FRANKFURT (dpa-AFX) - Die noch nicht aufgegebene Hoffnung auf eine Jahresendrally dürfte den
Dax (
DAX) nach Ansicht von Experten in dieser Woche stützen. Spätestens Anfang 2010 aber könnte die Luft am deutschen Aktienmarkt dünner werden - denn vielen Analysten zufolge ist der Leitindex bereits zu weit vorausgeeilt.
"Eine Rally zum Jahresende ist wegen der vorhandenen Liquidität realistisch", schrieben etwa die Experten der DZ Bank in einer aktuellen Studie. Ähnlich positiv sind die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) eingestellt. Dank der unverändert guten Grundstimmung beim Dax und auch beim Eurostoxx 50 (EuroSTOXX 50) seien neue Jahreshöchststände möglich. Auch die aussichtsreiche Charttechnik sollte die Aktienbörsen ebenso stimulieren wie das positive Konjunkturszenario, das durch gute Konjunkturdaten untermauert wird.
KONJUNKTURVERLAUF STÜTZT HOFFNUNG AUF WEITER STEIGENDE KURSE
Auch Helaba-Analyst Markus Reinwand begründete seine Erwartung weiter steigender Kurse mit einem idealtypischen Konjunkturverlauf. Die höchste Dynamik entfalteten die Aktien generell im Bereich des konjunkturellen Tiefs. Mit fortschreitender Erholung der Frühindikatoren werde nun aktuell auch der Anstiegswinkel an den Aktienmärkten flacher. Daraus eine bevorstehende Trendwende abzuleiten, ist seines Erachtens aber verfrüht.
Die in dieser Wochen anstehenden Konjunkturdaten dürften derweil weitere Anhaltspunkte dafür liefern, ob sich die wirtschaftliche Lage tatsächlich weiter entspannt. Am Dienstag beziehungsweise am Mittwoch etwa werden der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland sowie Daten zum US-Bruttoinlandsprodukt und zum Verbrauchervertrauen in den USA veröffentlicht. Anfang der Woche stehen zudem Immobiliendaten aus den Vereinigten Staaten auf der Agenda.
KORREKTUR RÜCKT NÄHER
Weitere Experten wie etwa Andreas Hürkamp von der Commerzbank sehen indes die Rallye an den Aktienmärkten auch zunehmend von fundamentalen Gewinndaten untermauert. Grund dafür sei, dass insbesondere die Kosteneinsparungen der Unternehmen in der abgelaufenen Quartalsberichtssaison überraschend hoch ausgefallen seien. Doch zugleich mehrten sich die Zweifel, dass das hohe Erholungstempo aufrecht erhalten werden kann.
"Die Unternehmen benötigen Zeit, die vorauseilenden Kurse in der Gewinnentwicklung abzubilden", merkten die Experten der DZ Bank kritisch an. Vor diesem Hintergrund dürften sich den LBB-Analysten zufolge in den kommenden Monaten Ausflüge über die runde 6.000er Marke im Dax mit stärker ausgeprägten Abwärtsphasen abwechseln. Beunruhigend stimme aktuell, dass an schwachen Börsentagen die Umsätze deutlich höher seien als an festen Handelssitzungen, was für eine bevorstehende Korrektur spreche.
NUR EIN PAAR UNTERNEHMEN LEGEN NOCH ZAHLEN VOR
Von Unternehmensseite sind in dieser Woche kaum Impulse zu erwarten, da die Berichtssaison zum dritten Quartal weitgehend abgeschlossen ist. Am Dienstag legt noch der im MDAX (MDAX) notierte Möbel- und Bauzulieferer Pfleiderer seine Quartalszahlen vor. Laut Branchenexperten hat das Unternehmen im dritten Quartal erneut rote Zahlen geschrieben. Pfleiderer macht vor allem weiterhin die Nachfrageflaute in West- und Osteuropa zu schaffen. Am selben Tag rücken auch die Anteilsscheine des im TecDax (TecDAX) gelisteten Windkraft-Spezialisten Nordex mit Geschäftszahlen in den Fokus.
Ansonsten präsentierten einige Konzerne der dritten Reihe ihre Bilanzen. Am Dienstag etwa berichtet der Oldenburger Fotodienstleister Cewe Color (CeWe Color), am Donnerstag folgen dann das Unternehmen Constantin Medien, der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen und das Agrarunternehmen KWS Saat (KWS SAAT). Alle vier Werte sind im SDax (SDAX) notiert.
Und mit Blick auf das kommende Wochenende dürfte der Handel ansonsten recht ruhig verlaufen: Am Donnerstag feiern die Amerikaner ihr Erntedankfest (Thanksgiving) und lassen deshalb die Börsen geschlossen./la/fat/nl
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---