FRANKFURT (dpa-AFX) - Experten erwarten für die europäischen Aktienmärkte in der neuen Woche weitere Verluste. "Der
Dax wird sich in den kommenden Tagen eher in Richtung 4.000 Punkte bewegen als sich der 5.000er-Marke anzunähern", orakelte ein Händler. In Europa nimmt die Berichtssaison in der kommenden Woche erst langsam Fahrt auf. Schwergewichte wie Nokia und Fiat dürften für Bewegung sorgen. In den USA starten die Unternehmen derweil durch. Die Liste der zu erwartenden Bilanzberichte liest sich wie ein "Who is Who" der bekannten Namen. IBM, Apple, Microsoft sowie Johnson & Johnson stehen auf der Agenda. Die Nachrichten und Ausblicke, die auf die Anleger zukommen, dürften in einigen Fällen noch schlechter als befürchtet sein, zeigen sich zahlreiche Marktteilnehmer einig.
"Die Kreditklemme ist eskaliert", schrieb Greg Poole im aktuellen Marktausblick der Deutschen Bank. "Jene Länder wie etwa Deutschland, die stark exportgetrieben sind, fallen rasant schnell zurück. Die Abwärtsspirale hat eine Eigendynamik entwickelt." Monetäre und Fiskalpolitik würden nicht vor dem zweiten Halbjahr in der Lage sein, diese Entwicklung zu beeinflussen, so der Experte weiter.
ENTTÄUSCHUNGSPOTENZIAL BLEIBT HOCH
Johannes Mattner, Analyst für Aktienmärkte in der Eurozone bei der Raiffeisen Zentralbank in Wien, glaubt, dass die bevorstehenden Zahlen, viel mehr aber noch die Ausblicke ein hohes Enttäuschungspotenzial bergen. "Revisionen und schwache Ergebnisse werden auf der Tagesordnung stehen", warnte der Analyst. "In der kommenden Woche gibt es jeden Tag Zahlen und damit jeden Tag Bewegung", fasste Herbert Perus, Leiter des Aktienteams bei Raiffeisen Capital Management in Wien, den Ausblick auf die bevorstehenden Tage zusammen.
"Die kurzfristige Erholung an den Aktienmärkten um den Jahreswechsel herum hat sich erwartungsgemäß als Strohfeuer erwiesen", schrieb Martin Gilles, Analyst bei der WestLB, gemeinsam mit seinen Kollegen im wöchentlichen Marktausblick. "Zu groß ist der Druck auf die Unternehmen von Seiten der globalen Rezession, als dass der Boden für eine nachhaltige Erholung schon bereit wäre." Für die beginnende Berichtssaison in den USA rechnen die Experten mit einigen Enttäuschungen. In Europa zeige der Weg weiter nach unten. "Wir rechnen damit, dass auch hier die Gewinnerwartungen weiter fallen werden - für Zykliker mindestens um 30 Prozent, bei Titeln defensiv aufgestellter Unternehmen erwarten wir gut 8 Prozent."
NOKIA MIT SIGNALWIRKUNG
Nokia und Fiat werden sich beide am kommenden Donnerstag mit ihrer jüngsten Zwischenbilanz an die Aktienmärkte wenden. "Bei Nokia werden die Anleger vor allem auf den Ausblick warten", sind sich die beiden österreichischen Marktexperten einig. Dieser werde eine Signalwirkung für die komplette Branche haben, erklärte Perus. "Selbst ein Hauch von Ausblick dürfte genau unter die Lupe genommen werden", ergänzte Gareth Jenkins, Analyst bei der UBS, zu Nokia.
Darüber hinaus könnten speziell in Deutschland noch die jüngsten Daten des ZEW für Bewegung sorgen. Analyst Marton Lueck von der UBS erwartet einen Rückgang. Der Index habe in den vergangenen Monaten abwechselnd ein paar Punkte gewonnen und dann wieder verloren und damit die Stimmungsschwankungen reflektiert.
USA BLEIBEN TREIBENDE KRAFT
Die treibende Kraft für die Märkte dürften erneut die USA sein. Da die US-Börsen am Montag wegen des Martin-Luther-King-Tages geschlossen sind, wird sich der Einfluss erst ab Dienstag bemerkbar machen. Nicht nur, dass Barack Obama an dem Tag als neuer Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wird, am Abend nach Handelsschluss wird dann auch der Computer-Riese IBM seine Quartalszahlen vorlegen. Die Bilanz von Johnson & Johnson wird bereits im Tagesverlauf erwartet. "Möglicherweise wird die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten psychologische Akzente setzen", schrieb Ulf Krauss von der Helaba im Wochenausblick. "Obama dürfte den Kampf gegen die Wirtschaftskrise als oberstes Ziel seiner Präsidentschaft herausstellen."
Für Mittwoch steht die Zwischenbilanz des US-Autobauers General Motors (GM) auf der Agenda. Interessant wird sein, ob der neue Präsident Obama dem angeschlagenen US-Autosektor weitere Mittel zur Verfügung stellen wird und wenn ja, in welchem Umfang. United Technologies und Apple folgen nach Handelsschluss mit Berichten über die Geschäftsentwicklung. Zahlen von Unternehmen wie Texas Instruments , Advanced Micro Devices (AMD) Google und Microsoft rücken am Donnerstag vor allem den Technologiesektor in den Mittelpunkt.
Neben den zahlreichen Unternehmensberichten sollten sich Anleger auch einige der anstehenden US-Konjunkturdaten vormerken. Die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten am Donnerstag sowie die Zahl der Baubeginne und Baugenehmigungen können bekanntlich das Marktgeschehen beeinflussen./rum/gl/wiz
--- Von Henrietta Rumberger, dpa-AFX ---