13.02.2013 03:00
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Nasdaq 100: Die Fünf Top-Werte

Nasdaq 100: Die Fünf Top-Werte
Wachstum aus Amerika
Der Kursrutsch der Apple-Aktie hat den Index der Wachstumswerte gedrückt. Welche kleinen Unternehmen im Schatten von Apple beeindruckend schnell wachsen.
€uro am Sonntag

von Sven Parplies, Euro am Sonntag

John Malone könnte fast schon einen eigenen Staat gründen. Der amerikanische Medienmogul, dessen Vermögen auf über fünf Milliarden Dollar geschätzt wird, ist der größte private Landbesitzer der USA. Zuletzt hat der 71-Jährige einen Landsitz in Irland gekauft. Ein Schloss mit 15 Schlafzimmern und Ballsaal.

Und der neue Hausherr könnte in Zukunft häufiger vorbeischauen: Malones Medienkonzern Liberty Global hat soeben für 16 Milliarden Dollar den britischen Kabelnetzbetreiber Virgin Media übernommen.
Liberty Global ist eine der spannendsten Aktien im amerikanischen Wachstumswerteindex Nasdaq 100. Analysten erwarten, dass der Konzern seinen Gewinn bis zum Jahr 2014 um mehr als 125 Prozent auf 700 Millionen Dollar steigern wird.

Solche Wachstumsaussichten sind für Aktionäre besonders interessant. Daher hat €uro am Sonntag die vom Datendienst Bloomberg ermittelten Gewinnschätzungen für die 100 wichtigsten Wachstumswerte an der US-Computerbörse Nasdaq ausgewertet und jene Aktien ermittelt, denen Analysten bis zum Jahr 2014 den größten Gewinnsprung zutrauen.

Wachstumswerte wie Liberty stehen heute allerdings im Schatten von Indexschwergewichten wie Apple, Intel und Microsoft. Die haben Dimensionen erreicht, in denen extreme Wachstumssprünge allein schon aus mathematischen Gründen nur noch schwer zu realisieren sind.

Am markantesten ist das Problem bei Apple: 157 Milliarden Dollar hat der kalifornische Kultkonzern im vergangenen Jahr umgesetzt. Ein Zuwachs von zehn Prozent würde auf diesem Niveau fast dem dreifachen Jahresumsatz eines DAX-Konzerns wie Infineon entsprechen.

Noch schwieriger wird es beim Gewinn. Um durchschnittlich 60 Prozent hat Apple das Ergebnis je Aktie in den vergangenen fünf Jahren gesteigert. Analysten sehen derzeit keine Chance, diese Dynamik zu halten. Für das laufende und kommende Jahr trauen sie Apple laut Konsensschätzung ein Gewinnwachstum von insgesamt 15 Prozent zu. Die deutlich abflachende Dynamik ist ein wesentlicher Grund für den Kurssturz der Aktie, die seit dem Rekordstand Ende September mehr als 30 Prozent an Wert verloren hat.

Da Apple aufgrund seiner Marktkapitalisierung zeitweise sogar mehr als 20 Prozent des gesamten Nasdaq 100 ausmachte, hat der Schwächeanfall auch den Index belastet. Die Statistik zeigt: Während der Index seit Beginn des Apple-Absturzes rund fünf Prozent an Wert verloren hat, weisen 67 der 100 Titel in diesem Zeitraum eine positive Kursentwicklung auf.

Der Mythos lebt
Der breite Aufwärtstrend wird untermauert durch die Gewinnaussichten: Für 38 Indexmitglieder erwarten Analysten in den kommenden beiden Jahren Gewinnsteigerungen von insgesamt mehr als 30 Prozent. Der Nasdaq 100 wird seinem Ruf als Wachstumswerteindex also immer noch gerecht.

An der Spitze der Rangliste finden sich viele Werte, die von einem Hebeleffekt profitieren: Sie brauchen eine kritische Masse, um ihre Fixkosten zu decken, danach steigert sich mit jedem neuen Kunden der Gewinn überproportional.

