New York (aktiencheck.de AG) - Die US-Indizes haben sich mit Gewinnen ins Wochenende verabschiedet. Negative Äußerungen der Ratingagentur Standard & Poor's zur Bonität der USA und schwächere Konjunkturdaten hatten zeitweise auf die Stimmung gedrückt. Auf der anderen Seite wirkten sich gute Quartalszahlen von Google und der Citigroup stützend aus. Der Dow Jones schloss mit einem Plus von 0,34 Prozent bei 12.479,73 Punkten. Der S&P 500 gewann 0,56 Prozent auf 1.316,14 Zähler. Der NASDAQ Composite legte um 0,98 Prozent auf 2.789,80 Punkte zu.
Die Rating-Agentur Standard & Poor´s hat sich am Donnerstagabend kritisch zur Bonität der Vereinigten Staaten von Amerika geäußert. In einer Pressemitteilung heißt es, dass der Ausblick für das Kredit-Rating der weltweit größten Volkswirtschaft auf "negativ" abgestuft wurde. Zur Begründung verwies Standard & Poor´s auf die anhaltenden Querelen um eine Anhebung der Verschuldungsgrenze in den USA. Damit wächst der Druck auf die politischen Entscheidungsträger in den USA, endlich zu einem Konsens über die Erhöhung der Schuldengrenze von derzeit knapp 14,3 Bio. US-Dollar zu kommen. Am Mittwochabend hatte die Rating-Agentur Moody´s bereits mit einer Abstufung des Kreditratings der USA gedroht. Derzeit verfügt die USA über die höchste Bonitätsnote "AAA". Eine Senkung des Kreditratings würde die Neukreditaufnahmen an den Kapitalmärkten deutlich verteuern.
Daneben belasteten zeitweise auch die veröffentlichten Konjunkturdaten. So hat sich die Stimmung der US-Verbraucher im Juli 2011 gegenüber dem Vormonat verschlechtert. Wie die Universität Michigan am Freitag mitteilte, sank der Gesamtindex auf 63,8 Punkte, nachdem im Vormonat noch ein Stand von 71,5 Punkten ausgewiesen worden war. Volkswirte waren von einem Wert von 71,4 Punkten ausgegangen.
Daneben ermittelte die Federal Reserve Bank of New York für Juli 2011 eine Verbesserung bei der allgemeinen Geschäftstätigkeit im Verarbeitenden Gewerbe des Distrikts New York. So erhöhte sich der Empire State Manufacturing Index auf -3,8 Punkte, während Volkswirte mit einem Wert von +1,0 Zählern gerechnet hatten. Für Juni war ein Wert von -7,8 Punkten ermittelt worden. Ferner haben sich die US-Verbraucherpreise im Juni 2011 leicht reduziert. Demnach schrumpfte der Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent, wogegen er im Mai um 0,2 Prozent gestiegen war. Volkswirte hatten lediglich einen Preisrückgang von 0,1 Prozent prognostiziert. Die um die volatilen Nahrungsmittel- und Energiepreise bereinigte Kernrate lag um 0,3 Prozent über dem Vormonatsniveau, nachdem sie im Mai ebenfalls um 0,3 Prozent angezogen war. Volkswirte waren hier von einem Plus von 0,2 Prozent ausgegangen. Schließlich ist die US-Industrieproduktion im Juni 2011 leicht gestiegen. So lag der Produktionsausstoß der Fabriken, Bergwerke und Energieversorger um 0,2 Prozent über seinem Vormonatsniveau, wogegen er im Mai um 0,1 Prozent abgenommen hatte. Auch Volkswirte hatten einen um 0,2 Prozent höheren Output prognostiziert.
Wie außerdem bekannt wurde, ist das Realeinkommen in den USA im Juni 2011 preis- und saisonbereinigt gesunken. Dies gab das US-Arbeitsministerium in Washington am Freitag bekannt. So verringerte sich das Realeinkommen gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent. Im Mai war es hingegen um 0,1 Prozent gestiegen. Der durchschnittliche reale Wochenlohn fiel saison- und inflationsbereinigt auf 351,56 US-Dollar, nach revidiert 351,95 (vorläufig 351,64) US-Dollar im Vormonat.
