Von Heide Oberhauser-Aslan
Dow Jones NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Spezialchemiekonzern
Wacker Chemie rechnet nach den jüngsten Gewinnrückgängen mit einem herausfordernden Jahr 2012. "Vor uns liegt ein anspruchsvolles Jahr, das auch sehr stark davon abhängen wird, wie sich die Volkswirtschaften entwickeln", sagte Finanzvorstand Joachim Rauhut im Gespräch mit Dow Jones Newswires.
Vor allem im vierten Quartal 2011 hatte der Münchener MDAX-Konzern unter dem schwachen Geschäft mit Kunden aus der Solar- und Halbleiterbranche gelitten. Im hochmargigen Polysiliziumgeschäft erwartet der Manager in diesem Jahr nur noch eine EBITDA-Marge "unter 40Prozent", nach 51 Prozent im Vorjahr. "Wir haben immer schon gesagt dass 50% keine nachhaltige Marge ist", erklärte Rauhut dazu. Eine genauere Prognose wollte der Manager nicht abgeben. Es stehe derzeit auch noch nicht fest, wieviele Kundenverträge 2012 noch aufgelöst würden, weil Kunden aus dem Markt ausschieden, sagte er. In der Solarbranche war es jüngst zu den ersten Insolvenzen von Unternehmen gekommen.
Mit seinem hochwertigen Polysilizium beliefert Wacker Chemie vor allem die Solarbranche, die derzeit mit Überkapazitäten und Preisverfall kämpfen muss. Zwar hat Wacker seine Produktionmengen schon für die kommenden Jahre über Mehrjahresverträge verkauft, angesichts des Preisverfalls verlangen die Kunden nun aber Preisnachlässe und wollen nachverhandeln. "Wir haben Diskussionsbedarf bei allen Kunden", sagte Rauhut. Bei allen abgeschlossenen Verträgen lägen die Polysiliziumpreise über den aktuellen Spotmarktpreisen. Ziel sei durch eine Modifizierung der Verträge, die Kunden wettbewerbsfähig zu halten, sagte Rauhut.
Bei den Polysilizium-Absatzmengen rechnet der Manager dagegen noch mit Zuwächsen in diesem Jahr. "Ich gehe davon aus, dass der Markt weiter wachsen wird", sagte er. Mit einem Marktwachstum rechnet der Manager unter anderem in China, den USA, Indien und Japan. Im Vorjahr setzte der Konzern mehr als 32.000 Tonnen des Materials ab. Seit Januar verfügt Wacker Chemie seinen Angaben zufolge über Polyslilizium-Kapazitäten von etwa 42.000 Tonnen.
Im Halbleitergeschäft erwartet Rauhut in diesem Jahr kein Marktwachstum gegenüber Vorjahr. Bei Halbleiterwafern verzeichne Wacker derzeit im Vergleich zum vierten Quartal aber einen steigenden Absatz. Eine Jahresprognose wollte der Manager für die Sparte nicht abgeben. Die Sichtweite in dem stark zyklischen Geschäft sei auf ein Quartal begrenzt, sagte er. Im vierten Quartal hatte der Bereich auf EBITDA-Ebene einen Verlust von 60 Millionen Euro geschrieben. Er war hauptsächlich auf die Schließung des japanischen Werks in Hikari zurückzuführen. In der Sparte arbeite das Unternehmen weiter daran die Kosten zu senken, sagte Rauhut.
Zuversichtlicher zeigte sich Rauhut für die Chemiesparten. Das Bestellverhalten habe sich im Januar wieder etwas beschleunigt, sagte er. Weiteres Wachstum sei hier zu erwarten.
Bei der Ausschüttung für das abgelaufene Jahr könnte wegen dem Rückgang des Jahresergebnisses um etwa 30 Prozent eine Dividendenkürzung ins Haus stehen. Rauhut wollte noch keine Dividendenaussage treffen. Das Unternehmen werde sich in der Dividendenpolitik an den Ergebnisse orientieren, sagte er aber. Die Ausschüttungsquote liegt bei Wacker bei mindestens 25 Prozent.
-Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires
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