New York (aktiencheck.de AG) - Die US-Börsen sind nach einer Serie von sechs Handelstagen mit Verlusten am Donnerstag wieder mit Gewinnen aus dem Handel gegangen. Durchwachsen fielen die veröffentlichten Konjunkturdaten aus. Während die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschenderweise leicht anstiegen, fiel das Handelsbilanzdefizit geringer aus als erwartet. Der Dow Jones gewann 0,63 Prozent auf 12.124,43 Punkte. Der S&P 500 stieg um 0,74 Prozent auf 1.289,00 Zähler. Der NASDAQ Composite verbesserte sich um 0,35 Prozent auf 2.684,87 Punkte.
Die Arbeitsmarktsituation in den USA hat sich in der Woche zum 4. Juni 2011 nach Angaben des US-Arbeitsministeriums verschlechtert. So erhöhte sich die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 1.000 auf 427.000, während Volkswirte im Vorfeld eine Zahl von 423.000 prognostiziert hatten. Für die Vorwoche wurde der zunächst ermittelte Wert von 422.000 auf 426.000 nach oben korrigiert.
Des Weiteren hat sich das US-Handelsbilanzdefizit im April 2011 nach Angaben des US-Handelsministeriums verkleinert. So reduzierte sich das Handelsbilanzdefizit um 6,7 Prozent auf 43,7 Mrd. US-Dollar, während Volkswirte 48,7 Mrd. US-Dollar prognostiziert hatten. Im März wurde ein Passivsaldo von 46,8 Mrd. US-Dollar verbucht. Hierbei kletterten die Exporte um 1,3 Prozent auf 175,6 Mrd. US-Dollar. Die Importe gingen um 0,4 Prozent zurück auf 219,2 Mrd. US-Dollar.
Weiterhin sind die Lagerbestände im Großhandel im April 2011 gestiegen. Wie das Commerce Department bekanntgab, wurde ein saisonbereinigter Anstieg der US-Lagerbestände im Großhandel von 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat ausgewiesen, nach einem Plus von 1,3 Prozent im März. Marktbeobachter hatten zuvor mit dieser Zunahme um 0,9 Prozent gerechnet. Die Umsatzerlöse des US-Großhandels erhöhten sich gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent, während im März ein Umsatzwachstum von 3,0 Prozent ermittelt worden war.
Auf der Unternehmensseite richtete sich der Fokus der Anleger auf General Motors . Der Autobauer zieht Presseangaben zufolge offenbar erneut in Betracht, sich von seiner deutschen Tochter Opel zu trennen. Dem Bericht zufolge will man sich mit der jüngsten Entwicklung bei der Adam Opel AG, die im ersten Quartal 2011 bereits einen Verlust von 263 Mio. Euro erwirtschaftete, nicht länger abfinden. Wie es in dem Bericht heißt, dürften vor allem die Chinesen ein Interesse an Opel haben, da Marken wie Geely, BYD oder Great Wall auf einem immer anspruchsvolleren Weltmarkt nicht ohne westliche Hilfe auskommen. Die Aktie von General Motors fuhr vor diesem Hintergrund um 2,0 Prozent vor.
Der amerikanische Automobilkonzern Ford Motor Co. will seine Produktionskapazität bei Elektroautos innerhalb der nächsten beiden Jahre verdreifachen. So soll die Produktion von Elektroautos bis 2013 von derzeit rund 35.000 auf mehr als 100.000 Fahrzeuge jährlich gesteigert werden. Um der steigenden Nachfrage nach "grünen" Autos zu begegnen, plant der Konzern bis zum kommenden Jahr die Markteinführung von fünf Elektromodellen, unter anderem den Focus Electric, der noch in diesem Jahr auf den Markt kommen wird. Darüber hinaus ist die Einstellung von 220 neuen Mitarbeitern im Bereich der grünen Technologie geplant. Die Anteilscheine reagierten mit einem Plus von 0,7 Prozent.
Der amerikanische Software-Konzern Microsoft Corp. ist in einem Prozess wegen einer Patentrechtsverletzung gegen die kanadische Firma i4i unterlegen und muss Schadenersatz bezahlen. Der amerikanische Supreme Court wies die Berufung von Microsoft gegen die Entscheidung einer unteren Instanz einstimmig ab. Damit muss Microsoft an das kanadische Software-Unternehmen i4i Schadenersatz in Höhe von 290 Mio. US-Dollar zahlen. Gegenstand der Auseinandersetzung, die bereits seit 2007 lief, waren Funktionen in den Versionen 2003 und 2007 des Textverarbeitungsprogramms Word. i4i sah dadurch eines seiner Patente verletzt. Die Microsoft-Aktie legte leicht um 0,1 Prozent zu.
Für negative Schlagzeilen sorgte bereits gestern nach Börsenschluss Texas Instruments . Der Halbleiterhersteller hat die Prognose für das zweite Quartal nach unten revidiert. So rechnet man nunmehr mit einem Umsatz von 3,36 bis 3,50 Mrd. US-Dollar, nachdem man hier zunächst einen Umsatz von 3,41 bis 3,69 Mrd. US-Dollar in Aussicht gestellt hatte. Der Gewinn je Aktie wird nunmehr bei 0,51 bis 0,55 US-Dollar gesehen (zuvor: 0,52 bis 0,60 US-Dollar). Das Papier verbesserte sich nach schwächerem Start um 0,7 Prozent.
Daneben meldeten sich einige Nachzügler mit ihren Quartalsausweisen zu Wort. Im Blick standen dabei J.M. Smucker (J M Smucker), die um 2,3 Prozent zulegen konnten. Der Nahrungsmittelhersteller musste im vierten Quartal einen Gewinnrückgang hinnehmen. Verantwortlich hierfür waren Restrukturierungsbelastungen. Die Erwartungen wurden auf bereinigter Basis allerdings geschlagen. Der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr lag indes knapp im Rahmen der Erwartungen der Analysten.
Brown-Forman (Brown-Forman b) verbesserten sich derweil um 2,0 Prozent. Der Hersteller alkoholischer Getränke konnte im vierten Quartal mit einem deutlichen Gewinnanstieg aufwarten. Die Erwartungen der Analysten wurden übertroffen. Nachbörslich werden heute zudem noch die Quartalszahlen von National Semiconductor erwartet.
Neuigkeiten gab es auch von der Akquisitionsfront. Visa wird Fundamo, einen Plattform-Anbieter von mobilen Finanzdienstleistungen für Mobilfunkbetreiber und Finanzinstitutionen in Entwicklungsländern, für rund 110 Mio. US-Dollar in bar übernehmen. Zudem verlautbarte das Kreditkartenunternehmen, dass man mit der britischen Monitise , einem globalen Lösungsanbieter von mobilen Gelddienstleistungen, ein neues langfristiges Vermarktungsabkommen geschlossen hat. Der Titel von Visa verbilligte sich um 0,4 Prozent. (09.06.2011/ac/n/m)