New York (aktiencheck.de AG) - Die US-Börsen sind am Dienstag mit deutlichen Kursverlusten aus dem Handel gegangen. Negativ aufgenommene Zahlen von Apple und IBM und eine unerwartete Leitzinserhöhung der chinesischen Notenbank hatten für einen schwachen Start gesorgt. Sorgen, die Bank of America müsse möglicherweise Hypothekenanleihen im Wert von 47 Mrd. Dollar zurückkaufen, ließen die Verluste im Verlauf sogar noch anschwellen. Der Dow Jones verlor 1,48 Prozent auf 10.978,62 Punkte. Der S&P 500 gab um 1,59 Prozent auf 1.165,90 Zähler nach. Der NASDAQ Composite rutschte um 1,76 Prozent auf 2.436,95 Punkte ab.
Die Baugenehmigungen in den USA verzeichneten im September nach Angaben des US-Handelsministeriums einen saisonbereinigten Rückgang. So wurden auf annualisierter Basis insgesamt 0,539 Millionen Baugenehmigungen für Privathäuser erteilt. Damit wurden das Vormonatsniveau von 0,571 Millionen um 5,6 Prozent und der entsprechende Vorjahresstand von 0,605 Millionen um 10,9 Prozent verfehlt. Volkswirte hatten lediglich eine Abnahme auf 0,565 Millionen Genehmigungen geschätzt. Die US-Wohnbaubeginne wiesen im September hingegen einen saisonbereinigten Zuwachs gegenüber dem vorangegangenen Monat aus. Die Zahl belief sich auf 0,610 Millionen Baubeginne. Damit wurden das revidierte Vormonatsniveau von 0,608 (vorläufig: 0,598) Millionen um 0,3 Prozent und der entsprechende Vorjahreswert von 0,586 Millionen um 4,1 Prozent übertroffen. Volkswirte waren lediglich von einer Zahl von 0,579 Millionen Baubeginnen ausgegangen.
Die US-Berichtssaison hat ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Bereits gestern nach Börsenschluss wurden mit Spannung die Quartalszahlen von Apple und IBM erwartet. Apple konnte im vierten Fiskalquartal 2009/10 die Erwartungen der Analysten einmal mehr deutlich übertreffen. Der Ausblick auf das laufende Quartal enttäuschte jedoch. Das Nettoergebnis konnte von 2,53 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum auf 4,31 Mrd. Dollar bzw. 4,64 Dollar je Aktie gesteigert werden. Die Umsatzerlöse erhöhten sich gleichzeitig von 12,21 Mrd. Dollar auf den neuen Rekordwert von 20,34 Mrd. Dollar. Analysten hatten im Vorfeld Umsätze von 18,86 Mrd. Dollar und ein Ergebnis von 4,06 Dollar je Aktie erwartet. Für das derzeit laufende erste Fiskalquartal 2010/11 prognostiziert Apple ein EPS von 4,80 Dollar bei Umsätzen von rund 23 Mrd. Dollar. Analysten erwarten derzeit ein EPS von 5,04 Dollar bei Umsätzen von 22,22 Mrd. Dollar. Die Aktie verliert derzeit 2 Prozent.
Auch die Zahlen zum dritten Quartal von IBM (International Business Machines) wurden nachbörslich nicht gut aufgenommen. Dabei wurden die Erwartungen der Analysten knapp übertroffen und der Ausblick für das Gesamtjahr leicht angehoben. Der Nettogewinn erhöhte sich von 3,21 auf 3,59 Mrd. Dollar bzw. 2,82 Dollar je Aktie. Der Umsatz stieg um 3 Prozent auf 24,27 Mrd. Dollar. Analysten waren im Vorfeld von einem Gewinn von 2,75 Dollar und einem Umsatz von 24,12 Mrd. Dollar ausgegangen. Zudem erhöhte der Konzern seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr erneut leicht. So erwartet IBM für das laufende Jahr nun ein Ergebnis von mindestens 11,40 Dollar je Aktie, nach zuvor mindestens 11,25 Dollar. Analysten prognostizieren derzeit ein EPS in Höhe von 11,29 Dollar. Die Zahlen wurden nachbörslich dennoch nicht gut aufgenommen. So zeigten sich die Analysten von der Entwicklung im IT-Servicegeschäft enttäuscht. Der Titel verbilligt sich um gut 3 Prozent.
