FRANKFURT (dpa-AFX) - Anleger am deutschen Aktienmarkt können wohl erst einmal wieder befreit aufatmen. Dem
Dax (
DAX) dürfte die neue Woche nach Einschätzung von Marktexperten weitere Gewinne bescheren. Die lang andauernde Talfahrt seit Anfang Mai, während derer der deutsche Leitindex insgesamt etwas mehr als 600 Punkte eingebüßt hatte, scheint bis auf Weiteres überstanden. "Der Weg in Richtung der alten Hochs von 2007/2008 scheint geebnet, wenn die bald wieder startende Berichtssaison die erhofften guten Unternehmenszahlen und -ausblicke in den USA und hierzulande bringt", sagt Marktstratege Klaus Stabel von der Wertpapierhandelsbank ICF Kursmakler AG.
Ähnlich sehen dies auch die Experten von der Landesbank Berlin (LBB). "Nach der zumindest vorübergehenden Entschärfung des griechischen Schuldendramas und der vor der Tür stehenden US-Berichtssaison, die mehrheitlich positive Impulse setzen dürfte, könnte die zuletzt freundliche Börsentendenz kurzfristig anhalten", resümieren sie. Dabei erwarten die LBB-Analysten jedoch eine insgesamt unruhige, schwankungsanfällige Kursentwicklung. Schließlich ist weder die Verschuldungskrise in Europa ausgestanden noch haben sich die Konjunktursorgen aufgelöst.
So richtet sich das Augenmerk der Investoren nach dem Ja der Griechen zum Sparpaket ihrer Regierung nun in der ersten Juli-Woche vor allem auf den monatlichen US-Arbeitsmarktbericht. Setzt sich in den Vereinigten Staaten die schwache Beschäftigungsentwicklung fort oder kommt es zu einer merklichen Erholung, lautet die alle Gemüter bewegende zentrale Frage. Insgesamt erwarten die meisten Volkswirte von den Daten am kommenden Freitag nur einen schwachen Beschäftigungsaufbau, da die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sich nur unwesentlich verbessert haben. Unter den weiteren in den USA anstehenden Konjunkturdaten dürften zudem am Dienstag noch die Auftragseingänge in der Industrie im Mai und der Einkaufsmangerindex ISM für den Dienstleistungssektor im Juni, der am Mittwoch veröffentlicht wird, Beachtung finden.
In Europa steht vor allem die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank im Fokus. Am Markt wird einhellig damit gerechnet, dass Europas Notenbanker am Donnerstag den Leitzins von 1,25 auf 1,50 Prozent anheben werden. Beim letzten Zinsentscheid hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet von einer "erhöhten Wachsamkeit" gesprochen. Mit dieser Formulierung signalisiert die Europäischen Zentralbank (EZB) in der Regel eine bevorstehende Zinsanhebung.
Am Montag wird es zunächst aber erst einmal wohl ruhig bleiben an den Aktienmärkten, da in den USA der Unabhängigkeitstag gefeiert wird und dort die Börsen geschlossen bleiben. Von Unternehmensseite stehen an diesem Tag in Deutschland nur die Auto-Neuzulassungen für Juni an, die vom Branchenverband VDA veröffentlicht werden.
Für die Aktionäre der Deutschen Börse (Deutsche Boerse) dürfte vor allem der Donnerstag spannend werden. Dann werden die Anteilseigner der NYSE Euronext (NYSE Group) auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die geplante Fusion mit den Deutschen abstimmen. Analysten erwarten nach der in Aussicht gestellten Sonderdividende bei Zustandekommen des Zusammenschlusses nun eine mehrheitliche Zustimmung. Die Aktionären der Deutschen Börse haben bis 13. Juli Zeit, ihre Papiere in eine eigens für den Fusionszweck gegründeten Aktiengesellschaft, der Alpha Beta Netherlands, zu tauschen. Bis dahin müssen 75 Prozent dies getan haben, damit die weltgrößte Börse entstehen kann. Bisher waren es nur 6,4 Prozent.
Ansonsten lädt das MDax-Unternehmen (MDAX) Fielmann am Donnerstag zur Hauptversammlung (HV). Die im SDax (SDAX) notierten Unternehmen DIC Asset und Indus Holding (INDUS) laden am Dienstag zur HV und am Freitag findet das Aktionärstreffen von Hornbach (HORNBACH vz) statt. Verkehrszahlen für den abgelaufenen Monat wird am Donnerstag außerdem die Fluggesellschaft Air Berlinbekanntgeben./ck/he
--- Von Claudia Kahlmeier, dpa-AFX ---