Positive Nachrichten kamen dagegen von Unternehmensseite. So steht die Citigroup (ISIN US1729671016/ WKN 871904) im Fokus. Die Großbank konnte im zweiten Quartal 2011 dank eines starken Kredit- und Einlagengeschäfts das Ergebnis steigern und die Erwartungen des Marktes übertreffen. Demnach verringerten sich die Umsatzerlöse auf 20,62 Mrd. US-Dollar, nach 22,07 Mrd. US-Dollar im Vorjahresquartal. Dies entspricht einem Rückgang um 7 Prozent. Dagegen kletterte der Nettogewinn von 2,70 Mrd. US-Dollar oder 0,90 US-Dollar je Aktie auf nun 3,34 Mrd. US-Dollar bzw. 1,09 US-Dollar pro Aktie. Analysten waren im Vorfeld nur von einem Gewinn von 97 Cents pro Aktie und einem Umsatz von 19,94 Mrd. US-Dollar ausgegangen. Anteilscheine der Citigroup rutschten nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und verloren schließlich 1,6 Prozent.
Bereits gestern nach Börsenschluss veröffentlichte Google seine Ergebnisse für das zweite Quartal. Dabei konnte der Internet-Konzern Umsatz und Gewinn überraschend deutlich steigern. Das Nettoergebnis belief sich demnach auf 2,51 Mrd. US-Dollar bzw. 7,68 US-Dollar je Aktie, nach 1,84 Mrd. US-Dollar bzw. 5,71 US-Dollar je Aktie im Vorjahreszeitraum. Das um Einmaleffekte bereinigte EPS belief sich auf 8,74 US-Dollar. Analysten hatten im Vorfeld ein EPS von lediglich 7,86 US-Dollar erwartet. Vor diesem Hintergrund schossen Titel von Google um 13 Prozent nach oben.
Papiere von Mattel schlossen 1,9 Prozent fester. Der größte US-Spielwarenhersteller meldete heute, dass sie im zweiten Quartal einen deutlich höheren Gewinn erzielt hat, was vor allem mit einem starken Umsatzwachstum zusammenhängt. Dabei profitierte man von einer starken Nachfrage nach Barbie-Produkten und Spielzeug zum Disney-Film "Cars 2". Die Erwartungen wurden klar übertroffen.
An der Akquisitionsfront gibt es Neuigkeiten bei Clorox . So will der US-Milliardär Carl Icahn den Reinigungsmittelkonzern vollständig übernehmen. Wie aus einer Mitteilung an die SEC hervorgeht, hat Icahn den Clorox-CEO Donald R. Knauss gestern in einem Brief darüber informiert, dass er über seine Investmentgesellschaft Icahn Enterprises L.P. ein Übernahmeangebot für die noch ausstehenden Aktien des US-Konzerns in Höhe von 76,50 US-Dollar je Clorox-Aktie in bar vorlegen will, was den Konzern mit rund 12,6 Mrd. US-Dollar bewerten würde. Ob es zu einer Übernahmeofferte kommt, steht unter anderem unter dem Vorbehalt der Durchführung einer Due Diligence. Icahn ist mit einer Beteiligung von 9,4 Prozent größter Einzelaktionär des Reinigungsmittelherstellers. Aktien von Clorox verteuerten sich um 8,9 Prozent.
Titel von Petrohawk Energy (PetroHawk Energy) explodierten um 62,5 Prozent. Der britisch-australische Minenbetreiber BHP Billiton meldete heute, dass er den Erdgasförderer übernehmen wird. Wie aus einer Pressemitteilung des Bergbaukonzerns hervorgeht, erhalten Petrohawk-Aktionäre im Rahmen der Transaktion 38,75 US-Dollar in bar für jeden ihrer Anteilsscheine. Damit hat die Akquisition ein Gesamtvolumen von rund 12,1 Mrd. US-Dollar bzw. 15,1 Mrd. US-Dollar einschließlich übernommener Verbindlichkeiten. Das Petrohawk-Board hat der Übernahme, die im dritten Quartal 2011 abgeschlossen werden soll, bereits zugestimmt. (15.07.2011/ac/n/m)