14.05.2013 15:53
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VÖB: Japanische Geldpolitik drückt Renditen in der Eurozone

    FRANKFURT (dpa-AFX) - Die sehr expansive Geldpolitik der japanischen Notenbank hat nach Einschätzung von Volkswirten des Verbandes öffentlicher Banken (VöB) einen Anstieg der deutschen Renditen zuletzt verhindert. "Die veränderte Geldpolitik der japanischen Notenbank hat große Mengen an Liquidität aus Japan an die Anleihemärkte der Eurozone gespült", sagte Gernot Griebling, Anleiheexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), bei der Zinsprognose-Presskonferenz des VöB am Dienstag in Frankfurt.

     Die massive Ausweitung der Geldmenge in Japan erkläre den überraschenden Rückgang der Renditen von Bundesanleihen seit Mitte Februar, sagte Griebling. "Eigentlich hatte die anhaltende Entspannung an den Märkten der Krisenländer wie Italien und Spanien für einen Anstieg der Bund-Renditen gesprochen." Da deutsche Anleihen aber höhere Renditen versprechen als japanische Papiere und der Japanische Yen an Wert verliere, spreche dies für weitere Geldzuflüsse aus Japan.         "Die Zinsen in Deutschland dürften noch in den nächsten ein bis zwei Jahren unter der Inflationsrate bleiben", erwartet Griebling. Die weltweit schwierige Suche nach Rendite bestimmt nach Einschätzung der VöB-Volkswirte die hohe Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen. Aber auch in den Krisenländern der Eurozone dürften die Renditen nicht erneut steigen.

    "Durch die Beruhigung der Situation in Zypern und die Stabilisierung in Italien ist das Risiko steigender Spreads für Anleihen der Peripheriestaaten nochmals gesunken", sagte Thomas Meißner, Leiter der Rentenmarktstrategie bei der DZ-Bank. Deutsche Bundesanleihen sollten zwar zunächst weiter von der schwachen Konjunktur und niedrigen Inflationsraten profitieren. Der Abstand zwischen den Renditen von Bundesanleihen und den Renditen der Staatsanleihen aus den Krisenstaaten dürfte sich aber nicht nennenswert vergrößern.          Die Eurozone steckt nach Einschätzung der VÖB-Volkswirte zwischen Rezession und Stagnation fest. Die deutsche Wirtschaft habe hingegen auf den Wachstumspfad zurückgefunden. In der Eurozone sei angesichts der Strukturreformen erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer Erholung zu rechnen. Insgesamt sehen die Experten die Eurokrisenländer auf einem guten Weg.

    "Länder wie Spanien und Portugal aber auch Griechenland haben weitreichende Reformen durchgeführt, die die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt haben", sagte Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank. "Diese Reformfortschritte in den betroffenen Ländern waren vor einem Jahr so noch nicht zu erwartet gewesen." Unzureichend seien jedoch die Reformen in Frankreich und Italien, kritisierte der Experte.

    Nach Einschätzung von de la Rubia ist die drohende Aufwertung des Euro ein Risiko für die Erholung in den Krisenländern. Die sehr expansive Geldpolitik der Japaner dürfte den Eurokurs auch handelsgewichtet weiter nach oben treiben. Der Euro wird nach Einschätzung der Experten attraktiv bleiben, da in der Eurozone Strukturreformen durchgeführt würden, während man sich in den anderen großen Währungsräumen ganz auf die Notenbank verlasse.

    Eine weitere Zinssenkung durch die EZB erwarten die Experten überwiegend nicht. Bereits die letzte Zinssenkung auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent habe eine eher symbolische Wirkung gehabt. Die zuletzt diskutiere Senkung des Einlagensatzes in den negativen Bereich hielten die meisten Experten für riskant. Insbesondere bereits angeschlagene Banken könnten durch diese Maßnahme gefährdet werden./jsl/jkr/he

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