FRANKFURT (dpa-AFX) - Der
Dax (
DAX) dürfte in der kommenden Woche an seinen fulminanten Jahresauftakt anknüpfen. Die von den westlichen Notenbanken bereitgestellten Gelder werden Analysten zufolge wohl ihren Weg in den Markt finden und den deutschen Leitindex weiter antreiben. Zuletzt hatten auch unerwartet gute US-Arbeitsmarktdaten die Stimmung unter den Anlegern aufgehellt. Die europäische Staatsschuldenkrise schwebt als möglicher Stimmungsdämpfer aber immer noch über den Märkten.
"Angesichts der reichlich vorhandenen Liquidität, moderater Bewertungen und fehlender Anlagealternativen könnte die gesunkene Risikoscheu der Marktteilnehmer durchaus noch für weitere Kurssteigerungen sorgen", schrieben etwa die Experten der Landesbank Berlin (LBB). Wegen der schwelenden Schuldenkrise und der trüben Konjunkturperspektiven aber stehe die Stimmungsaufhellung auf brüchigem Fundament. Auch die Lage im Bankensektor bleibe trotz der verbesserten Liquiditätsversorgung angespannt. "Außer in Deutschland haben sich eurolandweit die Kreditvergabebedingungen verschärft und damit die Risiken für eine Kreditklemme erhöht", fuhren die LBB-Fachleute fort. "Alles in allem hat die Gefahr von Kursrückschlägen deutlich zugenommen."
LUFT WIRD LANGSAM DÜNNER
Auch Analyst Sören Wiedau von der Weberbank resümierte, dass der Aktienmarkt dank der "extrem hohen Notenbankliquidität" durchaus noch weiteres Aufwärtspotenzial besitzt. Sollte sich der Dax nachhaltig über der Marke von 6.630 Punkten etablieren, lägen aus charttechnischer Sicht die nächsten Ziele bei 6.830 und 6.990 Punkten. "Zu viele Anleger sind in Aktien untergewichtet und müssen den steigenden Kursen hinterherlaufen", begründete er seine Zuversicht. Allerdings werde die Luft nach oben hin auch immer dünner. Nach dem schnellen Anstieg seit Anfang des Jahres nimmt die Stimmung unter den Marktteilnehmern Wiedau zufolge schon euphorische Züge an. Die Hauptrisiken für die Märkte resultierten weiterhin aus der europäischen Schuldenkrise und dem schwierigen konjunkturellen Umfeld in vielen Regionen.
Bei Analyst Markus Wallner von der Commerzbank wachsen ebenfalls die Zweifel an der Nachhaltigkeit der aktuellen Dax-Rally. "Zwar hat sich der deutsche Leitindex seit Jahresanfang deutlich erholt. Doch stellt eine Zuspitzung der Irankrise einen weiteren Risikofaktor dar." Ein daraus resultierender Ölpreisanstieg könnte die Kurse erneut stärker schwanken lassen. Dies würde insbesondere zyklische Sektoren und Einzeltitel treffen, da die Sorgen um das globale Wirtschaftswachstums neue Nahrung erhalten würden.
DAIMLER AM DONNERSTAG MIT ZAHLEN
Von diesen globalen Überlegungen abgesehen steht die laufende Berichtssaison weiter im Fokus. Am Donnerstag dürften die Titel von Daimler in Bewegung geraten: Dann präsentiert der Stuttgarter Autobauer seine Jahreszahlen. Ansonsten konzentrieren sich die Anleger in der kommenden Woche wohl eher auf die Zahlenwerke einiger im MDAX (MDAX) notierter Unternehmen. So gibt am Montag der Maschinenbau-Konzern Gea (GEA Group) Auskunft über das vergangene Geschäftsjahr. Das Unternehmen dürfte Experten zufolge das Jahr 2011 mit einem kräftigen Wachstum im traditionell starken Schlussquartal beendet haben.
Am Dienstag folgt dann der Hamburger Hafenbetreiber HHLA (Hamburger Hafen und Logistik), bevor am Mittwoch der Verpackungsspezialist Gerresheimer und der Handelskonzern Douglas (DOUGLAS) ihre Bücher öffnen. Einen Tag später veröffentlichen der Klinikbetreiber Rhön (RHOeN-KLINIKUM) und der Modekonzern Hugo Boss (HUGO BOSS vz) ihre Zahlen.
REDE VON BEN BERNANKE AM DIENSTAG
Abseits der Unternehmensnachrichten dürfte ein Blick auf die US-Konjunkturdaten der kommenden Woche lohnen. Die Experten der Postbank messen vor allem der Rede des Notenbankpräsidenten Ben Bernanke vor dem Haushaltsausschuss des Senats am Dienstag und dem Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan am Freitag eine hohe Marktbedeutung zu. Darüber hinaus könnten am Donnerstag der Leitzinsentscheid der Bank of England und die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank die Kurse beeinflussen./la/gl/he
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---