FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Turbulenzen am deutschen Aktienmarkt dürften nach Einschätzung von Analysten auch in der kommenden Woche anhalten. "Der Druck im Kessel steigt", befanden etwa die Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Das sei am jüngsten Sturz der Bankaktien sichtbar geworden. Bei den Anlegern wachse die Sorge vor einer Eskalation der Schuldenkrise. Der Leitindex
Dax (
DAX) dürfte in den kommenden Tagen wichtige Unterstützungsmarken testen, nachdem er zuletzt seine kurze "Verschnaufpause um 5.500 Punkte" schnell wieder beendet habe.
Ähnlicher Meinung sind die Experten der ING. Auch sie gehen davon aus, dass die Schuldenkrise das Marktklima weiterhin bestimmen wird. "Die Stimmung an den Finanzmärkten ist trübe und das Vertrauen von Unternehmen und Verbrauchern angeschlagen", schrieben sie in einem Wochenausblick. Die Talsohle bei den Bewertungen an den Aktienmärkten sei trotz des jüngsten Kursverfalls noch nicht erreicht. "Die zyklischen Risiken sind zwar bereits eingepreist, doch nicht die systemischen Risiken einer ungeordneten griechischen Insolvenz." LBB: ANLEGER SOLLTEN IM 'VORSICHTSMODUS' VERHARREN
Die Landesbank Berlin (LBB) rechnet auch aus technischer Sicht mit weiter unruhigen Märkten: "Die Chartbilder zeigen unverändert intakte Abwärtsbewegungen, eine Bodenbildung ist noch nicht auszumachen." Trotz der jüngsten Kursturbulenzen nach Abstufungen von Ratingagenturen für mehrere italienische und US-amerikanische Banken rechneten die Analysten zwar nicht mit ernsten Schwierigkeiten bei einem systemrelevanten Institut, "Kapitalmaßnahmen zur Stärkung der Kapitalbasis dürften jedoch vermehrt zu beobachten sein".
In der derzeitigen Situation ist es aus Sicht der LBB für Anleger ratsam, im "Vorsichtsmodus" zu verharren. Denn die Schuldenkrise und die Probleme im Bankensektor in Kombination mit den unsicheren Konjunkturaussichten dürften einen "hoch volatilen Verlauf an den Aktienbörsen" nach sich ziehen. Eine Wende zum Guten sei erst mittelfristig und dann erst im Falle entschiedener Schritte zur Bekämpfung der Schuldenkrise möglich. COMMERZBANK VERWEIST AUF PROGNOSESENKUNGEN DER ANALYSTEN
Die Commerzbank betonte indes, Analysten hätten zuletzt angesichts der Konjunktursorgen ihre Unternehmensprognosen für das kommende Jahr geradezu aggressiv reduziert. Voraussetzung für eine Stabilisierung bei den Prognosen und eine Erholung im Dax (DAX) sei ein Rückgang der Stressfaktoren. Das könne etwa ein nennenswerter Rückgang der Kosten für Kreditausfallversicherungen (CDS) auf italienische Staatsanleihen sein. "Je länger eine Phase der Unsicherheit andauert, desto schlimmer sind die Auswirkungen auf die Realwirtschaft", schrieb Commerzbank-Experte Andreas Hürkamp.
Auch die französische Großbank BNP Paribas verwies auf sinkenden Analystenprognosen. "In diesem Umfeld scheint es uns schwierig, eine nachhaltige Erholung der Aktienmärkte vorherzusagen." Die Experten stehen Aktien angesichts der volatilen Märkte und des Ausblicks auf ein schleppendes Wirtschaftswachstum vorsichtig gegenüber. BUNDESTAGSABSTIMMUNG ÜBER EURO-RETTUNGSSCHIRM STEHT AN
Endgültig vom Tisch muss nach Meinung der NordLB die Diskussion, ob es nun zu einem Staatsbankrott in Griechenland kommt oder nicht, sonst dürfte die Unsicherheit weiter die Märkte treiben. Derzeit vollzögen die Aktienmärkte "eine Achterbahnfahrt". Dabei spiegele die schlechte Marktstimmung allerdings die fundamentale Lage nicht hinreichend wider. Die Experten der Landesbank schreiben: "Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass in den USA und der Eurozone ein Rückfall in eine Rezession vermieden werden kann." Positive Impulse zur Aufhellung der Stimmung an den Märkten lassen allerdings noch auf sich warten. So stehen erst Anfang Oktober wieder bedeutende US-Daten an, und auch die Berichtssaison kommt erst dann ins Rollen.
Angesichts dessen dürften Anleger mit Argusaugen in Richtung Berlin blicken. Dort wird am Donnerstag der Bundestag voraussichtlich über die umstrittene Erweiterung des Euro-Rettungsschirms abstimmen. Das könnte nach Einschätzung der Helaba ein wenig Unsicherheit beseitigen, "was auch Aktien zugute kommen dürfte". DÜNNE AGENDA AUF UNTERNEHMENSSEITE
Auf Unternehmensseite gestaltet sich die Agenda in der kommenden Woche dünn. Am Donnerstag legt in Deutschland Hornbach (HORNBACH-Baumarkt-AG) seine Zahlen vor, am Freitag folgt der Autozulieferer Bertrandt. Außerdem präsentieren am Donnerstag Europas zweitgrößter Reiseveranstalter Thomas Cook und der schwedische Textilhändler Hennes & Mauritz (H&M) (HennesMauritz AB (HM, H&M)) ihre Resultate.
Auf Konjunkturseite dürfte vor allem der ifo-Geschäftsklimaindex am Montag für Bewegung sorgen. Zudem steht am Mittwoch das GfK-Konsumklima an. In den USA werden in der kommenden Woche keine Daten aus der ersten Reihe veröffentlicht./chs/fat/tw --- Von Christian Schultz, dpa-AFX ---