New York (aktiencheck.de AG) - Der in der Geschichte bislang beispiellose Zusammenbruch der Sparkasse Washington Mutual sowie die festgefahrenen Verhandlungen zum geplanten Rettungspaket der US-Regierung lasten am Freitagmorgen schwer auf der Stimmung der US-amerikanischen Marktteilnehmer. Das Krisentreffen im Weißen Haus, an dem neben US-Präsident George W. Bush auch die Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama sowie führende Kongressmitgliedern beteiligt waren, brachte gestern überraschend keine Einigung. Die Verhandlungen über das Rettungspaket mit einem Volumen von 700 Mrd.
Dollar waren aufgrund von Gegensätzen in der republikanischen Partei ins Stocken geraten. Heute sollen die Verhandlungen im Kongress fortgesetzt werden.
Der Dow Jones Industrial Average sackt kurz nach der Glocke um 1,08 Prozent ab auf 10.903,23 Indexpunkte. Der S&P 500 verliert daneben 1,37 Prozent auf 1.192,64 Zähler. Noch härter trifft es den Nasdaq Composite mit einem Minus von 1,88 Prozent auf 2.145,55 Punkte.
Laut Angaben des Handelsministeriums hat sich das BIP-Wachstum in den USA im zweiten Quartal beschleunigt. Jedoch wurden in der dritten und damit endgültigen Schätzung die vorläufigen Angaben zur Wirtschaftsentwicklung deutlich nach unten korrigiert.
Die Sparkasse Washington Mutual ist unter der Last der anhaltenden Kreditkrise zusammengebrochen. Wie am Vorabend bekannt wurde, wird die Großbank JPMorgan große Teile des Bankgeschäfts von Washington Mutual für 1,9 Mrd. Dollar übernehmen. Ferner kündigte JPMorgan eine Kapitalerhöhung in Höhe von 8 Mrd. Dollar an. Am Markt kommt die Meldung weniger gut an, die Aktie von JPMorgan verliert aktuell fast 4 Prozent. Washington Mutual knicken um rund 90 Prozent ein.
Der Technologiesektor wiederum leidet zusätzlich unter den am Vorabend vorgestellten Zahlen des kanadischen BlackBerry-Herstellers Research In Motion. Der Konzern konnte seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal kräftig steigern, allerdings nicht ganz so stark wie von Analysten erwartet. Der Titel sackt daraufhin um fast 22 Prozent ab. Papiere von Jabil Circuit legen gegen den Trend leicht zu. Der Auftragshersteller von Elektronikkomponenten hat die Gewinnschätzungen im vierten Quartal auf bereinigter Basis knapp verfehlt. Der Umsatz nahm indes etwas stärker zu als erwartet.
Anteilsscheine des Baukonzerns KB Home, der auch im dritten Quartal unter der anhaltenden Krise an den US-Immobilienmärkten zu leiden hatte und einen kräftigen Verlust eingefahren hat, geben rund 5 Prozent ab.
Unternehmensmeldungen:
Die US-Großbank JPMorgan Chase & Co. (JPMorgan) (JPMorgan ChaseCo ) hat große Teile der im Zuge der Finanzkrise in Schieflage geratenen US-Sparkasse Washington Mutual Inc. (WaMu) (ISIN US9393221034/ WKN 893906) übernommen. Wie aus einer am Donnerstagabend veröffentlichten Pressemitteilung hervorgeht, wird JPMorgan im Rahmen der mit der US-Einlagensicherung Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) abgestimmten Transaktion große Teile des Bankgeschäfts von Washington Mutual übernehmen. Der Kaufpreis beläuft sich auf 1,9 Mrd. Dollar. Im Anschluss kündigte JPMorgan eine Kapitalerhöhung in Höhe von 8 Mrd. Dollar an.
Der kanadische BlackBerry-Hersteller Research In Motion Ltd. (RIM) (ISIN CA7609751028/ WKN 909607) gab am Donnerstag nach US-Börsenschluss bekannt, dass er Umsatz und Gewinn im zweiten Fiskalquartal 2007/08 kräftig gesteigert hat. Die Erwartungen wurden dabei allerdings verfehlt. Der Nettogewinn verbesserte um 72 Prozent und blieb damit knapp hinter den Prognosen zurück. Der Umsatz kletterte um 88 Prozent.
Die amerikanische Jabil Circuit Inc. (ISIN US4663131039/ WKN 886423), ein Auftragshersteller von Elektronikkomponenten, meldete heute, dass sie ihren Gewinn im vierten Quartal fast verfünffacht hat, die Erwartungen auf beringter Basis jedoch knapp verfehlt hat. Der Umsatz nahm etwas stärker zu als prognostiziert.
Der Pharmakonzern Alpharma Inc. (ISIN US0208131013/ WKN 868745) hat die Übernahmeofferte seines Konkurrenten King Pharmaceuticals Inc. (ISIN US4955821081/ WKN 911091) abgelehnt. Wie aus einer heute veröffentlichten Pressemitteilung hervorgeht, hat das Board of Directors das Übernahmeangebot von King Pharmaceuticals in Höhe von 37 Dollar je Aktie als unzureichend zurückgewiesen. In diesem Zusammenhang wurden die Aktionäre dazu aufgefordert, das Angebot abzulehnen. Die aktuelle Offerte bewertet Alpharma mit 1,6 Mrd. Dollar.
Der US-Baukonzern KB Home (ISIN US48666K1097/ WKN 876635) hatte auch im dritten Quartal unter der anhaltenden Krise an den US-Immobilienmärkten zu leiden. Wie der Konzern heute erklärte, verringerte sich der Umsatz im Vorjahresvergleich um mehr als die Hälfte, was vor allem auf deutlich geringere Häuserabsätze zurückgeführt wurde. Beim Nettoergebnis wurde ein deutlich höherer Verlust als im Vorjahr ausgewiesen. Nach Aussage von CEO Jeffrey Mezger war das schwache Abschneiden im dritten Quartal vor allem auf deutliche Rückgänge der Häuserpreise in zahlreichen Regionen der USA zurückzuführen. Zum jetzigen Zeitpunkt ließe sich noch nicht abschätzen, ob die zuletzt von der US-Regierung eingeleiteten Stabilisierungsmaßnahmen zu einer nachhaltigen Trendwende führen werden, erklärte der Manager. (26.09.2008/ac/n/m)