von Georg Pröbstl, Euro am Sonntag
Die österreichische Börse mit dem ATX, zählt derzeit wohl zu den am stärksten unterbewerteten Aktienmärkten weltweit. Nach kräftigen Kursverlusten in den letzten zwölf Monaten – der Index notiert derzeit 30 Prozent unter seinen 2011er-Hochs – bringen es die 20 Mitglieder im Leitindex des Nachbarlands derzeit nur auf ein Kurs/Buchwert-Verhältnis KBV von 0,8. Der DAX kommt immerhin auf KBV von 1,3. Für besonders stark unterbewertet halte ich dabei auch die Aktie von OMV.
Der mit 8,5 Milliarden Euro Marktkapitalisierung mit Abstand grösste Wert unter den österreichischen Blue Chips verfügt über ein Eigenkapital je Aktie von 34,46 Euro und kommt damit aktuell nur auf ein KBV von 0,7. 2008 war das Unternehmen Anlegern auf KBV-Basis noch dreimal so viel wert, Anfang 2011 wurde das Eigenkapital immerhin noch mit dem doppelten Wert an der Börse gehandelt.
Niedrige KBVs deuten oft auf schlechte Geschäfte. Ein schwacher operativer Lauf scheidet beim Wiener Öl- und Gaskonzern aber aus. In den letzten 15 Jahren schrieb das Energieunternehmen nur Schwarze Zahlen, es gab regelmässig hohe Dividenden meist zwischen drei und fünf Prozent. Da ich in den nächsten Jahren weitere Steigerungen erwarte, sollten sich Value-Investoren den Wert einmal genauer ansehen.
Der nach eigenen Angaben führende Erdöl- und Erdgasanbieter in Mittel- und Osteuropa setzt auf mehr Profitabilität. Bis 2014 sollen Kostensenkungen und Optimierungsmassnahmen etwa bei der Förderung einen Anstieg der Rendite auf das durchschnittlich eingesetzte Kapital – ROACE Return on Average Capital Employed – von elf auf 13 Prozent bringen.
Operativ will sich Firmenchef Gerhard Roiss künftig verstärkt auf Exploration und Produktion sowie den Ausbau der Wertschöpfungskette bei Erdgas – etwa mit Verstromung – fokussieren. Mittelfristig bis 2016 soll die Produktion inklusive Akquisitionen um bis zu vier Prozent im Jahr steigen. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 34,1 Milliarden Euro. Langfristig soll der Bau zusätzlicher Gaskraftwerke – mit Gas aus Eigenförderung – erfolgen. Ein wichtiger Schritt für den Manager ist der Bau der Nabucco Gas Pipeline, mit der die gwealtigen Gasvorkommen am Kaspischen Meer und im Mittleren Osten erschlossen und nach Europa transportiert werden sollen.
Angesichts des 6er-KGVs und hohen Abschlags zum Buchwert sehe ich bei der Aktie schönes Potenzial. Möglicherweise nimmt der Wert schon nach Präsentation der Halbjahreszahlen am 8. August schnell die 30 Euro-Marke ins Visier. Setzt sich der Trend des ersten Quartals fort - das Ergebnis stieg von 1,24 auf 1,39 Euro je Aktie - dann sollte OMV Börsianern sogar noch um einiges mehr wert sein.
ISIN: AT0000743059
Gewinn je Aktie 2012e: 3,60 €
Gewinn je Aktie 2013e: 3,90 €
KGV 2013e: 6,6
Div./Rend. 2012e: 1,20 €/4,7 %
EK*-Quote: 46,5 %
EK* je Aktie/KBV: 34,46 €/0,7
Kurs/Ziel/Stopp: 25,60/35,0/17,80 €
*EK: Eigenkapital
Georg Pröbstl ist Chefredakteur der Value-Depesche.
Der wöchentliche Börsenbrief (www.value-depesche.ch)
ist auf unterbewertete Aktien spezialisiert.
Sein Musterdepot erzielte seit April 2010 eine
Outperformance zum DAX von +64,1 Prozent.
Depot-Entwicklung seit April 2010: +59,5 Prozent (DAX: -2,8 Prozent)
Kostenloses Probeabo jetzt bestellen!