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01.09.2012 11:00

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€uro am Sonntag

VW UND SEIN GOLF

Volkswagen: Die Gefahr des Fehlstarts

Volkswagen vz zu myNews hinzufügen Was ist das?



Der neue Golf 7 muss verkauft werden
Der neueste Golf geht an den Start. Warum der Golf 7 für den Autokonzern VW schon jetzt ein Problem ist.

von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Er ist noch immer das meistverkaufte Auto in Europa, das wichtigste für den Volkswagen-Konzern und hat einer ganzen Fahrzeugklasse seinen Namen verliehen: der VW Golf. An diesem Dienstag, dem 4. September, wird in Berlin die siebte Auflage des Verkaufsschlagers erstmals der Öffentlichkeit präsentiert — sechs Zentimeter länger als sein Vorgänger und 100 Kilo leichter.

Doch ein Selbstläufer wird der neue Golf 7 nicht, und das liegt nicht nur daran, dass dieses Modell auch im Volkswagen-Konzernverbund schon seit Jahren an Gewicht verliert. Autoexperten kritisieren insbesondere, dass Volkswagen bei der Neuauflage des Erfolgsmodells das Vermarktungspotenzial offenbar nicht ausschöpft.

„Grüner Golf“ — Fehlanzeige
„Der größte Schwachpunkt ist, dass man es versäumt hat, den Golf 7 von Anfang an auch mit alternativen Antrieben wie Hybrid, Erdgas oder Elektro anzubieten und in ­Richtung Umweltverträglichkeit als ,Grünen Golf‘ weiterzuentwickeln“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. „Damit verzichtet VW ohne Not auf eines der heute wichtigsten Vermarktungs- und Verkaufsargumente für ein Fahrzeug. VW hätte den Golf damit in seiner sozialen Kompetenz stärken können.“

29 Millionen Golf sind seit dem Marktstart des Bestsellers und Käfer-Nachfolgers 1974 verkauft worden. Mit geschätzten 960.000 produzierten Fahrzeugen ist der Golf auch 2012 noch immer ein Hauptabsatzträger im Konzernverbund. Doch hat er in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung verloren. So wurden 2010 mit fast 995.000 Stück erstmals mehr Passat- und Santana-Modelle verkauft als Golf-Fahrzeuge. „Die Schere wird weiter auseinandergehen“, prognostiziert Dudenhöffer.

Das liegt auch daran, dass der Golf sehr stark auf den europäischen Markt zugeschnitten ist, sich aber kaum in Amerika oder Asien verkauft. Passat und Santana kommen dagegen auf dem Weltmarkt wesentlich besser an. Dass der westeuropäische Automarkt derzeit krisenbedingt schrumpft, wird den Start für den Golf 7 nicht erleichtern. „Ich glaube, dass der Golf die Eine-Million-Marke bei der Jahresproduktion auch künftig nicht überschreiten wird“, sagt Dudenhöffer.

Interne Konkurrenz wächst
Wie sehr hausgemachte Faktoren den Golf bremsen, zeigen diese Zahlen: Waren 1995 noch 54 Prozent ­aller in Deutschland verkauften VW-Fahrzeuge Golf, so sind es im ersten Halbjahr 2012 gerade noch 28 Prozent. Mit VW-Modellen wie Tiguan, Touran oder auch dem Golf Plus steht dem VW-Kunden heute eine wesentlich breitere Produktpalette zur Verfügung. „Das ist grundsätzlich auch ein Vorteil im Konzernverbund, weil es einseitige Abhängigkeiten von einer einzigen Produktmarke verringert“, erläutert Dudenhöffer. Gleichzeitig dringen aber auch Premiummarken wie Mercedes oder Audi in das Golfsegment vor, was den Konkurrenzdruck zusätzlich erhöht.

Der Autoexperte wirft Volks­wagen aber auch Fehler bei der Gestaltung des Modellwechsels vor. So sei das auslaufende Vorgängermodell Golf 6 wegen zu hoher Volumenziele zuletzt mit sehr hohen Rabatten in den Markt gedrückt worden. Dass der Golf 6 mit einem Rabatt von 33 Prozent neben dem Golf 7 zum Listenpreis angeboten wird, bringe Probleme.

Russland boomt
Der Modellwechsel spielt sich auch vor dem Hintergrund völlig veränderter Absatzmärkte für den gesamten Volkswagen-Konzern ab. So könnte Russland Schätzungen zufolge bereits 2015 Deutschland als wichtigsten europäischen Automarkt ablösen. VW will nach Angaben von Vorstandschef Martin Winterkorn bis 2018 dort jährlich 500.000 Fahrzeuge verkaufen. Gerade hat der Wolfsburger Konzern angekündigt, an seinem russischen Standort Kaluga etwa 170 Kilometer südöstlich von Moskau ein neues Motorenwerk zu errichten. Auch andere deutsche Autohersteller wie BMW oder Daimler setzen auf den russischen Markt.

Bildquellen: VW AG

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Kommentare zu diesem Artikel

seher1 schrieb:
03.09.2012 08:46:48

herr dudenhöffer verliert auch langsam die realitäten aus den augen...

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