von Georg Pröbstl, Euro am Sonntag
Totgesagte leben länger. Auf kaum eine gewichtige Aktie trifft das mehr zu, als auf Leoni. Dem MDAX-Titel wurde schon mehrfach in den letzten Jahren die grosse Krise angedichtet – passiert ist bisher nichts.
Lediglich der Kurs des Kabel- und Bordnetzspezialisten kam infolge Untergangsszenarien und Anlegerängsten immer wieder unter die Räder. 2008 gab es ein Kursminus um 75 Prozent in nur zwei Monaten. 2011 halbierte sich die Notierung in nur zehn Wochen. Und 2012 gab es in sechs Monaten Verluste von 40 Prozent. Auf das 2008er-Debakel folgte aber eine jahrelange Kursrallye. Die 2011er-Verluste waren auch schnell wieder ausgebügelt und das 2012er-Kursminus ist zum Teil ebenfalls schon wieder eingeholt.
Zwar nur zum Teil - aber bei Leoni sehe ich noch deutliches Potenzial. So waren die Jahreszahlen 2012 schon einmal weit besser als gedacht. Hatte der Konzern aus Nürnberg erst im Oktober seine Umsatzprognose nach unten revidiert, so lagen die Erlöse mit rund 3,8 Milliarden Euro nun doch in Höhe der ursprünglichen Planung. Konkret war das sogar ein Rekordwert. Beim Gewinn vor Zinsen und Steuern erreichte der Zulieferer der Autoindustrie immerhin seine revidierte Planung und lag mit 236 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Bei einem Jahresüberschuss exakt auf dem 2011er-Wert lag das Ergebnis je Aktie nun erneut bei rund 5,0 Euro. Für das laufende Jahr hält sich Firmenchef Klaus Probst zwar etwas zurück. Wegen der schlechten Visibilität wagt der Manager nach eigenen Angaben nur eine „konservative“ Umsatzprognose von rund 3,7 Milliarden Euro für dieses Jahr.
Das könnte wirklich zu konservativ sein. Denn auch wenn Deutschland und Europa Probleme haben – weltweit boomt der Autoabsatz. Aktuell vermeldet beispielsweise VW mit einem Verkaufsplus der Kernmarke von 17,4 Prozent einen neuen Rekord für Januar. Die Spitzenmärkte waren dabei China und Nordamerika. Da die globale Autonachfrage wegen des riesigen Nachholbedarfs in den Schwellenländern über lange Jahre steigen dürfte, hält der Manager auch an seinen mittelfristigen Prognosen fest.
Schon für 2014 rechnet Probst wieder mit einem „beträchtlichen“ Umsatzwachstum – unter anderem wegen neu gewonnener Projekte in der Bordnetz-Sparte insbesondere in den Schwellenländern. 2016 wollen die Franken dann fünf Milliarden Euro Umsatz schreiben. Das aktuelle 6er-KGV dürfte bis dahin meiner Schätzung nach bei Gewinnen im Bereich von 7,0 Euro je Aktie dann eher in Richtung drei oder vier abschmelzen. Weicht bei Börsianern die Angst der Zuversicht, dann sind schon 2014 Kurse von über 45 Euro drin.
Fazit: Mittelfristig hat die Aktie das Zeug zum Verdoppler.
ISIN: DE0005408884
Gew. je Aktie 2013e: 5,0 €
Gew. je Aktie 2014e: 5,65 €
KGV 2014e: 5,8
Div./Rend. 2012e: 1,50 €/4,6 %
EK je Aktie: 26,10 €
EK-Quote: 32,8 %
KBV: 1,3
Kurs/Ziel/Stopp: 32,83/50,0/23,40 €
Bildquellen: Leoni