NEW YORK (dpa-AFX) - Der US-Computerkonzern IBM <IBM.NYS> <IBM.ETR> wird Medienberichten zufolge seine Prüfung einer Übernahme des Konkurrenten Sun Microsystems <JAVA.NAS> <SSYA.FSE> in Kürze abschließen. Im Falle eines Kauf wolle sich IBM verpflichten, die Übernahme auch bei einer intensiven Prüfung durch die Wettbewerbshüter durchzuziehen, berichtete das "Wall Street Journal" am Donnerstag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.
Laut verschiedenen Medien ist ein Kaufpreis zwischen neun und zehn Dollar je Sun-Aktie im Gespräch, das wäre bis zu einem Dollar niedriger als zuvor angedacht. Insgesamt dürfte sich der aktuell diskutierte Kaufpreis auf rund sieben Milliarden Dollar belaufen. Das wäre aber immer noch die größte Investition für IBM in dessen Firmengeschichte.
Nach den ersten Gerüchten um Verkaufsabsichten Mitte März war der Kurs von Sun Micro auf Höhenflug gegangen und legte zeitweise bis zu 80 Prozent zu. Derzeit ist das Unternehmen an der Börse etwa sechs Milliarden Dollar (4,5 Mrd Euro) wert. Offiziell waren die Übernahmeabsichten von den Unternehmen nicht bestätigt worden. Sun war Medienberichten zufolge bereits Monate zuvor auf Käufersuche gewesen.
IBM WÜRDE DIE HÄLFTE DES SERVERGESCHÄFTS KONTROLLIEREN
Rund die Hälfte seiner Umsätze macht Sun mit dem Verkauf von Servern, die in Unternehmen und für den Datenverkehr auf Webseiten eingesetzt werden. Dieser Markt ist von der weltweiten Wirtschaftskrise deutlich mehr betroffen als etwa das Software- Geschäft. Nach Erhebungen der Marktforscher von IDC ist der Markt für Server im vierten Quartal des vergangenen Jahres industrieweit um 14 Prozent zurück gegangen.
Im Falle einer Übernahme würde IBM der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge rund die Hälfte des weltweiten Servergeschäfts kontrollieren. Das Traditionsunternehmen dürfte sich aber viel mehr für Suns Betriebssystem Solaris und vor allem die Entwicklerplattform Java interessieren, eine der einflussreichsten Erfindungen von Sun Microsystems.
Die Verhandlungen über Details eines Kaufs liefen derzeit weiter. Nach Informationen von Bloomberg plant IBM, am kommenden Montag eine Entscheidung mitzuteilen. Nach Einschätzung von Beobachtern gibt es allerdings immer noch die Möglichkeit, dass eine Übernahme nicht zustandekommt. Für den Fall, dass es ähnlich wie bei dem geplatzten Deal zwischen Microsoft und Yahoo! nicht zu einer Übernahme kommt, fürchten Investoren einen starken Sinkflug der Sun-Aktie, schreibt das "Wall Street Journal"./fd/rg/DP/nl