25.10.2012 09:17
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Daimler kassiert nach Überraschungsszahlen Jahresziel

Panne wie bei Google
Eine bessere operative Entwicklung als erwartet hat Daimler nicht dvor bewahrt, die Jahresziele zu kassieren. Die Zahlen wurden nach einer Panne - wie bei Google letzte Woche - vorgezogen.
Statt 8,8 Milliarden Euro wie im Vorjahr hält der Stuttgarter DAX-Konzern 2012 nur noch ein EBIT von 8 Milliarden Euro für möglich, wie das Unternehmen überraschend in einer zunächst nur in den USA veröffentlichten Pressemitteilung bekanntgab.

   Vorstandschef Dieter Zetsche sagte, angesichts des schwierigen Marktumfelds sei Daimler zufrieden mit dem Ergebnis im dritten Quartal. Der konjunkturelle Gegenwind lasse aber das ursprüngliche Ziel für 2012 außer Reichweite rücken. Daimler sei noch nicht da, wo der Konzern mittel- bis langfristig hinwolle. Das Unternehmen habe Maßnahmen in allen Bereichen eingeleitet, um auf das schwierige Marktumfeld zu reagieren.

   Branchenbeobachter hatten eine Gewinnwarnung bei Daimler bereits befürchtet. Besonders in der Pkw-Sparte Mercedes-Benz lief es zuletzt nicht mehr so rund. Erst vor wenigen Tagen einigte sich das Unternehmen mit den Arbeitnehmern darauf, die teure S-Klasse wegen der schwächelnden Nachfrage im Werk in Sindelfingen bis zum Jahreswechsel nur noch in einer Schicht zu produzieren. Das profitable Flaggschiff der Marke mit dem Stern steht vor einem Modellwechsel, was in der Regel sinkende Verkaufszahlen mit sich bringt.

   Am Markt war die Skepsis hinsichtlich der Daimler-Prognosen schon seit Monaten groß. Analysten hatten bereits vor der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen im Juli damit gerechnet, dass der Ausblick eventuell gekappt werden muss. Allerdings hatte sich das Management um Zetsche zuversichtlich gezeigt, die gesteckten Ziele trotz aller Widrigkeiten noch zu erreichen.

   Nun sind die Prognosen also gekappt. Gegensteuern will Daimler mit einem umfassenden Maßnahmenpaket. Der Name des neuen Programms ist bereits seit einiger Zeit bekannt: "Fit for Leadership". Wie genau Daimler wieder in die Spur kommen möchte, blieb aber auch im Drittquartalsbericht offen. Zetsche sprach hier nur schwammig von Effizienzmaßnahmen. Dass diese Maßnahmen dringend notwendig sind, zeigt ein Blick auf den freien Cash-Flow im Industriegeschäft. Daimler hatte im dritten Quartal einen Barmittelabfluss von 200 Millionen Euro zu verkraften. Allerdings investiert das Unternehmen derzeit stark in neue Produkte. Das Arbeitskapital erhöhte der Autohersteller im Quartal um 800 Millionen Euro.

   Eine schnelle Erholung erwartet Daimler nicht. Mit der Prognose für 2012 kappte der Konzern auch sein Ziel für 2013. Das Erreichen dieser Vorgabe wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Stuttgarter wollen das Ziel zwar weiter verfolgen, können es wegen des schwierigen Marktumfelds derzeit allerdings nicht erreichen, wie sie im Quartalsbericht eingestehen. Bislang hatte Daimler für die Sparte Mercedes-Benz Cars eine operative Gewinnmarge von 10 Prozent im Jahr 2013 in Aussicht gestellt. Das Margenziel stand allerdings bereits seit September auf dem Prüfstand.

   Dabei lief es für das Unternehmen im dritten Quartal gar nicht so schlecht. Das operative Ergebnis (EBIT) fiel zwar um 2 Prozent auf 1,921 Milliarden Euro. Analysten hatten Daimler jedoch lediglich 1,85 Milliarden Euro zugetraut. Der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro, das war etwas weniger als erwartet. Unter dem Strich blieb ein Konzernergebnis von 1,205 Milliarden Euro, ein Rückgang um 11 Prozent.

   Schlecht lief es für Daimler vor allem bei den Kleinbussen. Diese verzeichneten mit 9 Prozent von allen Sparten den größten Umsatzrückgang. Der Bereich Vans verdiente operativ mit 75 Millionen Euro nur noch gut ein Drittel des Vorjahresgewinns. Schwerer in absoluten Zahlen wog aber der Gewinnrückgang bei der größten Sparte Mercedes-Benz Cars. Um 12 Prozent fiel das operative Ergebnis hier auf 975 Millionen Euro und das, obwohl der Bereich seinen Umsatz um 10 Prozent auf gut 15 Milliarden Euro steigerte. Die Marge von Mercedes-Benz Cars lag nur bei 6,4 Prozent, deutlich unter den 8 Prozent des Vorjahreszeitraums. Kein Wunder, dass der Konzern sein Margenziel von 10 Prozent für 2013 auf absehbare Zeit außer Reichweite sieht.

Dow Jones Newswires, Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 02 27 PM EDT 10-24-12

Bildquellen: noomHH / Shutterstock.com
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