Heute sorgte dann vor Börsenbeginn die Bank of America mit ihren Quartalszahlen für Aufsehen. So hat die größte Bankgesellschaft in den USA im dritten Quartal einen milliardenschweren Verlust erwirtschaftet, was auf eine drastische Sonderbelastung zurückzuführen ist. Auf bereinigter Basis wurden die Erwartungen aber übertroffen. Der Nettoverlust belief sich demnach auf 7,65 Mrd. Dollar bzw. 77 Cents pro Aktie, nach 2,24 Mrd. Dollar im Vorjahr. Das jüngste Ergebnis beinhaltet dabei eine Goodwill-Abschreibung im Volumen von 10,4 Mrd. Dollar. Auf bereinigter Basis wurde im Berichtszeitraum ein Gewinn von 27 Cents pro Aktie erzielt. Der Umsatz erhöhte sich von 26,04 Mrd. Dollar auf 26,70 Mrd. Dollar. Analysten waren im Vorfeld von einem Gewinn von 16 Cents pro Aktie und einem Umsatz von 27,15 Mrd. Dollar ausgegangen.
Außerdem wollen einem Pressebericht zufolge einige große Investoren die Bank of America zum Rückkauf von Hypothekenanleihen zwingen. Wie das Wall Street Journal berichtet, haben die Vermögensverwalter Pimco, eine Tochter des deutschen Versicherungskonzerns Allianz SE , und Blackrock Inc. (BlackRock) sowie die Federal Reserve Bank von New York die Bankgesellschaft in einem Schreiben dazu aufgefordert, gebündelte Hypothekenanleihen im Wert von 47 Mrd. Dollar zurückzukaufen. Die Hypothekenanleihen waren seinerzeit von Countrywide Financial ausgegeben worden. Die Bank of America hatte die Hypothekenbank nach der Finanzkrise im Jahr 2008 übernommen. Das Papier verlor daraufhin 4 Prozent.
Des Weiteren musste Goldman Sachs (Goldman Sachs Group) im dritten Quartal infolge eines geringen Handelsvolumens einen Gewinnrückgang verbuchen. So sank der Nettogewinn von 3,19 Mrd. Dollar bzw. 5,25 Dollar pro Aktie auf nur noch 1,9 Mrd. Dollar bzw. 2,98 Dollar pro Aktie. Analysten waren im Vorfeld lediglich von einem Gewinn von 2,28 Dollar pro Aktie ausgegangen. Anteilscheine von Goldman Sachs verteuerten sich um 2 Prozent.
Ferner konnte die Bank of New York Mellon im dritten Quartal wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Der Nettogewinn lag bei 622 Mio. Dollar bzw. 51 Cents je Aktie, nachdem man im Vorjahreszeitraum einen Nettoverlust von 2,46 Mrd. Dollar bzw. 2,05 Dollar je Aktie ausgewiesen hatte. Die Aktie gab 2,5 Prozent ab.
Der amerikanische Kreditkartenanbieter und Bankkonzern Capital One Financial Corp. hat seinen Gewinn im abgelaufenen dritten Quartal mehr als verdoppelt und die Erwartungen klar übertroffen. Der Nettogewinn belief sich auf 803 Mio. Dollar bzw. 1,76 Dollar je Aktie, nach 394 Mio. Dollar bzw. 84 Cents je Aktie im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz verbesserte sich um 13 Prozent auf 4,02 Mrd. Dollar, nach 3,56 Mrd. Dollar im Vorjahr. Analysten hatten im Vorfeld nur ein Ergebnis von 1,13 Dollar je Aktie bei Erlösen von 3,8 Mrd. Dollar prognostiziert. Die Aktie von Capital One gewann gegen den schwachen Markt 4 Prozent.
Die Aktie der Citigroup verbilligte sich um mehr als 2 Prozent. Das US-Finanzministerium wird weitere 1,5 Milliarden Anteilsscheine des Kreditinstituts veräußern. In diesem Zusammenhang hat man eine entsprechende Vereinbarung mit der Großbank Morgan Stanley geschlossen, die den Verkauf der Citigroup-Papiere übernehmen wird.