Darauf setzt auch Liberty Global. Der Kabelnetzbetreiber mit Sitz im US-Bundesstaat Colorado ist operativ vor allem in Europa tätig. Dort ist der Großteil der fast 20 Millionen Kunden des Konzerns zu Hause. Über die Netze von Liberty werden Kunden mit Fernsehen, Internet und Telefon versorgt. Ziel ist es, möglichst umfassende Pakete zu vermarkten, um damit den Umsatz pro Kunde zu steigern. Durch Übernahmen wie jetzt Virgin Media mit fast fünf Millionen zusätzlichen Kunden gewinnt Liberty an Größe und Hebelkraft.

Kleine Wachstumsriesen
Hohe Wachstumsraten allein garantieren allerdings noch keine Kursgewinne für Aktionäre. Liberty hat die Virgin-Übernahme mit einem Preisaufschlag von rund 25 Prozent zum Börsenwert teuer bezahlt. Das hat den Aufwärtsdrang der Aktie gebremst und dürfte sie längere Zeit belasten.

Beim Technologiedienstleister Equinix könnte die hohe Bewertung der Aktie sogar zur Stolperfalle werden. Das Unternehmen profitiert mit seinen Rechenzentren vom wachsenden Verkehrsaufkommen im Internet. Analysten rechnen bis zum Jahr 2014 mit einem Gewinnsprung von fast 90 Prozent. Dem steht aber ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 60 entgegen. Das macht die Aktie anfällig für Enttäuschungen.

Besser sieht es bei anderen Wachstumsriesen der Nasdaq aus: Die Catamaran Corporation nutzt als Dienstleister die Besonderheiten des amerikanischen Gesundheitssystems. Das Unternehmen agiert als Mittelsmann zwischen Patienten und der Gesundheitsindustrie. Catamaran bedient 25 Millionen Kunden, vor allem Angestellte großer Unternehmen. Als Vertreter einer großen Personengruppe kann Catamaran Preisnachlässe etwa bei Medikamenten herausholen.

Mit jedem neuen Kunden wachsen Verhandlungsmacht und Anziehungskraft auf neue Kunden. Ende vergangenen Jahres konnte Catamaran 180 000 Angestellte der Einzelhandelskette Target gewinnen. Analysten erwarten, dass das Unternehmen seinen Nettogewinn bis zum Jahr 2014 auf 470 Millionen Dollar mehr als verdoppeln wird. Das rechtfertigt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 30.

Während Catamaran mit jedem neuen Kunden wächst, geht es für die Pharmafirma Regeneron um Sprungkraft. Die Entwicklung neuer Wirkstoffe ist teuer, das Risiko, dass ein Projekt in der Entwicklung scheitert, ist groß. Wird ein Medikament aber zugelassen, steigen die Gewinne deutlich an. Regeneron-Aktionäre haben dafür vor allem das gemeinsam mit dem Bayer-Konzern entwickelte Augenmedikament Eylea im Blick. Das Präparat ist seit Ende 2011 auf dem Markt und wird nach Einschätzung des Unternehmens in diesem Jahr bis zu 1,3 Milliarden Dollar Umsatz allein in den USA erzielen. Analysten erwarten bei Regeneron vor allem dank Eylea bis zum Jahr 2014 einen Gewinnsprung von knapp 90 Prozent auf 735 Millionen Dollar. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 30 sollte Raum für Kurssteigerungen lassen.

Vorsicht Nebenwirkungen
Top-Produkt der ebenfalls überproportional wachsenden Pharmafirma Alexion ist Soliris, ein Medikament zur Behandlung seltener Blut­erkrankungen. Der Kreis der potenziellen Kunden ist vergleichsweise klein, dafür ist eine Therapie aber extrem teuer. Alexions Gewinnmarge ist daher mit mehr als 30 Prozent hoch. Analysten erwarten für das Unternehmen bis 2014 einen Gewinnanstieg von mehr als 60 Prozent auf 688 Millionen Dollar. Dem steht ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas mehr als 30 entgegen.
Wie alle kleinen Wachstumsriesen eignet sich auch Alexion nur für risikofreudige Anleger.

Investor-Info

Gewinnzuwachs
Die schnellsten Fünf
Die Redaktion hat aus den Mitgliedern des Nasdaq 100 jene Titel herausgefiltert, denen Analysten bis zum Jahr 2014 die größten Gewinnsprünge zutrauen. Basis ist der erwartete Gewinn je Aktie. Drei der fünf Topwerte dieser Rangliste sind nach Einschätzung der Redaktion derzeit kaufenswert.

Liberty Global
Catamaran
Regeneron
Equinix
Alexion

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