Wall Street: Verluste, Schlechte Konjunkturdaten und Krise bei Autobauern belasten, GM -13 Prozent
New York (aktiencheck.de AG) - Nachdem die amerikanischen Börsen gestern mit teils deutlichen Aufschlägen geschlossen hatten, weisen sie zu Handelsbeginn am Mittwoch angesichts einer Reihe schlechter Konjunkturdaten und der dramatischen Lage bei den drei großen US-Autobauern rote Vorzeichen auf. Der
Dow Jones Industrial Average verliert - nach leicht negativen Vorgaben aus Tokio - kurz nach Handelsstart 0,42 Prozent auf 8.391,54 Zähler. Der S&P 500 sinkt um 0,79 Prozent auf 852,30 Zähler. Der
Nasdaq Composite wiederum gibt um 0,46 Prozent auf 1.476,39 Punkte ab.
Auf der Unternehmensseite steht heute erneut die besonders angeschlagene Automobilbranche im Fokus. Bereits gestern haben die großen drei US-Automobilkonzerne General Motors, Ford und Chrysler vor dem Bankenausschuss des US-Senats um staatliche Finanzhilfen in Höhe von insgesamt rund 25 Mrd. Dollar gebeten. Im Fall GM gab es heute vom Solarkonzern SolarWorld ein Angebot zur Übernahme von Opel, was von vielen mit Überraschung und teils Verwunderung zur Kenntnis genommen wurde. Einige Experten sehen in der Offerte jedoch auch eine realistische Chance für die deutsche GM-Tochter - dafür müsste jedoch zuerst die US-Mutter zustimmen. Aktuell gibt die GM-Aktie 13 Prozent ab, während Ford 11 Prozent verlieren. Darüber hinaus haben heute BJ's Wholesale und Ross Stores Quartalszahlen gemeldet, wobei die Ergebnisse gemischt ausfielen. Während der Großhändler den Gewinn gesteigert und die Jahresprognose erhöht hat, musste Ross seinen Ausblick senken. Bereits gestern veröffentlichten Phillips-Van Heusen und Jack in the Box ihre jüngsten Zahlenwerke, die insgesamt eher schlecht ausfielen. Schlechte Nachrichten gibt es auch bei Boeing. Laut einem Pressebericht werden sich die Auslieferungen aufgrund des letzten Streiks der IAM um bis zu zehn Wochen verzögern. Ansonsten sind ein Führungswechsel bei MGM MIRAGE und ein Stellenabbau bei KLA-Tencor nennenswert.
Auf der Konjunkturseite sind die US-Verbraucherpreise im Oktober kräftig gesunken, wie das US-Arbeitsministerium heute bekannt gab. Demnach verringerte sich der Verbraucherpreisindex um 1,0 Prozent, wogegen im September ein unverändertes Preisniveau ausgewiesen worden war. Hierbei handelt es sich um die stärkste Abnahme seit Aufzeichnungsbeginn im Februar 1947. Volkswirte hatten hier zuvor einen Preisrückgang von 0,8 Prozent erwartet. Die um die volatilen Bestandteile Nahrungsmittel- und Energiepreise bereinigte Kernrate reduzierte sich um 0,1 Prozent, gegenüber einem Anstieg um 0,1 Prozent im Vormonat. Das ist der erste Rückgang seit 1982. Volkswirte waren hier von einem erneuten Zuwachs um 0,1 Prozent ausgegangen. Laut dem US-Handelsministerium verbuchten die Baugenehmigungen in den USA im Oktober einen saisonbereinigten Rückgang. So wurden auf annualisierter Basis insgesamt 0,708 Millionen Baugenehmigungen für Privathäuser erteilt. Hierbei handelt es sich um ein Rekord-Tief. Damit wurden das Vormonatsniveau von 0,805 Millionen um 12,0 Prozent und der entsprechende Vorjahresstand von 1,182 Millionen um 40,1 Prozent verfehlt. Volkswirte hatten lediglich eine Abnahme auf 0,772 Millionen Genehmigungen erwartet. Auch die US-Wohnbaubeginne verzeichneten im Oktober einen saisonbereinigten Rückgang. So verringerte sich die Zahl auf 0,791 Millionen Baubeginne und erreichte damit ein Rekordtief. Damit wurden das revidierte Vormonatsniveau von 0,828 (vorläufig: 0,817) Millionen um 4,5 Prozent und der entsprechende Vorjahreswert von 1,275 Millionen um 38,0 Prozent verfehlt. Volkswirte waren sogar von einer Abnahme auf 0,780 Millionen Baubeginne ausgegangen. Schließlich ermittelte die Mortgage Bankers Association of America (MBA) für die Woche zum 14. November 2008 einen saisonbereinigten Rückgang bei der Zahl der Hypothekenanträge. Der Ölpreis legt derzeit leicht zu und notiert knapp unter der Marke von 55 Dollar pro Barrel.
