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14.02.2012 03:00

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VERSICHERER

Eurokrise macht Allianz zu schaffen

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Scharfer Gegenwind für Versicherungskonzerne wie die Allianz.
Niedrige Zinsen und Verluste bei Staatsanleihen und Aktien – Versicherungskonzerne wie der europäische Branchenprimus Allianz leiden unter der Eurokrise

von €uro-Redakteurin Sabine Gusbeth

Der verheerende Tsunami in Japan, das zerstörerische Erdbeben in Neuseeland und sintflutartige Überschwemmungen in Thailand — noch nie haben Naturkatastrophen so große Schäden angerichtet wie im vergangenen Jahr: umgerechnet 290 Milliarden Euro. Für die Versicherungskonzerne war 2011 damit das teuerste Jahr aller Zeiten. Die versicherten Schäden beliefen sich auf rund 80 Milliarden Euro, berechneten die Experten des deutschen Rückversicherungskonzerns Munich Re.

Die Naturkatastrophen treffen die Versicherer in einer ohnehin schwierigen Zeit. Denn neben Banken sind sie am stärksten von der Eurokrise und ihren Folgen betroffen. Abschreibungen auf Staatsanleihen europäischer Krisenstaaten, sowie Verluste aus Aktien und Beteiligungen belasten die Branche.

Der größte europäische Versicherungskonzern Allianz hat allein im dritten Quartal 2011 den Wert seiner Finanzbeteiligungen sowie der gehaltenen griechischen Staatsanleihen um 931 Millionen Euro nach unten korrigiert. Dennoch sieht Konzernchef Michael Diekmann das operative Ergebnis nicht in Gefahr. Das Unternehmen will 7,5 bis 8,5 Milliarden Euro erwirtschaften. Der Gewinn jedoch dürfte deutlich unter den 5,2 Milliarden Euro von 2010 liegen. Dies veröffentlichte Diekmann bereits in einem Interview Ende Dezember: „Da machen sich Abschreibungen bemerkbar. Im Nettoergebnis wird die angespannte Marktlage bei allen Spuren hinterlassen.“ Das offizielle Ergebnis für 2011 veröffentlicht die Allianz am 23. Februar.

Bis dahin könnte die Eurokrise bereits einen neuen Höhepunkt erreicht haben, denn allein in Italien werden im ersten Halbjahr Staatsanleihen mit einem Wert von fast 200 Milliarden Euro fällig (siehe €uro 1/2012). Doch gerade eine Verschärfung der Krise in Italien träfe die Allianz besonders hart. Ende September 2011 hielt das Unternehmen italienische Staatsanleihen im Wert von über 25 Milliarden Euro. Alles in allem hatte die Allianz zu ­diesem Zeitpunkt 413,5 Milliarden Euro in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Ein Großteil davon entfiel auf Staatsanleihen (35 Prozent) sowie auf Pfandbriefe (25 Prozent) und Industriean­leihen (20 Prozent).

Großinvestoren. Versicherer sind die größten Käufer von festverzinslichen Wertpapieren. In diesen Anleihen, die lange als ausfallsicher galten, legen die Versicherer die eingesammelten Kundengelder an, um — etwa bei Lebensversicherungen — die versprochenen Garantiezinsen zu erwirtschaften. Das erfolgreiche Anlegen der Prämien bescherte den Versicherern und ihren Aktionären lange Zeit hohe Überschüsse und kaschierte Probleme im eigentlichen Versicherungsgeschäft. Doch die hohe Unsicherheit an den Finanzmärkten macht es für die Großinvestoren nahezu unmöglich, die Milliardensummen gewinnbringend und dennoch vergleichsweise sicher anzulegen.

Einer Untersuchung der deutschen Finanzaufsicht Bafin zufolge hatten die zehn größten Versicherer hierzulande im Herbst elf Prozent ihres Rentenportfolios in Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien investiert. Bis zu 55 Prozent stecken in Bankanleihen. Die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA sieht genau darin ein großes Problem. Denn längst gelten die EU-Krisenländer oder Banken nicht mehr als so sicher wie noch vor ein paar Jahren. Fällt aber ein Schuldner aus, bedeutet das für die Versicherer enorme Verluste.

