New York (aktiencheck.de AG) - Die US-Börsen sind am letzten Handelstag der Woche inzwischen klar in die Verlustzone gerutscht. Neben durchwachsenen Konjunkturdaten belasten einige enttäuschende Quartalsergebnisse unter anderem von Ford die Kursentwicklung. Der Dow Jones verliert derzeit 1,08 Prozent auf 11.861 Punkte. Der S&P 500 büßt 1,31 Prozent auf 1.283 Zähler ein. Der NASDAQ Composite gibt sogar um 2,14 Prozent auf 2.696 Punkte nach.
Unter den Erwartungen lagen die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt. Die US-Wirtschaftsleistung ist im vierten Quartal 2010 mit beschleunigtem Tempo angewachsen. Dies geht aus einer ersten Schätzung hervor, die das US-Handelsministerium heute vorlegte. Gegenüber dem Vorjahresquartal wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,2 Prozent, während Volkswirte einen Anstieg um 3,7 Prozent prognostiziert hatten. Im Vorquartal hatte sich das BIP lediglich um 2,6 Prozent erhöht. Im Gesamtjahr 2010 kletterte die Wirtschaftsleistung um 2,9 Prozent, gegenüber einem Rückgang um 2,6 Prozent in 2009.
Indes hat sich der Anstieg der US-Arbeitskosten im vierten Quartal 2010 nach Angaben des Arbeitsministeriums mit unverändertem Tempo fortgesetzt. Gegenüber dem Vorquartal wuchs der entsprechende Index in den USA erneut um 0,4 Prozent an. Volkswirte waren von einer Kostensteigerung um 0,4 Prozent ausgegangen, nachdem der Index im dritten Quartal bereits um 0,4 Prozent angezogen war.
Besser als erwartet fielen dagegen die Zahlen zur Verbraucherstimmung der Uni Michigan aus. Zwar hat sich das US-Verbrauchervertrauen in die Wirtschaftsentwicklung im Januar 2011 verschlechtert, jedoch nicht so deutlich wie zuvor erwartet. Wie die University of Michigan bekanntgab, lag der Index im Berichtszeitraum bei revidiert Punkten 74,2 Punkten (vorläufig: 72,7 Punkten), während Volkswirte einen Stand von 73,2 Punkten erwartet hatten. Für den Vormonat wurde ein Indexstand von 74,5 Punkten ausgewiesen.
Die laufende Berichtssaison brachte vor dem Wochenende eine herbe Enttäuschung hervor. Der Automobilhersteller Ford (Ford Motor) verlautbarte, dass sein Gewinn im vierten Quartal deutlich gesunken ist, was auf Sonderbelastungen in Zusammenhang mit Umschuldungsmaßnahmen zurückzuführen ist. Die Erwartungen wurden auf bereinigter Basis klar verfehlt. Indes konnte der Gewinn im Gesamtjahr mehr als verdoppelt werden. Der Gewinn belief sich auf 190 Mio. Dollar bzw. 5 Cents pro Aktie, gegenüber 886 Mio. Dollar im Vorjahr. Vor Einmaleffekten wurde ein operatives Ergebnis von 30 Cents (Vorjahr: 43 Cents) pro Aktie ausgewiesen. Der Gesamtumsatz fiel von 34,8 Mrd. Dollar auf 32,5 Mrd. Dollar, wobei der Umsatz ohne Volvo um 1,6 Mrd. Dollar zulegen konnte. Analysten waren im Vorfeld von einem Gewinn von 48 Cents pro Aktie und einem Umsatz von 30,57 Mrd. Dollar ausgegangen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr lag der Gewinn bei 6,6 Mrd. Dollar, nach 2,7 Mrd. Dollar im Vorjahr. Die Aktie rutscht derzeit um mehr als 11 Prozent ab.
Auch auf die mit Spannung erwarteten Quartalsausweise von Microsoft und Amazon vom Vorabend reagieren die Anleger mit deutlichen Abschlägen. Zwar übertraf Amazon.com (Amazoncom) im vierten Quartal 2010 mit einem kräftigen Gewinnanstieg die Erwartungen für das Weihnachtsquartal klar. Allerdings enttäuschte die operative Marge. Das Nettoergebnis stieg von 384 Mio. Dollar auf nun 416 Mio. Dollar bzw. 91 Cents je Aktie. Die Analysten hatten zuvor ein EPS von 88 Cents erwartet. Die Umsatzerlöse konnten im Berichtszeitraum um 36 Prozent auf nun 12,95 Mrd. Dollar gesteigert werden. Im Vorfeld hatten die Analysten die Umsätze bei 12,98 Mrd. Dollar gesehen. Der Titel verbilligt sich um mehr als 8 Prozent.
