drin. Es gibt rund acht Prozent Dividende. Der Cashbestand deckt mehr als die Hälfte des Börsenwerts ab. Der Buchwert liegt dreimal so hoch wie der Aktienkurs und die Eigenkapitalquote beträgt rund 70 Prozent. Was ist da los? – fragen sich Börsianer. Zuerst einmal: Greater China Precision Components wächst rasant.
Im vergangenen Jahr gab es die Umsatzverdopplung auf 589,6 Millionen Renminbi Yuan – rund 72 Millionen Euro. In den ersten sechs Monaten 2012 legte der Zulieferer der Handy-Industrie erneut um 96,4 Prozent zu. Das Wachstum war nicht nur der hohen Nachfrage nach Gehäusen für Mobiltelefone geschuldet, sondern auch der Produktionsaufnahme von Gehäusen für Tablet-Geräte im zweiten Halbjahr 2011. Da die Bruttomarge in den sechs Monaten von 17,4 auf 24,0 Prozent kletterte und gleichzeitig die Verwaltungskosten stagnierten, vervielfachte sich das Ergebnis von 0,01 auf 1,45 Yuan je Aktie – auf Eurobasis waren das 0,18 Euro je Aktie.
Trotz der europäischen Schuldenkrise und der Verlangsamung der Wachstumsraten in der chinesischen Wirtschaft ist das Management des Unternehmens der Ansicht, dass Gesamtjahresumsatz und –gewinn über den 2011er-Zahlen liegen werden. 2011 lag der Gewinn je Aktie bei 2,33 Yuan entsprechend 0,28 Euro je Aktie. Nach den starken Halbjahreszahlen halte ich 2012 ein Ergebnis von zumindest 0,30 Euro je Aktie für möglich – KGV 2,4.
Nun allerdings sagen manche Anleger: China – da gab es doch Bilanzbetrug und überhaupt ist das Reich der Mitte ganz weit weg, die Transparenz ist nicht so gegeben. Ich sage allerdings: Angesichts der exzellenten Kennzahlen müsste hier schon ein schräger Vogel vom Schlage eines Bernard Madoff am Werk sein. Aktien sind nun mal Risikokapital. Wer das weiss, der steigt ein. China-Malus hin oder her.
Fazit: Wohl keine Aktie hat günstigere Bewertungszahlen.
ISIN: SG9999005052
Gewinn je Aktie 2012e: 0,30 €
Gewinn je Aktie 2013e: 0,32 €
KGV 2013e: 2,4
Div./Rend. 2012e: 0,06 €/7,8 %
EK*-Quote: 70,2 %
EK* je Aktie/KBV: 2,46 €/0,3
Kurs/Ziel/Stopp: 0,77/1,5/0,53 €
* Eigenkapital