29.03.2013 12:04
Bewerten
 (0)

Urenco-Eigentümer loten Interesse möglicher Bieter aus - Kreise

   Von Eyk Henning und Selina Williams

   Die Anzeichen für einen Verkauf des Urananreicherers Urenco verdichten sich. Die Eigentümer des Unternehmens, zu denen sowohl die Niederlande und Großbritannien als auch E.ON und RWE gehören, loten derzeit das Interesse möglicher Käufer aus. Mehrere Informanten sagten dem Wall Street Journal, potenzielle Bieter seien schriftlich aufgefordert worden, ihre Interesse unverbindlich anzuzeigen.

   Ein Verkauf des weltweit zweitgrößten Urananreicherers, der als politisch brisant eingestuft wird, wäre eine der größten Übernahmen in Europa in den letzten Jahren. Urenco könnte mit 8 Milliarden bis 12 Milliarden Euro bewertet werden, das wäre das rund 8- bis 12-Fache des EBITDA des Vorjahres. Die Niederlande und Großbritannien halten jeweils ein Drittel der Anteile, das restliche Drittel teilen sich die beiden deutschen Energieriesen.

   Bisher hatten sich die beteiligten Regierungen zurückhaltend zu einem Verkauf von Urenco geäußert. Politiker befürchten, dass die hochmoderne Technik zur Urananreicherung in die falschen Hände geraten könnte. Die Schuldenkrise in Europa erhöht jedoch den Druck auf die Regierungen, die Defizite zu senken. Auch RWE und E.ON bemühen sich seit längerem, die Schulden zu drücken.

   Ein Verkauf von Urenco könnte in diesem Jahr über die Bühne gehen. Die Eigentümer hätten schon inoffizielle Gespräche mit mehreren möglichen Bietern geführt, hieß es von beteiligten Bankern. Der Verkaufsprozess sei aber noch in einem frühen Stadium. Angesichts der Größe des Deals dürften sich die strategischen Interessenten mit Finanzinvestoren zu Konsortien zusammenschließen.

   Für die beiden deutschen Energieriesen ist der geplante Verkauf ein Teil eines breiter angelegten Plans. E.ON und RWE wollen die Schulden reduzieren und mit den Erlösen auch in Wachstumsländer wie Brasilien oder die Türkei investieren, sagte Kash Burchett, Analyst bei IHS Energy.

   Das Urenco ein Schwergewicht in der Branche ist, zeigt sich nicht nur bei der Bewertung des Unternehmens. Der Urananreicherer kommt eigenen Angaben zufolge weltweit auf einen Marktanteil von 31 Prozent und liegt damit an Platz zwei hinter der russischen Tenex, die sich selbst als größten Hersteller bezeichnet. Weitere große Unternehmen in der Branche sind die französische Areva oder die amerikanische USEC.

   Urenco-Chef Helmut Engelbrecht lehnte am Donnerstag einen Kommentar zu Gesprächen über einen Verkauf des Unternehmens ab. Grundsätzlich sei es kein einfacher Prozess, sagte der Manager lediglich während einer Pressekonferenz.

   Sicherheitsbedenken und die innovative Urananreicherungs-Technik des Unternehmens dürften bei dem Verkauf dazu führen, dass der Bieterkreis überschaubar bleibt. Von daher dürften Interessenten aus dem Mittleren Osten, Russland oder China wohl nicht zum Zug kommen, sagten den Verkäufern nahestehende Personen.

   Zusätzlich sei der Prozess sensibel, da ein Käufer sehr tiefgehendes Wissen über Kraftwerke erhalten würde, sagte Analyst Burchett.

   Zu den Bietern gehört der Rivale Areva, der die Investmentbank Nomura bei dem Deal beauftragt hat. Im Rennen sei Informanten zufolge auch der kanadische Uran-Produzent Cameco, der sich von Goldman Sachs beraten lasse. Interesse hätten auch die Beteiligungsinvestoren Apax Partners, Carlyle, Kohlberg Kravis Roberts & Co, Blackstone Group, Texas Pacific Group und der Canada Pension Plan. Sprecher der genannten Unternehmen wollten sich nicht äußern.