Der weltgrößte Software-Konzern Microsoft wies einen Umsatzanstieg und einen Gewinnrückgang für das zweite Fiskalquartal 2010/11 aus. Die Erwartungen wurden dennoch übertroffen. Der Umsatz stieg demnach um 5 Prozent auf 19,95 Mrd. Dollar. Beim Nettoergebnis wurde ein Gewinn von 6,63 Mrd. Dollar bzw. 77 Cents je Aktie ausgewiesen, nach einem Gewinn von 6,66 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum. Analysten waren im Vorfeld von einem Gewinn von 68 Cents sowie einem Umsatz von 19,14 Mrd. Dollar ausgegangen. Die Aktie gibt um knapp 4 Prozent nach.
Honeywell (Honeywell International) konnte indes mit einem deutlichen Gewinnanstieg im vierten Quartal aufwarten. So lag der Umsatz des Mischkonzerns im Berichtszeitraum mit 9,04 Mrd. Dollar über dem Vorjahreswert von 8,07 Mrd. Dollar. Beim Nettogewinn verzeichnete man einen deutlichen Anstieg auf 369,0 Mio. Dollar bzw. 47 Cents je Aktie, nach zuvor 150 Mio. Dollar. Vor Einmaleffekten lag der bereinigte Gewinn je Aktie im Berichtszeitraum bei 87 Cents je Aktie. Analysten hatten zuvor ein EPS von 87 Cents bei Umsatzerlösen von 8,84 Mrd. Dollar erwartet. Für das laufende Fiskaljahr wurde die Ergebnisprognose beim Gewinn (vor positiven Einmaleffekten aus Veräußerungen) auf 3,60 bis 3,80 Dollar je Aktie angehoben, nach zuvor 3,50 bis 3,70 Dollar. Das Papier gibt dennoch um fast 2 Prozent nach.
Chevron (Chevron) verbilligen sich um gut 1 Prozent. Der Ölkonzern konnte seinen Gewinn im vierten Quartal deutlich steigern, was auf gestiegene Ölpreise und Erlöse aus Asset-Verkäufen im Downstream-Bereich zurückzuführen ist. Die Erwartungen wurden damit übertroffen.
Der Energieversorger American Electric Power hat seine Geschäftszahlen für das vierte Quartal vorgelegt. Dabei lag der Nettogewinn im Berichtszeitraum mit 176 Mio. Dollar bzw. 37 Cents je Aktie unter dem Vorjahreswert von 238 Mio. Dollar. Der Titel verliert 1,3 Prozent an Wert. Arch Coal geben um 3,2 Prozent nach. Der Kohleproduzent hat im vierten Quartal einen deutlich höheren Gewinn erwirtschaftet. Die Erwartungen wurden auf bereinigter Basis jedoch klar verfehlt, was mit geringer als erwarteten Transportvolumina, Problemen beim Schienentransport im Osten der USA und einer unterplanmäßigen Produktion am Standort Mountain Laurel zusammenhängt. Zudem wurde ein schwacher Ausblick gegeben. IDEXX Laboratories , ein Hersteller von Produkten für die Bereiche Tiermedizin, Lebensmittel und Wassertest, konnte dank steigender Umsätze den Gewinn im vierten Quartal 2010 verbessern. Der Anteilsschein verbilligt sich um knapp 2 Prozent.
Sara Lee verlautbarte, dass sein Board beschlossen hat, den Nahrungsmittelkonzern in zwei separate, börsennotierte Gesellschaften aufzuspalten. Die Aufspaltung soll Anfang 2012 abgeschlossen werden. Zudem wurden Management-Änderungen vorgenommen. Auch die Prognosen wurden angepasst. Den Angaben zufolge werden im Rahmen des Plans die Geschäftsbereiche North American Retail und North American Foodservice (ohne das nordamerikanische Getränkegeschäft) in eine neue Gesellschaft ausgegliedert, die den Namen Sara Lee beibehält. Das zweite Unternehmen, dessen Namen noch nicht feststeht, beinhaltet die Sara Lee-Geschäftsbereiche International Beverage und Bakery sowie das nordamerikanische Getränkegeschäft. Des Weiteren rechnet der Konzern für 2011 nun mit einem Gewinn von 85 bis 89 Cents pro Aktie, nach bisher erwarteten 87 bis 94 Cents pro Aktie. Analysten prognostizieren hier ein EPS-Ergebnis von 93 Cents. Die Aktie gibt um gut 2 Prozent nach. (28.01.2011/ac/n/m)