Unternehmensmeldungen:
Die großen drei US-Automobilkonzerne General Motors Corp. (GM) (ISIN US3704421052/ WKN 850000), Ford Motor Co. und Chrysler LLC haben gestern vor dem Bankenausschuss des US-Senats staatliche Finanzhilfen in Höhe von insgesamt rund 25 Mrd. Dollar gefordert.
Der US-Großhändler BJ's Wholesale Club Inc. (ISIN US05548J1060/ WKN 908408) meldete am Mittwoch, dass sein Gewinn im dritten Quartal um 24 Prozent gestiegen ist, was vor allem mit dem Verkauf von Benzin zusammenhängt. Zudem wurde die Jahresprognose angehoben.
Der amerikanische Einzelhandelskonzern Ross Stores Inc. (ISIN US7782961038/ WKN 870053) meldete am Mittwoch einen Gewinnzuwachs im dritten Quartal, was vor allem mit höheren Umsätzen zusammenhängt. Die Jahresprognose wurde jedoch nach unten korrigiert.
Der amerikanische Schnellrestaurantkonzern YUM! Brands Inc. (ISIN US9884981013/ WKN 909190), die Muttergesellschaft der Fast-Food-Ketten Pizza Hut, Tacco Bell und KFC, will seine Kette Taco Bell Presseangaben zufolge zu einer globalen Marke mit Niederlassungen weltweit ausbauen.
Der US-Flugzeughersteller Boeing Co. (ISIN US0970231058/ WKN 850471) überarbeitet Presseangaben zufolge derzeit seinen gesamten Produktionsplan, was für sämtliche 3.374 Maschinen im Auftragsbestand bedeutet, dass sich die ursprünglich vereinbarten Liefertermine um bis zu zehn Wochen verzögern werden.
Der US-Modekonzern Phillips-Van Heusen Corp. (ISIN US7185921084/ WKN 852017) meldete am Dienstag nach Börsenschluss, dass sein Gewinn im dritten Quartal gesunken ist, die Erwartungen jedoch trotzdem geschlagen wurden, was vor allem mit einem Umsatzwachstum im Calvin Klein Lizenzgeschäft zusammenhängt. Indes wurde die Jahresprognose gesenkt. Zudem liegt die Planung für das laufende Quartal unterhalb der Marktschätzungen.
Der US-Kasinobetreiber MGM MIRAGE (ISIN US5529531015/ WKN 880883) gab am Dienstag bekannt, dass er seinen President und COO James J. Murren zum neuen Chairman und CEO bestellt hat.
Der amerikanische Halbleiterausrüster KLA-Tencor Corp. (ISIN US4824801009/ WKN 865884) gab am Dienstag bekannt, dass er angesichts des wirtschaftlichen Abschwungs rund 15 Prozent seiner Belegschaft abbauen wird.
Die amerikanische Schnellrestaurantkette Jack in the Box Inc. (ISIN US4663671091/ WKN 883746) meldete am Dienstag nach US-Börsenschluss, dass ihr Gewinn im vierten Quartal leicht gestiegen ist, womit die Erwartungen geschlagen werden konnten. Für das laufende Quartal wird jedoch erwartet, dass der Gewinn gegenüber dem Vorjahr zurückgeht. (19.11.2008/ac/n/m)