   Urenco wurde im Jahr 1971 von den Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens gegründet. Der Vertrag von Almelo regelt die gebündelten Forschungs- und Distributionsaktivitäten der drei Staaten. Zwei weitere Verträge ebneten Urenco den Weg auf US-Markt und zur Kooperation mit dem französischen Konkurrenten Areva.

   RWE und E.ON hatten bereits früher als die Regierungen signalisiert, ihre Anteile verkaufen zu wollen. Die Niederlande hatten dagegen lange Zeit gezögert. Vergangene Woche sagte dann Finanzminister Jeroen Dijsselbloem, dass auch die Niederlande den Verkauf ihres Anteils erwägen. Die Aussage des Politikers wurde bei Beobachtern als Startschuss für den Verkaufsprozess interpretiert.

   Mögliche Investoren müssten zuerst bestehende Verträge zur Absicherung von Urananreicherung unterschreiben, so Engelbrecht. Damit soll die Weitergabe von Nuklear-Technologie kontrolliert und verhindert werden, dass angereichertes Uran in die Hände von Terroristen fällt.

   Vorläufig rechnet Urenco-Boss Engelbrecht mit einer abflachenden Nachfrage nach angereichertem Uran. Grund dafür sei der Ausstieg aus der Atomkraft in Deutschland und die Unsicherheit in Japan über die Kernenergie nach der Katastrophe von Fukushima. Bestenfalls sei diese Situation aber befristet und die langfristigen Aussichten seien gut.

   Engelbrecht sieht sich gut positioniert, um angereichertes Uran verstärkt in Schwellenländer wie China oder Indien zu verkaufen. In diesen Ländern steige der Verbrauch stärker als in Europa oder den USA.

   --Mitarbeit: Jan Hromadko und Geraldine Amiel.

   Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

   DJG/DJN/kla/sha

   (END) Dow Jones Newswires

   March 29, 2013 06:34 ET (10:34 GMT)

   Copyright (c) 2013 Dow Jones & Company, Inc.- - 06 34 AM EDT 03-29-13

Artikel empfehlen?

Nachrichten zu E.ON AG (spons. ADRs)

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?
Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen
Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen
vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden
Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

RSS Feed

Analysen zu E.ON AG (spons. ADRs)

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
Keine Analysen gefunden.
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Anzeige

EON Peer Group News

Keine Nachrichten gefunden.

Heute im Fokus

DAX fester -- Draghi: EZB zu weiteren Maßnahmen bereit -- GfK-Konsumklima hellt sich auf -- Infineon-Aktie fällt nach schwachem Ausblick -- BASF in den USA verklagt -- Amazon, Google im Fokus

Misstrauensvotum gegen Juncker im Europaparlament gescheitert. GoPro entwickelt eigene Drohnen. Daimler streicht in Mannheim bis 2021 rund 500 Stellen. Allianz erwartet 2014 Ende des Kundenschwunds in Deutschland. Chinas Notenbank versorgt Geschäftsbanken mit Geld. Kritik an massiver Datensammlung in Uber-App für Android.
20 Dinge, die man für 561 Milliarden Euro kaufen könnte

Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experten

Wenn Zukunft Gegenwart wird

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Facebook & Co: Welche Börsengänge waren ein Desaster?

Welches Unternehmen erzielte bislang das größte Emissions- volumen?

Welche Darsteller verdienen am meisten?

Diese Models verdienten 2014 am meisten

In welchen Ländern kostet der Big Mac wie viel?

mehr Top Rankings

Umfrage

Der milliardenschwere "Soli" soll nach dem Willen von Rot-Grün ab dem Jahr 2020 auch den Ländern und Kommunen im Westen Deutschlands zugutekommen. Was halten Sie von diesem Vorhaben?