14.11.2016 22:19
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Trump und Putin: "Ziemlich beste Freunde" oder eine Gefahr für die Welt?

Weltordnung in Schieflage: Trump und Putin: "Ziemlich beste Freunde" oder eine Gefahr für die Welt? | Nachricht | finanzen.net
Graffito in Estland: Bruderkuss zwischen Putin und Trump
Weltordnung in Schieflage
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Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich Donald Trump als neuen US-Präsidenten gewünscht. Als einer der Ersten gratulierte er Trump zum Wahlsieg - und dieser schwärmt von Putin. Bahnt sich da eine Männerfreundschaft an? Oder was geht in den Köpfen dieser Machtmenschen vor?
Russland und die USA - zwei Weltmächte, Archetypen zweier völlig gegensätzlicher politischer Systeme und im Kalten Krieg erbitterte Feinde. Nachdem sich beide Länder im Laufe zweier Jahrzehnte langsam angenähert hatten, kühlte sich das Verhältnis mit der Annexion der ehemals ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland schlagartig wieder ab; zwischen Putin und dem US-amerikanischen (Noch-) Präsidenten Barack Obama war Kommunikation quasi nicht vorhanden - politische Gespräche gab es nur, wenn es nicht anders möglich war.

Russland feiert kommenden US-Präsidenten Donald Trump

Nun könnte sich mit der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten alles ändern. Wladimir Putin attestierte Trump bereits eine "strahlende Persönlichkeit", das russische Staatsfernsehen feierte den kommenden US-Präsidenten als "unseren Trump" und Russlands Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew nannte dessen Wahl eine "gute Gelegenheit" sich der westlichen Sanktionen zu entledigen. Es gibt keinen Zweifel: Der Kreml freut sich auf den neuen US-Präsidenten.

Und Donald Trump? Er knauserte in den vergangenen Wochen nicht mit Komplimenten und lobhudelte den russischen Präsidenten regelmäßig. Unter anderem bezeichnete er Putin als "starken Führer", der in der Welt geachtet werde. Bereits im Juni 2015 lobte Trump die Popularität des russischen Präsidenten, er werde in Russland geliebt für das, was er mache und dafür, "was er ist".

Putin und Trump - eine gefährliche Männerfreundschaft?

Persönlich begegnet sind sich Donald Trump und Wladimir Putin nie, trotzdem haben sie im vergangenen halben Jahr über die Medien gegenseitig Nettigkeiten ausgetauscht. Werden Putin und Trump nun "ziemlich beste Freunde"? Was finden die beiden am jeweils anderen so spannend? Könnte diese "Männerfreundschaft" für die Welt gefährlich werden?

Putin ist ehemaliger Geheimdienstler. Sein Denken und Handeln hat ein Ziel: Den eigenen Vorteil - Putin macht nicht einfach so Komplimente. Für Polens ehemaligen Außenminister Adam Daniel Rotfeld, der einst das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen verbessern sollte, ist Putin "ein sehr talentierter Taktiker, aber kein großer Stratege". Das sagte Rotfeld in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung "Die Presse" vor wenigen Wochen.

Putin handelt laut Rotfeld "mehr reaktiv als aktiv"; er testet aus und wartet auf das Echo - so hat er es auch beim Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2014 getan: Putin ging vorsichtig vor und stellte schnell fest, dass sich ihm niemand in den Weg stellen würde - nicht die USA und auch nicht die Nato, das Risiko einer militärischen Eskalation war für die Gegenseite wohl zu groß. Russland annektierte die Krim, weil es in diesem Moment möglich war. Putins "Strategie besteht nur darin, an der Macht zu bleiben, und dass die Russische Föderation nicht das Schicksal der Sowjetunion erleidet", so Rotfeld weiter.

Trump findet Putins "Regierungsstil" faszinierend

Offenbar sieht Putin in Trump eine Möglichkeit, an der Macht zu bleiben und Russland in seinen Grenzen mindestens zu erhalten. Und der kommende US-Präsident tickt ähnlich wie Putin, zumindest - das ist aus Trumps Bemerkungen zu entnehmen - findet er Putins "Regierungsstil" faszinierend.

Anders als in vielen Wahlkampfreden, in denen Trump sich des Öfteren in Widersprüche verwickelte, äußerte sich der Obama-Nachfolger gegenüber Putin überraschenderweise besonders differenziert. "Ich kenne Putin nicht, ich bin ihm nie begegnet. Er ist nicht mein bester Freund", so Trump vor wenigen Wochen in einer Wahlkampfdebatte in der Universität von Nevada. "Aber wenn die USA sich mit Russland gut vertragen würden, wäre das gar nicht schlecht."

