DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Die deutsche IT-Industrie spielt laut dem deutschen Vodafone-Geschäftsführer Friedrich Joussen im internationalen Vergleich nicht in der Spitzenliga. "Es fehlen mit Ausnahme von
SAP die Global Player, die auf dem Weltmarkt ganz vorn mitspielen. Mit dem Silicon Valley können wir nicht mithalten", sagte Joussen dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Joussen fordert daher einen Masterplan. "Denn wenn man nicht weiß, wo man hinwill, darf man sich nicht wundern, wo man ankommt."
Er fordert zum Beispiel eine klare Vorstellung, wie der Telekommarkt im Jahr 2020 aussehen soll. Die Frage sei, ob die Politik Wettbewerb in den Festnetz-Infrastrukturen bei der Glasfaser oder die globale Marktführerschaft bei der Gestaltung innovativer Dienste wie dem elektronischen Personalausweis oder der elektronischen Kreditkarte wolle. "Nur wenn es darauf Antworten gibt, weiß ich doch als Staat, wie ich 2011 regulieren muss, um das größere Ziel 2020 mit der Industrie zu erreichen."
Zudem sieht Joussen die Telekomunternehmen Europas von US-Internetkonzernen ausgenutzt. Die kostenlose Verwendung der Telekomnetze durch die Internetkonzerne bezeichnet er als grotesk. "Eine Netzneutralität, wie sie teilweise politisch diskutiert wird, hilft der amerikanischen IT-Industrie und schadet den in Europa starken Telekommunikationsunternehmen, und zwar extrem." Firmen wie Google und Facebook nutzten europäische Netze intensiv, ohne sich an den Milliardeninvestitionen in die Qualität und Zukunft der Netze zu beteiligen. "Europa investiert, Amerika kassiert." Eine gesetzlich verankerte Netzneutralität würde diesen Zustand festschreiben - denn sie erlaube keinen Geldfluss von Inhalteanbietern wie Google oder Youtube zu den Netzinfrastrukturanbietern. "Das ist strukturpolitisch nicht gesund."/fn/stb/tw