Die US-Notenbank Federal Reserve hat vergangenen Mittwoch beschlossen mehr als weitere eine Billion Dollar in den angeschlagenen amerikanischen Finanz- und Immobiliensektor zu pumpen. Überraschen konnte hierbei, dass die Fed erstmals Staatsanleihen kaufen will. Zudem sollen Abermilliarden zum Kauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren aufgewendet werden. Die Fed als "Bad Bank" kam nicht nur an der Wall Street gut an, auch die deutschen Börsen konnten von den angekündigten massiven Geldspritzen zähren. Insbesondere Finanzwerte rückten ins Plus. Auch der Euro konnte gegenüber dem Dollar an Boden gewinnen. Experten bleiben skeptisch.
Weitere 1 Billion $ aus der Notenpresse
Die turnusgemäße Sitzung der US-Notenbank Fed hatte am Mittwoch einige Überraschungen im Gepäck. Während der Leitzins wie erwartet bei null bis 0,25 Prozent belassen wurde, eröffnete der Offenmarktausschuss FOMC der Fed am Abend, dass satte eine Billion weiter Dollar – 770 Milliarden Euro – in den von der Krise gebeutelten Finanz- und Immobiliensektor gepumpt werden sollen. Dabei überraschte insbesondere, dass in den nächsten sechs Monaten erstmals bis zu 300 Milliarden Dollar zum Kauf von längerfristigen Staatsanleihen, sogenannten Treasuries, zur Verfügung gestellt werden sollen. Hiermit will die US-Notenbank nun auch die Langfrist-Zinsen direkt nach unten drücken, um die Kreditnachfrage zu stimulieren. Finanziert wird dies unterdessen durch neues Geld - per Notenpresse. Dabei hatte der US-Notenbank-Chef Ben Bernanke jüngst gesagt, dass das Eingreifen der Fed auf einem bestimmten Finanzmarkt eine ernsthafte Störung seiner Funktionsfähigkeit voraussetze. Indes mutiert die Fed faktisch selbst zu einer "Bad Bank".
Zudem will die Fed zum Kauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren, sogenannten Mortgage-Backed Securities, weitere 750 Milliarden Dollar aufwenden. Damit wurde der Rückkauf auf bis zu 1,25 Billionen Dollar angehoben. Zudem wurde das Volumen für den Rückkauf von öffentlichen Schuldpapieren, den Freddie-Mac- und Fannie-Mae-Papieren, um 100 Milliarden Dollar auf bis zu 200 Milliarden Dollar erhöht. Die Bilanzsumme der Fed dürfte damit auf rund drei Billionen Dollar anwachsen. Ferner will die US-Notenbank das Sicherheitenspektrum für die Term Asset-Backed Securities Loan Facility, kurz TALF, ausweiten, um die Kreditvergabe an private Haushalte und kleine Unternehmen weiter anzukurbeln.
US-Konjunkturaussichten weiter schwach
Die wirtschaftlichen Aussichten wurden indes erneut schwächer eingestuft. So warnten die US-Währungshüter davor, dass die US-Wirtschaft trotz des verbliebenen niedrigen Zinses vor einer anhaltenden Schrumpfung stehe. Düster präsentieren sich aktuell in dem Zusammenhang im Einzelnen die Arbeitsmarktsituation, die Immobilienmärkte, der Kursverfall an den Börsen sowie die Verbraucherstimmung. Außerdem bestehe sogar das Risiko, dass die Inflation für einige Zeit unterhalb der Rate bleibe, die für ein nachhaltiges Wachstum der Wirtschaft und für eine längerfristige Preisstabilität förderlich ist, hieß es von Seiten der Fed weiter. Der Leitzins werde demnach voraussichtlich zunächst auf dem historisch niedrigen Niveau bleiben.
Fed erhofft sich Erholung
Der Krise solle nun die erneute Finanzspritze Einhalt gebieten und für eine allmähliche Erholung sorgen. Demzufolge kündigte die New Yorker Fed, welche als operativer Arm der US-Notenbank gilt, an, bereits in der kommenden Woche mit dem Kauf von Staatsanleihen zu starten. Demnach werden sich die Ankäufe auf Treasuries mit einer Laufzeit von zwei bis zehn Jahren konzentrieren und sowohl nominale als auch inflationsindexierte Papiere umfassen. Diese Offenmarktgeschäfte sollen dann zwei- bis dreimal pro Woche stattfinden.
Riskante Maßnahmen der Fed
Experten äußerten sich gegenüber den Maßnahmen verhalten. So hieß es, dass von den neuen Schritten der Fed zunächst nicht zu viel erwartet werden dürfe. Die wirtschaftliche Situation in den USA sei weiterhin schwach, eine konjunkturelle Erholung könne durch die Finanzspritzen nicht garantiert werden. Weiter zeige sich durch die Maßnahmen, dass die Fed besorgter um die Lage sei, als es zunächst den Anschein haben mag. So sei der Beschluss des FOMC einstimmig ergangen, obwohl es jüngst Zweifel bezüglich des Kaufs von Staatsanleihen gegeben habe, so ein Experte. Nicht zuletzt wies man auf das anhaltend hohe Tempo des US-Wirtschaftsabschwungs hin, während weit und breit keine Anzeichen für eine Deflation auszumachen seien. Die Fed-Politik sei demnach hoch riskant und ein Ansteigen der Inflation könnte schneller als erwartet zuschlagen.
Besonders riskant sei in diesem Zusammenhang der geplante Kauf von langfristigen Staatsanleihen, hieß es von Expertenseite. Wenn man das vorgeschlagene Erwerbsvolumen von 300 Milliarden Dollar auf die derzeitigen Budgetdefizite der Regierung kombiniere, leisten sich die USA derzeit massive Etatfehlbeträge. Diese wiederum durch den Kauf von Schuldtiteln durch die Zentralbank zu monetarisieren, sei eine hoch inflationäre Politik, die bereits eine Vielzahl von aufstrebenden Märkten in Schwierigkeiten gebracht hat, hieß es.
Profiteure
Die Wall Street konnte am selben Abend - sowohl auf Aktien- als auch auf Anleihenseite - noch von den Neuigkeiten der Fed profitieren und fester schließen. Auch an den deutschen Parketts wirkten die Maßnahmen nach – die wichtigsten Indizes präsentierten sich fester. Die europäische Gemeinschaftswährung Euro profitierte ebenfalls von der angekündigten Finanzspritze und den damit einhergehenden inflationären Sorgen in den USA und legte gegenüber dem Dollar am Donnerstag deutlich zu. Bereits nach der Bekanntgabe am Vortag war der Euro zeitweise von 1,31 Dollar auf über 1,35 Dollar geklettert (Dollarkurs).