Warum sich der Immobilienmogul und kommende 45. US-Präsident bei Putin beliebt macht, welches Ziel er mit seinen freundlichen Äußerungen verfolgt und ob er überhaupt einen Plan hat, ist nicht klar. Fakt ist, dass Trump eine völlig andere Außenpolitik und offenbar einen völlig anderen Umgang mit Russland pflegen will, als es sein Vorgänger Obama tat.

Trump und Putin sind Geschäftsmänner - und Machtmenschen

Beide, Trump und Putin, sind Geschäftsmänner - und Machtmenschen. Trump geht es immer um den besten Handel, auch in der Politik wird er wahrscheinlich immer für sich die beste Lösung herauspicken wollen. Von seinem strengen Vater soll er gelehrt worden sein, dass es nur um Gewinnen oder Verlieren gehe - dazwischen gebe es nichts. Wahrscheinlich schätzt er aus diesem Grund auch Russlands Präsident Putin, der in ähnlichen Kategorien denkt.

Diesen Eindruck bestätigte vor Kurzem Ian Bremmer, Chef der Eurasia-Group, einer Beratungsgesellschaft für internationale Risiken, in einem Interview mit dem "Handelsblatt". "Solange Trump mit Putin einen Deal machen kann, um seine Ziele zu erreichen, ist das Verhältnis gut", so Bremmer.

Bremmer sieht durch die Wahl Trumps zum US-Präsidenten dennoch dunkle Wolken am Horizont aufziehen - vor allem für Europa. "Die Nato bedeutet ihm nicht viel", sagt Bremmer. Das Militärbündnis dürfte durch den neuen US-Präsidenten und seine "America first"-Politik geschwächt werden. Die Folge ist, dass die USA ihre Verbündeten möglicherweise nicht mehr so unterstützen werden, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Die Länder, die bisher unter dem Schutz der USA stehen, müssen sich dann "anders absichern", so Bremmer.

Baltikum in Sorge vor Putins Machtansprüchen

Dass die USA ihre Bündnistreue gegenüber der Nato und ihren Verbündeten in Europa zurückfahren könnten, bereitet den baltischen Staaten große Sorgen. Für Estland, Lettland und Litauen galten das Militärbündnis und die USA bisher als Sicherheitsgarantie vor möglichen Machtansprüchen Moskaus.

Dem Politologen Andres Kasekamp von der Universität Tartu in Estland zufolge spielt die unternehmerische Denkweise Trumps dem Kreml in die Hände. Putin möchte "einen Führer, der nicht an Werten festhält und bereit ist, Einflusssphären aufzuteilen", so Kasekamp. In der litauischen Hauptstadt Vilnius brachte ein Straßenkünstler schon Monate vor der US-Wahl die Sorge vieler Menschen im Baltikum zum Ausdruck. Sein Graffito zeigt Donald Trump und Wladimir Putin beim Bruderkuss.

Jüri Luik von der estnischen Denkfabrik ICDS bickt ähnlich düster wie Kasekamp in die Zukunft. Luik zweifelt nicht daran, "dass Russland bald die Grenzen des äußerst unerfahrenen Präsidenten auszutesten beginnt."

"Putin möchte die Vormacht der USA untergraben"

Bereits 2015 warnte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon vor möglichen Angriffsplänen Putins. Es gebe eine "reale und präsente Gefahr", dass Russland seine in der Ostukraine angewandten Taktiken der hybriden Kriegsführung auch gegen Nato-Nachbarn wie Litauen, Estland oder Lettland anwenden könnte.

Ian Bremmer sieht ebenfalls die Gefahr, dass Putin Trump bald auf die Probe stellen könnte. "Putin (...) möchte die Vormacht der USA untergraben", so der Chef der Eurasia-Group. Wie dieser "Test" von Putin aussehen könnte, ließ Bremmer offen. Plant Putin möglicherweise einen vergleichbaren militärischen Coup wie auf der Krim?

Die Welt ist mit einem US-Präsidenten Trump komplizierter geworden

Ob in naher Zukunft tatsächlich militärische Operationen im Dunstkreis Putins drohen könnten, ob Russland den Einflussbereich der Sowjetunion wieder erschaffen will und ob Trump dann Russland gewähren lassen würde, kann derzeit nur spekuliert und befürchtet werden. Außer Frage steht jedoch, dass die Welt mit einem US-Präsidenten Trump komplizierter geworden ist, das betont auch Risiko-Berater Bremmer: "Er (Trump, Anm. d. Red.) hat nicht verstanden, dass Werte und Vertrauen enorm wichtig sind, um unsere Weltordnung stabil zu halten."



Von Markus Gentner/Redaktion finanzen.net

Bildquellen: PETRAS MALUKAS/AFP/Getty Images
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