FRANKFURT (Dow Jones)--Der Volkswagen-Konzern erwägt, die Integration des Porsche-Sportwagengeschäfts zu beschleunigen, um möglichst schnell von den angestrebten Kostensynergien zu profitieren. Die vollständige Integration der Marke Porsche in den Konzernverbund könnte möglicherweise vor den in der Grundlagenvereinbarung festgelegten Zeitfenstern zur Ausübung der Put- und Call-Optionen erfolgen, sagten drei mit den Vorgängen vertraute Personen zu Dow Jones Newswires.
Eine abschließende Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen, so die informierten Personen, da die Prüfung von Alternativen und mögliche auf das Unternehmen zukommende Steuerzahlungen noch andauere. VW hält an dem Sportwagengeschäft der Porsche Automobil Holding SE bereits 49,9 Prozent.
Beide Konzerne hatten sich 2009 auf Put- bzw. Call-Optionen auf die Porsche-Zwischenholding geeinigt, die das Sportwagengeschäft von Porsche beinhaltet. In der Grundlagenvereinbarung zur Bildung eines integrierten Automobilkonzerns war dies für den Fall eines Scheiterns der ursprünglich angestrebten Verschmelzung inklusive der Porsche-Holding verankert worden.
Die Porsche-Holding kann die Put-Optionen zum Verkauf des verbleibenden 50,1-Prozent-Anteils am Sportwagengeschäft entweder zwischen dem 15. November 2012 und 14. Januar 2013 ausüben oder zwischen dem 1. Dezember 2014 und 31. Januar 2015. Volkswagen wiederum kann seine Call-Optionen zwischen dem 1. März 2013 und 30. April 2013 oder dem 1. August 2014 und 30. September 2014 wahrnehmen.
Ein wichtiger Aspekt bei den derzeitigen Erwägungen ist eine mögliche Steuerzahlung in Höhe von 1 Milliarde Euro, wenn Volkswagen und Porsche den Deal vorzeitig - also vor Mitte 2014 - in Angriff nehmen.
Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe, dass VW noch in diesem Jahr die verbleibenden 50,1 Prozent zum Preis von 3,9 Milliarden Euro übernehmen will. Um die Steuerlast deutlich zu verringern, sollen die Porsche-Anteile danach nicht von VW, sondern von einer Zwischenholding gekauft werden. Wenn die Steuerbehörden diese Lösung akzeptieren, soll das Geschäft durchgezogen werden.
"Wir beschäftigen uns derzeit intensiv damit, ob es neben den in der Grundlagenvereibarung enthaltenen Put-Call-Optionen weitere für alle Beteiligten umsetzbare Möglichkeiten gibt, um das Ziel des integrierten Automobilkonzerns mit Porsche zu wirtschaftlich sinnvollen Bedingungen möglichst zeitnah zu erreichen", heißt es dazu von der Volkswagen AG. "Zu Spekulationen über Details der Ausgestaltung und möglichem Zeitrahmen äußern wir uns nicht."
Im September hatten Volkswagen und Porsche eingeräumt, dass die Entscheidung über eine Verschmelzung inklusive der Porsche Holding anders als geplant nicht bis Ende 2011 fallen kann. Die finanziellen Risiken seien unter anderem wegen laufender Gerichtsverfahren in den USA und Deutschland nicht abschätzbar. Mehrere institutionelle Investoren werfen Porsche Marktmanipulation vor, die das Unternehmen während des Übernahmeversuchs von Volkswagen vorgenommen haben soll. Porsche hält die Anschuldigungen für unbegründet.
-Von Christoph Rauwald und Eyk Henning, Dow Jones Newswires;
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January 22, 2012 10:37 ET (15:37 GMT)
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