26.02.2013 14:47
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F.I.S.H. + Sequestration = ?

Vermögensverwalter-Kolumne: F.I.S.H. + Sequestration = ? | Nachricht | finanzen.net
Vermögensverwalter-Kolumne

Droht nach der Italienwahl weiteres Ungemach?

Von Thomas Böckelmann, Geschäftsführender Gesellschafter, veitsberg Gesellschaft für Vermögensbetreuung mbH, Ravensburg

Nach der Wahl ist vor der Wahl – zumindest sieht es heute früh nach einer Patt-Situation zwischen Senat und Abgeordnetenhaus in Italien aus. Italien scheint unregierbar – die von den Medien im Vorfeld als Schicksalswahl für den Euro klassifizierte Entscheidung hat keine eindeutigen Ergebnisse gebracht. Ernüchternd ist das mäßige Abschneiden Mario Montis, der als Krisenversteher das Land auf die richtige Spur geführt hat, ohne dafür Anerkennung zu erfahren. Nur Italiener werden verstehen können, wie ein verurteilter Straftäter wie Berlusconi Mehrheiten hinter sich bringen kann. Dieser Mann ist nicht wegen Falschparkens verurteilt, sondern wegen Betrug an der eigenen Bevölkerung in Form milliardenschwerer Steuerhinterziehung. Offensichtlich verdient jeder eine zweite Chance – ein wünschenswertes Szenario für deutsche Politiker, die bereits wegen Abschreibens in Studententagen zum Rücktritt gezwungen werden.

Europa – der F.I.S.H. stinkt…

Nachdem über Griechenland kaum noch jemand spricht, Irland und Portugal auf dem Weg der spürbaren Besserung sind, sind F (Frankreich), I (Italien), S (Spanien), H (Holland) die drängendsten Problemzonen in Euroland.

Frankreich: der Versuch, mit Sarkozy auch die wirtschaftlichen Probleme der Grande Nation abzuwählen, ist gescheitert. Hollande findet keine Rezepte die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Der Wirtschaft droht ein nachhaltiges Abgleiten in die Rezession. Ein schwaches Frankreich ist aber kein Garant für eine Stabilisierung der Eurozone.

Italien: aus heutiger Sicht unregierbar. Dabei hat dieses Land ein riesiges Potential, seine Budgetprobleme schnell in den Griff zu bekommen – allein es fehlt der Wille.

Spanien: der Intensivpatient, um den es sich zu Sorgen lohnt. Eine Zahlungsunfähigkeit Spaniens würde die Eurozone an ihre Grenze führen. Angesichts der spürbaren Bemühungen der Regierung ist dies ein Fall für uneingeschränkte Solidarität. Eine Katastrophe ist nur zu verhindern, wenn auch Deutschland als Schwergewicht in der Eurogruppe etwas südeuropäischer denkt. Sparen ist im Falle Spaniens der falsche Weg.

Holland: völlig unbemerkt im Windschatten der südlichen Problemfälle schwingt sich in den Niederlanden eine substantielle Immobilienkrise hinauf, die die Qualität besitzt, die bisher als makellos eingestuften niederländischen Banken schwer zu treffen.

USA – vor der 'Sequestration'…

Nachdem in der Silvesternacht Republikaner und Demokraten entschieden hatten, die politische Lösung des Haushaltsproblems in den Mai zu vertagen, droht bereits in der Nacht zum 1. März die ‚Sequestration‘ (Zwangsverwaltung), da die per Gesetz festgelegte Schuldengrenze überschritten wird.

In der Konsequenz drohen pauschale Ausgabenkürzungen der öffentlichen Hand nach dem Rasenmäherprinzip. Da dies weder die einen noch die anderen wollen, wird es vermutlich auch diese Woche eine Mitternachtssitzung in Washington geben, um einen Kompromiss zu erarbeiten.

Fazit:

Die Reformunwilligkeit von Politik und Wählern wird weiter dazu führen, dass die westlichen Notenbanken FED (USA), EZB (Eurozone) und BoJ (Japan) noch einige Zeit gezwungen sein werden, über die Notenpresse die für den Systemerhalt erforderliche Liquidität bereitzustellen. Dies hat in den letzten Jahren funktioniert, aber die Wirksamkeit findet dann ihr Ende, wenn ein nachhaltiger Vertrauensverlust droht. Noch sind wir im Zeitfenster, dass der Politik ermöglicht, Erklärungen zu finden und Visionen zu entwickeln.

Als Marktteilnehmer müssen wir aber anmerken, dass man die Politik nicht zu wichtig nehmen darf. Solange keine substantiellen Veränderungen der Rahmenbedingungen drohen (z.B. Steuererhöhungen, Kapitalverkehrskontrollen), werden die Unternehmen weiter von den globalen Wachstumstendenzen profitieren können. Ferner ist es Tatsache, dass noch zu viel Geld in real negativ rentierenden nominalen Werten (Bankeinlagen, Anleihen) angelegt ist und vor einer Neubewertung der damit verbundenen Risiken steht.

Im Moment sollte man kurz- und langfristige Strategien strikt von einander unterscheiden. Besonders kurzfristig: Die gestrigen Kurskapriolen (europäischer Aktienindex EuroStoxx50 zwischen +3 Prozent im Mittagshandel und -2,5 Prozent im Abendhandel) haben überdeutlich gezeigt, wie hoch der Stellenwert der Italienwahl für die Marktteilnehmer ist. Es bleibt zu befürchten, dass das Ereignis um die Sequestration zum Monatsende ähnliche Auswirkungen haben kann. Wer auf Liquidität sitzt, ist daher gut beraten, zumindest die kommenden Tage von der Seitenlinie zu beobachten.

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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