Doch nicht nur dies, sondern auch das niedrige Zinsniveau in der Eurozone und in den USA erschwert es den Versicherungskonzernen, die gewohnten Überschüsse zu erwirtschaften. Sollten die Leitzinsen längerfristig auf dem aktuell niedrigen Level von 1,25 Prozent bleiben oder gar weiter sinken, brächte das die Lebensversicherer gehörig in Bedrängnis. Denn sie haben ihren Kunden bis zum Laufzeitende — also oft erst nach Jahrzehnten — garantiert, bis zu vier Prozent Zinsen im Jahr zu zahlen.

Durchgefallen. Bei einem Stresstest der EIOPA, der simulierte, wie Versicherer mehrere Jahrzehnte mit einem sehr niedrigen Zinsniveau überstehen würden, fielen prompt fünf bis zehn Prozent der 82 getesteten EU-Institute durch.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Eigenkapitalregeln für die europäischen Versicherer ab 2013 deutlich verschärft werden sollen. Je risikoreicher ein Investment, desto mehr Eigenkapital muss dafür hinterlegt werden. Das schmälert die Renditen der Versicherer weiter. Ironischerweise dürfen europäische Staatsanleihen, auch solche von Krisenländern, selbst nach den neuen Bilanzierungsregeln als risikolos bewertet werden. Daher müssen sie auch nicht abgesichert werden.

Doch Eurokrise, ausfallgefährdete Staatsanleihen und volatile Finanzmärkte sind nicht die einzigen Probleme, mit denen die Allianz zu kämpfen hat. Vor allem im Heimatmarkt Deutschland macht dem Konzern insbesondere in der wichtigen Schaden- und Unfallversicherungssparte der harte Wettbewerb mit billigeren Konkurrenten, vor allem Onlineanbietern wie etwa HUK24, zu schaffen. Bereits 2010 verzeichnete die Allianz hier bei Umsatz und Marktanteil Rückgänge. Diese dürften sich 2011 weiter fortgesetzt haben.

Auch das Geschäft mit Lebensversicherungen wird 2012 wohl schwierig. Denn die geringe Verzinsung — der Garantiezins wurde Anfang des Jahres auf 1,75 Prozent gesenkt — macht die bislang beliebteste Form der Altersvorsorge in Deutschland zunehmend uninteressant. Doch nicht nur in Deutschland, auch in anderen wichtigen europäischen Märkten wie beispielsweise Frankreich und Italien tut sich die Allianz schwer — ebenso wie in den USA.

Zukunftsmusik. Umso mehr setzt der Konzern auf „Hoffnungsmärkte der Zukunft“, wie Allianz-Vorstandsmitglied Manuel Bauer im Interview mit €uro die aufstrebenden Staaten Südostasiens — Thailand, Malaysia oder Indonesien — bezeichnet. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Beitrag der Wachstumsmärkte in Asien, Osteuropa und Afrika zum Konzernumsatz von vier auf 14 Prozent erhöht. „Bis 2020 wollen wir den Anteil auf 20 Prozent steigern. Das ist machbar.“ 2012 hat Bauer den Riesenmarkt China „klar im Fokus“.

Doch ungeachtet der Wachstumszahlen hat die Region Asien-Pazifik 2010 gerade einmal 2,1 Prozent zum operativen Ergebnis der Allianz beigetragen. Aus Deutschland und Westeuropa dagegen stammten über 50 Prozent. Dort aber stagniert das Geschäft. Im Jahr 2012 drohen Konzernchef Diekmann also schwere Unwetter.


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Kommentare zu diesem Artikel

110380 schrieb:
14.02.2012 10:56:28

Ist man bei niedrigen Zinsen nicht noch beim Aufschwung...

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