FRANKFURT (dpa-AFX) - Experten rechnen auch in der kommenden Woche mit politisch geprägten und schwankungsanfälligen Aktienmärkten. "Die Schaukelbörse hält an", heißt es etwa in einer Studie der Helaba. Trotz der vor allem in den USA bereits angelaufenen Berichtssaison sei die Kursentwicklung zuletzt in erster Linie politisch geprägt gewesen. Sollte es den europäischen Regierungschefs nun gelingen, einen "konsistenten Weg" zur Bewältigung der Schuldenkrise aufzuzeigen, dürfte sich die Nervosität an den Finanzmärkten etwas legen. "Mit einem Befreiungsschlag für den Aktienmarkt ist gleichwohl nicht zu rechnen", schrieb Helaba-Aktienstratege Markus Reinwand.
Für einen nachhaltigen Rückgang der Risikoscheu der Anleger seien derzeit die konjunkturellen Unsicherheiten noch zu hoch, betonte Reinwand. Als Stütze für den Aktienmarkt sollte sich indes die niedrige Bewertung erweisen. Diese sei Ausdruck einer bereits ausgeprägten Gewinnskepsis. Angesichts der derzeitigen Gewinnerwartungen des Marktes sei bei der hierzulande nun anlaufenden Berichtssaison nicht mit größeren Enttäuschungen zu rechnen. Vielmehr gebe es Chancen für positive Überraschungen, die jedoch angesichts der makroökonomischen Faktoren nicht für "ein Durchstarten an den Aktienmärkten" reichen dürften.
Anleger sollten sich zunächst auf die anstehenden EU-Gipfel konzentrieren, da in diesem Umfeld mit sehr hohen Schwankungen zu rechnen sei, empfahlen die Experten der Landesbank Berlin (LBB). Sollten es zu "umfassenden Schritten" kommen, sei eine Erleichterungsrally durchaus möglich. Mittelfristig dürften die Schuldenkrise sowie Wachstumssorgen aber weiterhin hemmend wirken, während die hohe Liquidität sowie die moderaten Bewertungen stützten. Auf Sicht von zwölf Monaten erwartet die LBB in dieser Gemengelage einen "moderaten Wertzuwachs" beim Dax (DAX).
Die Experten der Commerzbank gehen nicht davon aus, dass bei den anstehenden EU-Gipfeln die erhoffte große Lösung gefunden wird. Es sei zu bezweifeln, dass etwa mittels eines Versicherungsmodells die Schlagkraft des Rettungsschirms derart gestärkt werde, dass Spanien und Italien ohne weitere Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) unterstützt werden könnten.
COMMERZBANK: ENTWICKLUNG DER STAATSFINANZEN 2012 ENTSCHEIDEND
Ungeachtet der Gipfel-Beschlüsse in den kommenden Tagen sei die entscheidende Frage für Dax-Investoren, ob in Europa im Jahr 2012 Pläne zur Reduzierung der Staatsverschuldung erfolgreich durchgeführt würden, so die Commerzbank-Experten weiter. Immerhin hätten im laufenden Jahr die Sparpläne der meisten europäischen Regierungen ihre Ziele verfehlt. Alles in allem bedürfe es für einen nachhaltigen Aufwärtstrend im Dax eines überzeugenden Beschlusses zur Bekämpfung der Schuldenkrise und einer lockereren Geldpolitik in China. Jenseits aller makroökonomischen Einflüsse kommt die Berichtssaison in Deutschland in Fahrt, so dass in der kommenden Woche eine wahre Flut an Unternehmenszahlen präsentiert wird. Am Dienstag etwa stellt die Deutsche Bank ihr Zahlenwerk zu den ersten neun Monaten des Jahres vor, zudem öffnen der Sportartikelhersteller Puma (PUMA SE), der Minicomputerhersteller Kontron sowie der Halbleiterhersteller DialogSemiconductor (Dialog Semiconductor) ihre Bücher. Am Mittwoch folgen in Deutschland Merck KGaA (Merck), Krones, Praktiker und Stratec Biomedical (STRATEC Biomedical) sowie am Donnerstag BASF, Bayer , Daimler , Lufthansa (Deutsche Lufthansa), Rhön-Klinikum (RHOeN-KLINIKUM), Gildemeister (GILDEMEISTER), Vossloh oder der LED-Industrieausrüster Aixtron . Weitere Zahlen liefern zum Wochenabschluss hierzulande dann Linde, Wacker Chemie sowie Morphosys (MorphoSys).
Und auch aus den USA schwappen reichlich Zahlen herüber, so etwa von
Texas Instruments (Montag), DuPont (E I DuPont de Nemours and) , 3M , United Parcel Service (UPS) (United Parcel Service) (jeweils am Dienstag) sowie von Boeing und dem Ölkonzern ConocoPhillips am Mittwoch.
Aus dem europäischen Ausland dürften unter anderem die Resultate der UBS, von Novartis und von BP am Dienstag und von Axa (Synaxon) , France Telecom (France Télécom) und GDF Suez am Donnerstag Beachtung finden. Am Donnerstag äußert sich zudem der Branchenverband ACEA zu den Neuzulassungen auf dem westeuropäischen Automarkt.
Auch auf der Konjunkturseite stehen reichlich Daten an, wenn auch größtenteils aus der zweiten oder dritten Reihe. Den Anfang machen etwa die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende und nicht-verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone am Montag. Es folgen am Dienstag der GfK-Konsumklima-Index sowie am Mittwoch der Auftragseingang langlebiger Güter in den USA. Am Donnerstag folgt dann die erste BIP-Schätzung in den USA für das dritte Quartal. Die LBB erinnerte indes daran, dass Konjunkturdaten sowie Unternehmenszahlen zuletzt angesichts der großen makroökonomischen Themen kaum Beachtung gefunden hätten./chs/gl/ck
--- Von Christian Schultz, dpa-AFX ---