Der amerikanische Technologiekonzern Hewlett-Packard Co. will mit einem neuen Smartphone im boomenden Mobilfunkmarkt Boden gut machen. Das Unternehmen stellte am Dienstag die nächste Generation des Betriebssystems WebOS sowie das erneuerte Smartphone Palm Pre 2 vor. Das neue Gerät soll bereits am kommenden Freitag auf den Markt kommen, zunächst allerdings nur in Frankreich. In den USA und Kanada wird das neue Smartphone erst in den kommenden Monaten erhältlich sein. Die neue Version WebOS 2.0 unterstützt Multitasking, also die Nutzung mehrerer Programme gleichzeitig. Auch die Wiedergabe von Filmen mit der Multimedia-Software Flash Player ist möglich. Der US-Konzern Palm, der als Pionier bei Taschencomputern und Smartphones gilt, hatte in den letzten Jahren gegenüber der Konkurrenz immer stärker an Boden verloren. Der weltgrößte PC-Hersteller Hewlett-Packard übernahm Palm im April dieses Jahres für rund 1,2 Mrd. Dollar und will sich nun stärker im Mobilfunkmarkt engagieren. Die Aktie von Hewlett-Packard verlor 1 Prozent.
Als weiteres Schwergewicht ließ heute vor US-Börsenbeginn zudem auch Coca-Cola (The Coca-Cola) in seine Bücher blicken. Der größte Softdrink-Hersteller der Welt konnte im dritten Quartal den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5 Prozent auf 8,43 Mrd. Dollar steigern. Der Nettogewinn nach Anteilen Dritter stieg von 1,90 Mrd. Dollar bzw. 81 Cents je Aktie auf nun 2,06 Mrd. Dollar bzw. 88 Cents je Aktie. Auf vergleichbarer Basis betrug das EPS 92 Cents. Analysten hatten ein EPS von 89 Cents sowie einen Umsatz von 8,30 Mrd. Dollar erwartet. Die Aktie gewann 0,6 Prozent. Dagegen verbilligten sich Pepsi um 1,7 Prozent.
Abgesehen vom Umsatz konnte der Konsumgüter- und Gesundheitskonzern Johnson & Johnson (JohnsonJohnson) mit seinem Quartalsausweis überzeugen. Der Gewinn im dritten Quartal stieg trotz eines Umsatzrückgangs leicht an. Die Erwartungen konnten übertroffen werden, was vor allem mit dem schwächeren Dollar zusammenhängt. Zudem wurde der Ausblick angehoben. Der Nettogewinn nach Abzug von Minderheitsanteilen verbesserte sich leicht auf 3,42 Mrd. Dollar bzw. 1,23 Dollar pro Aktie. Der Umsatz sank im Berichtszeitraum indes um 0,7 Prozent auf 14,98 Mrd. Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Konzern nun mit einem bereinigten EPS-Ergebnis von 4,70 bis 4,80 Dollar (zuvor: 4,65 bis 4,75 Dollar). Der Titel gab um knapp 1 Prozent nach.
Der Rüstungskonzern Lockheed Martin musste hingegen im dritten Quartal einen Gewinnrückgang verzeichnen. Zwar erhöhten sich die Umsatzerlöse um 5,6 Prozent auf 11,38 Mrd. Dollar, gleichzeitig schrumpfte aber der Nettogewinn von 797 Mio. Dollar bzw. 2,07 Dollar je Aktie auf nun 571 Mio. Dollar oder 1,57 Dollar pro Aktie. Das Ergebnis der fortgeführten Geschäftsbereiche betrug 1,55 Dollar je Aktie. Analysten hatten durchschnittlich ein EPS von 1,56 Dollar bei Umsätzen von 11,62 Mrd. Dollar prognostiziert. Das Papier verlor knapp 1 Prozent.
Der weltgrößte Werbekonzern Omnicom (Omnicom Group) konnte die Analystenerwartungen mit seinen Zahlen zum dritten Quartal nicht erfüllen. Der Nettogewinn nach Abzug von Minderheitsanteilen stieg leicht auf 174,6 Mio. Dollar bzw. 57 Cents pro Aktie. Der Umsatz nahm gleichzeitig um 5,5 Prozent auf 2,99 Mrd. Dollar zu. Analysten waren im Vorfeld allerdings von einem Gewinn von 58 Cents pro Aktie und einem Umsatz von 2,95 Mrd. Dollar ausgegangen. Die Aktie verlor fast 2 Prozent.
EMC (EMC) verbesserten sich leicht um 0,2 Prozent. Der Speicher- und Technologiekonzern erzielte im dritten Quartal einen Nettogewinn nach Abzug von Minderheitsanteilen von 472,5 Mio. Dollar bzw. 22 Cents pro Aktie, nach 298,2 Mio. Dollar bzw. 14 Cents pro Aktie im Vorjahr. Vor Einmaleffekten lag der jüngste Gewinn bei 30 Cents pro Aktie. Der Umsatz erhöhte sich um 20 Prozent auf den neuen Rekordwert von 4,21 Mrd. Dollar. (19.10.2010/ac/n/m)