(Neu: Aussagen aus der Pressekonferenz, Aktienkurs, Händlerstimme)
HAMBURG (dpa-AFX) – In der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten setzt die Optikerkette Fielmann <FIE.ETR> unverdrossen auf Expansion. 25 Filialen und damit 4 mehr als im vergangenen Jahr will der Konzern 2009 eröffnen und zudem möglichst noch in diesem Jahr einen Zukauf stemmen. Darüber hinaus hat Fielmann gerade erst seine Werbeausgaben aufgestockt und rührt in Print und TV kräftig die Werbetrommel für Brillen zum Nulltarif. „Wir sehen die Krise als Chance“, gab Vorstandschef Günther Fielmann am Donnerstag in Hamburg die Losung vor. „Wir denken langfristig und investieren antizyklisch.“ Das Unternehmen habe sich bislang immer besser als die Branche geschlagen und wolle seine Marktposition auch im Krisenjahr 2009 ausbauen.
KEIN AUSBLICK FÜR 2009
Eine konkrete Prognose für das laufende Geschäftsjahr wollte der Konzern dennoch nicht geben. „Das wäre momentan nicht seriös“, sagte Finanzvorstand Georg Alexander Zeiss. Die Rahmenbedingungen würden sich derzeit fast von Woche zu Woche verschlechtern. Bislang sei die Augenoptikerbranche aber von großen Einbrüchen verschont geblieben. Man sei für 2009 „verhalten optimistisch“, sagte Firmenchef Fielmann. Die im MDAX notierte Aktie lag mit 0,74 Prozent im Plus bei 45,16 Euro, hielt sich damit aber schlechter als der Gesamtmarkt.
Nachdem der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 113,9 Millionen Euro den höchsten Nettogewinn in der Firmengeschichte verbuchen konnte, ging das Ergebnis in den ersten drei Monaten des neuen Jahres zurück. Der Überschuss vor Anteilen Dritter sank um 14,9 Prozent auf 23,2 Millionen Euro. Vor Steuern verdiente Fielmann 33 Millionen Euro nach 38,7 Millionen Euro im Vorjahr. Schuld an dem Rückgang waren die gestiegenen Ausgaben für Werbung und Marketing. Fielmann hatte diesen Posten im ersten Quartal um zehn Millionen Euro aufgestockt. „Das wird sich in den nächsten Monaten auszahlen“, sagte Fielmann. Der Umsatz stieg in den ersten drei Monaten des Jahres um 3,7 Prozent auf 226,3 Millionen Euro. Nach Ansicht eines Aktienhändlers waren die Zahlen "alles in allem in Ordnung, aber kein wirklicher Hit".
ZUKÄUFE
Jede zweite in Deutschland verkaufte Brille kommt bereits von Fielmann. Der Konzern verkauft seine Modelle im Schnitt günstiger als seine Konkurrenten und hofft mit diesem Konzept, gerade jetzt, wo Verbraucher stärker aus Geld achten, zu punkten. Wachstumschancen sieht Fielmann bei Gleitsichtgläsern, Sonnenbrillen, aber auch bei Kontaktlinsen und Hörgeräten. Ende 2008 kam der Marktführer auf 620 Filialen in Europa. Die meisten davon in Deutschland. Einschließlich Österreich und der Schweiz sollen im deutschsprachigen Raum mittelfristig rund 800 Niederlassungen entstehen.
Der Konzern sei solide finanziert, sagte Finanzchef Zeiss. Das Thema Kreditklemme kenne Fielmann nicht, vielmehr müsse sich das Unternehmen überlegen, wie es sein Geld anlegt. Derzeit hält der Konzern Ausschau nach geeigneten Übernahmekandidaten in Europa und führt nach eigener Aussage auch bereits Gespräche. Der Kandidat soll von der Größe und den Qualitätsstandards her zu Fielmann passen und nicht zu „Mondpreisen“ zu haben sein, umriss Firmenchef Fielmann seine Vorstellungen. Mit der Krise gehen derzeit auch die Preise nach unten. Er hoffe, dass es noch in diesem Jahr mit einem Kaufabschluss klappt, sagte Fielmann./she/tw