Von Andrew Critchlow
THE WALL STREET JOURNAL
SYDNEY (Dow Jones)--Es ist kein Geheimnis: Hohe Kerosinpreise, stark schwankende Wechselkurse und die weltweit schwächelnde Konjunktur belasten Luftfahrtgesellschaften in der ganzen Welt. Nun klagt selbst ein Branchengigant. Es könnte kaum schlechter laufen, sagte Emirates-Präsident Tim Clark: "Den Carriern weht momentan ein eiskalter Wind ins Gesicht."
Setze sich die Entwicklung fort, warnte Clark, könnten sich viele Airlines gezwungen sehen, ihre Geschäfte einzudampfen: "Euro und Pfund fallen und die Kerosinkosten sind immer noch zu hoch."
Von dem starken Gewinneinbruch, den die australische Fluggesellschaft Qantas Airways gerade gemeldet hat, zeigte sich der erfahrene Luftfahrtmanager wenig überrascht. Wegen der miserablen Rahmenbedingungen dürften vielmehr zahlreiche andere Gesellschaften ihre Geschäfte zusammenstreichen, glaubt Clark.
Ähnlich wie Qantas kämpft auch Emirates Airways mit Sitz in Dubai mit den großen Problemen im internationalen Luftfahrtgeschäft. Vor allem die gestiegenen Treibstoffpreise haben die Geschäfte des Lufthansa-Wettbewerbers im vergangenen Geschäftsjahr massiv belastet. Unter dem Strich brach der Gewinn um knapp drei Viertel auf 1,6 Milliarden US-Dollar ein.
Für die Airlines werde es immer schwieriger, sich mit frischem Kapital zu versorgen. Für alle sei es härter geworden, an Kredite zu kommen, sagte Clark. Eine Ausnahme seien allerdings die USA. "Der US-Kapitalmarkt ist nach wie vor offen." Ob die Araber ihre in diesem Monat auslaufende Anleihe im Volumen von 550 Millionen Dollar refinanzieren werden, ist nach seinen Worten noch nicht klar.
Spekulationen über ein Interesse der arabischen Airline an der schwächelnden Qantas schob der Manager einen Riegel vor. "An einem Einstieg bei Qantas sind wir nicht interessiert", sagte er. Emirates-Konkurrent Etihad hatte vergangene Woche seinen Einstieg bei dem australischen Carrier Virgin Australia bekannt gegeben. Die staatliche Airline des Emirats Abu Dhabi erwarb vier Prozent an der Gesellschaft.
Qantas wird das im Juni endende Geschäftsjahr mit einem massiven Ergebnisrückgang beenden. Die Australier erwarten 91 Prozent weniger Vorsteuergewinn, nur noch rund 40 bis 80 Millionen Euro. Schuld daran sei vor allem das internationale Geschäft. Die Schuldenkrise in Europa und steigende Treibstoffkosten belasteten das Ergebnis, erklärte Qantas.
Auch den deutschen Fluggesellschaften machen die schlechten Rahmenbedingungen zu schaffen. Im vergangen Jahr rutschte die Deutsche Lufthansa nach einem Vorjahresgewinn von deutlich über einer Milliarde Euro in die roten Zahlen. Neben den steigenden Spritkosten leidet Europas Marktführer vor allem unter der starken Konkurrenz von günstigeren Massenanbietern wie Ryanair. Zudem belasten höhere Abgaben für den Ausstoß von Kohlendioxid und Steuern die Geschäfte des DAX-Konzerns.
Noch schlechter geht es Air Berlin. Die Nummer zwei auf dem deutschen Markt hatte ihre Verschuldung aufgrund des Ausbaus ihrer Flotte erheblich erhöht und hat nun zusätzlich mit der verspäteten Eröffnung des Berliner Großflughafens zu kämpfen.
-von Andrew Critchlow, The Wall Street Journal
+49-(0)69-29725-111, unternehmen.de@dowjones.com
DJG/DJN/hhb/sha
(Mehr zu diesem Thema und weitere Berichte und Analysen zu aktuellen Wirtschafts- und Finanzthemen finden Sie auf www.WSJ.de, dem deutschsprachigen Online-Angebot des Wall Street Journal.)
(END) Dow Jones Newswires
June 05, 2012 12:00 ET (16:00 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 12 00 PM EDT 06-05-12