FRANKFURT (dpa-AFX) - Auch nach dem Ja des Bundestages zu einem größeren Euro-Rettungsschirm (EFSF) blicken Experten mit Skepsis auf die weitere Entwicklung am deutschen Aktienmarkt. Insgesamt sollten Wachstumsängste, der Bankensektor und die Schuldenkrise die Börsen nach wie vor im Griff behalten, schrieben etwa die Experten der Landesbank Berlin (LBB) mit Blick auf die kommende Woche, in der auch am Tag der Deutschen Einheit am Montag regulär gehandelt wird. "Dabei können neue Jahrestiefs nicht ausgeschlossen werden, da die Kursgewinne bislang lediglich eine technische Reaktion darstellen." Das Votum des Bundestages zum EFSF habe zwar ein positives Signal ausgesandt, dennoch seien nach wie vor viele Fragen in der Schuldenkrise ungeklärt.
"Wichtig ist nun, dass weitere Schritte erfolgen und die Regierungen künftig ein geschlossenes und entschiedenes Vorgehen an den Tag legen", befanden die LBB-Experten. Zudem seien die Wachstumssorgen mit Blick auf die Weltwirtschaft nicht eingedämmt. Während die US-Daten zuletzt etwas besser ausgefallen seien, habe sich das Geschäftsklima im Euroraum markant eingetrübt.
Auch die Commerzbank nennt eine nachhaltige Lösung der europäischen Schuldenkrise als Voraussetzung für ein positives Dax-Szenario. Ähnlich sehen es die Experten der Deutschen Bank. Sie gehen davon aus, dass die jüngste Erleichterung am Markt nur von kurzer Dauer sein könnte, weil die Unsicherheit im Zusammenhang mit Griechenland hoch bleibe. Auch künftig dürfte sich die EU eher durch die Schuldenkrise "durchwursteln", während die Krise immer mehr auf die Realwirtschaft durchschlage.
Etwas optimistischer blickt die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) auf die Schuldenkrise. Die Politik scheine das Ganze allmählich in den Griff zu bekommen, schrieben die Experten um Claudia Windt. Insofern dürften in der kommenden Woche Konjunkturfragen wieder mehr Aufmerksamkeit erfahren. Die jüngsten Daten hätten auf einen spürbaren Abschwung im Euroraum im zweiten Halbjahr sowie eine leichte Beschleunigung des Wachstums in den USA hingedeutet. Letzteres dürfte weder vom Arbeitsmarktbericht am kommenden Freitag noch von den Einkaufsmanagerindizes für die Industrie und den Dienstleitstungssektor widerlegt werden. "Der deutsche Aktienmarkt könnte demnach von positiven US-Vorgaben zunächst profitieren."
HSBC sieht die Notenbanken angesichts der derzeitigen Gemengelage zunehmend unter Druck. Dazu passt, dass in der kommenden Woche gleich mehrere Notenbanktermine auf der Agenda stehen, wobei die Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen dürfte. Weitere expansive, geldpolitische Schritte erwartet HSBC indes nicht. "Die Notenbank dürfte vermeiden wollen, den Eindruck zu erwecken, sich mit einer unmittelbaren Zinssenkung lediglich politischem Druck zu beugen", schrieben sie.
Auf Unternehmensseite bleibt das Programm recht überschaubar. Zum Wochenstart stehen am Montag zunächst die US-Absatzzahlen aus der Automobilbranche an. Am Dienstag wird Apple Neues zu seinem iPhone ankündigen. Erwartet wird eine neue Generation des Smartphones, auch wenn sich der US-Technologieriese dazu bislang noch bedeckt gehalten hatte.
Am Mittwoch legt der Leasing-Spezialist Grenkeleasing (GRENKELEASING) dann seine vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal vor. Zudem präsentiert zur Wochenmitte das US-Agrarunternehmen Monsanto seine Resultate, was die Blicke traditionell auf den deutschen Konkurrenten K+S lenken wird. Es folgen am Donnerstag unter anderem Verkehrszahlen von Air Berlin sowie Quartalsresultate von Gerresheimer , dem Hersteller von Spezialverpackungen und Medizintechnik./chs/la/wiz/stw --- Von Christian Schultz, dpa-AFX ---