
Abgesehen von Performance-Zwängen dürfte es aber vor allen Dingen die Rede Ben Bernankes vor dem Haushaltsausschuss des US-Repräsentantenhauses gewesen sein, die die Akteure zu einer neuen Sichtweise der Aktienmärkte bewegt haben dürfte. Denn der Fed-Präsident hatte nicht nur bereits nach der vergangenen FOMC-Sitzung der Vorwoche durchblicken lassen, man werde falls nötig auch ein Überschreiten des Inflationsziels tolerieren, um dem anderen Ziel der Notenbank gerecht zu werden, für Wachstum und Beschäftigung zu sorgen. Später machte Bernanke im Rahmen seines "Testimony" deutlich, er werde nicht nur die Arbeitslosenquote, sondern auch die Beschäftigung im Vergleich zur Bevölkerung für seine geldpolitischen Entscheidungen in Betracht ziehen. Damit wurde klar, wohin die US-Notenbank selbst bei guten Arbeitsmarktdaten gehen würde: in Richtung QE3, einer weiteren Runde quantitativer Lockerungen.
Daran hat dann auch der erheblich besser als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht am Freitag nichts mehr geändert, obwohl der eine oder andere Kommentator offenbar auf ein Umdenken bei der Notenbank gesetzt hatte - diese Hoffnungen sind spätestens nach dem gestrigen zweiten Auftritt Bernankes vor dem Haushaltsausschuss des Senats geplatzt, als er die jüngsten Daten relativierte und kaum einen Zweifel daran ließ, die Fed werde ihren eingeschlagenen Weg fortsetzen.
Als dann auch noch immer deutlicher wurde, dass in der Causa Griechenland wieder einmal eine Deadline, ein Ultimatum, überschritten und sich das von den Akteuren mittlerweile mit abnehmender Sensitivität wahrgenommene Drama abermals in die Länge ziehen würde, müssen den Pessimisten so langsam die Argumente ausgegangen sein. Zumindest wollte man sich anscheinend nicht dem Vorwurf aussetzen, wochenlang gegen eine Rally gehalten zu haben, deren wesentlicher Charakterzug darin bestand, dass es beim DAX seit besagtem 13. Januar keine wesentlichen Rücksetzer (die stärkste Korrektur erreichte gerade einmal eine Größenordnung von 2,4 Prozent) mehr gab. Und so erfolgte der Rückzug nicht mit einem Paukenschlag, sondern fast schon klammheimlich.
Mit dem heutigen Anstieg des Optimismus ist die Bias der vergangenen drei bis vier Wochen und die Gefahr einer starken Short-Squeeze nunmehr beseitigt. Allerdings ist die Zuversicht noch nicht überbordend und kann sich durchaus noch erhöhen, wenn sich für institutionelle Teilnehmer unseres Panels attraktive Kaufmöglichkeiten auf niedrigerem Niveau ergeben sollten. Ansonsten ist der DAX auch von der langfristigen Nachfrage abhängig, die für die Mini-Hausse in den ersten fünf Wochen dieses Jahres ursächlich gewesen sein mag.
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