07.04.2013 03:00
Bewerten
 (0)

Lebensversicherung: Erfolgsmodell im Härtetest

Wer die Zeche zahlt
Die Deutschen lieben ihre klassische Lebensversicherung. Allen Diskussionen über Niedrigzins und Bewertungsreserven zum Trotz verzeichnen die Versicherer sogar eine steigende Nachfrage.
Und sie machen bislang kein schlechtes Geschäft damit. Marktführer Allianz schaffte im vergangenen Jahr drei Milliarden Euro Betriebsgewinn in der Leben-Kranken-Sparte. Der Vorsitzende des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, findet das zum Haareraufen: "Den Versicherern geht es gut, den Kunden schlecht."

 

    Kleinlein sieht die klassische Kapital-Lebensversicherung für Berufsanfänger oder junge Familien kritisch: "Die meisten wissen noch gar nicht, ob sie später zum Beispiel eine Wohnung kaufen oder sich vielleicht selbstständig machen wollen. Aber sie binden sich vertraglich, über Jahrzehnte feste Prämien zu zahlen." sagte Kleinlein der dpa. "Drei Viertel der Kunden mit 35 Jahren Laufzeit halten sie nicht durch, sondern kündigen vorher. Und das ist teuer." Die klassische Lebensversicherung kopple meist einen schlechten Sparvertrag mit einem zu geringen Schutz im Todesfall.

 

    Inzwischen wurde auch noch der Garantiezins für Neuverträge auf 1,75 Prozent gesenkt. "Da bleibt meist nicht viel mehr übrig als der eingezahlte Beitrag", sagte Kleinlein. Die Allianz, die Ergo und andere Lebensversicherer in Deutschland wollen in Kürze mit neuen Lebensversicherungen auf den Markt, mit garantiertem Erhalt der eingezahlten Beiträge statt mit jahrzehntelanger Zinsgarantie auf den Sparanteil, der in der Regel etwa 90 Prozent der Prämie ausmacht. Für Kleinlein nur Augenwischerei: "Das ist nur alter schlechter Wein in dreckigen Schläuchen."

 

    In einem Punkt immerhin ist der Lobbyist der Versicherten mit den Versicherern einig: Beide kritisieren, dass die Schuldenberge der Staaten durch die Politik des billigen Geldes zu Lasten der Sparer abgebaut werden. "Die Vorschriften erzwingen Kapitalanlagen, die weder zum Wohl der Unternehmen noch ihrer Kunden sind. Da werden auch südeuropäische Euro-Staatsanleihen als vollkommen risikolos eingestuft, im Gegensatz zu Aktien auch von soliden Konzernen - das ist sehr schablonenhaft", sagt Kleinlein.

 

    Allianz-Chef Michael Diekmann sagt es ähnlich. "Die Zeche zahlen die Sparer", erklärte er bei der Vorlage seiner Jahresbilanz. "Normal müsste man bei dem Zinsumfeld ein Drittel mehr sparen, um das gleiche Ergebnis zu erhalten. Aber wer kann sich das eigentlich noch leisten? Wir haben eine Welle von Leuten, die sagen: Das lohnt sich ja gar nicht mehr!" Gleichzeitig aber gebe es ein lebhaftes Interesse an langfristigen Garantien mit Blick auf die Altersvorsorge: "Die Nachfrage nach den klassischen Produkten ist ungebrochen", sagte der Allianz-Chef.

 

    Im Augenblick sieht es für die Allianz und für die Versicherten noch ganz gut aus. Finanzvorstand Maximilian Zimmerer legt den größten Teil der annähernd 425 Milliarden Euro für die Lebens- und Krankenversicherungen in Staatsanleihen, Pfandbriefen und Unternehmensanleihen an. Bei den Staatsanleihen streut er inzwischen breit - außer Italien sind die Euro-Krisenländer im Depot fast nicht mehr vertreten. Die Rendite seiner festverzinslichen Wertpapiere brachte im vergangenen Jahr eine laufende Verzinsung von 4,0 Prozent - im Vergleich zu den 1,3 Prozent der Bundesanleihen. Und selbst die Neuanlagen für die Lebensversicherungen werfen 3,6 Prozent ab. (dpa-AFX)

Bildquellen: istock/shippee
Artikel empfehlen?

Nachrichten zu Allianz

  • Relevant4
  • Alle4
  • vom Unternehmen2
  • Peer Group
  • ?
Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen
Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen
vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden
Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

RSS Feed

Analysen zu Allianz

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
15:21 UhrAllianz kaufenIndependent Research GmbH
29.10.2014Allianz buyUBS AG
21.10.2014Allianz overweightJP Morgan Chase & Co.
16.10.2014Allianz market-performBernstein Research
15.10.2014Allianz overweightJP Morgan Chase & Co.
15:21 UhrAllianz kaufenIndependent Research GmbH
29.10.2014Allianz buyUBS AG
21.10.2014Allianz overweightJP Morgan Chase & Co.
15.10.2014Allianz overweightJP Morgan Chase & Co.
13.10.2014Allianz kaufenDZ-Bank AG
16.10.2014Allianz market-performBernstein Research
09.10.2014Allianz NeutralBNP PARIBAS
30.09.2014Allianz market-performBernstein Research
29.09.2014Allianz HoldSociété Générale Group S.A. (SG)
29.09.2014Allianz HoldSociété Générale Group S.A. (SG)
07.07.2014Allianz SellSociété Générale Group S.A. (SG)
15.05.2014Allianz SellSociété Générale Group S.A. (SG)
14.05.2014Allianz SellSociété Générale Group S.A. (SG)
08.05.2014Allianz SellSociété Générale Group S.A. (SG)
17.04.2014Allianz SellSociété Générale Group S.A. (SG)
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Allianz nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Anzeige

Heute im Fokus

DAX schließt über 2 Prozent fester -- Goldpreis fällt auf Vierjahrestief -- US-Börsen auf Bergfahrt -- BoJ lockert Geldpolitik -- Citigroup, Lanxess, Starbucks, Groupon, LinkedIn im Fokus

Streiks bei Amazon enden vorerst. Chinesen kaufen Solarstrom AG. Continental und mögliche Abschreibungen. Brenntag-Bonität hochgestuft. Joma steigt mit 47,7 Prozent bei C.A.T. Oil ein und legt Pflichtangebot vor. E.ON und RWE müssen Klagen gegen Atommüll-Lagerung zurücknehmen. Großbritannien zahlt Weltkriegsanleihe zurück.

Themen in diesem Artikel

Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

In welchen europäischen Ländern ist das Preisniveau besonders hoch?

Welche Aktien zählt George Soros zu seinem Portfolio?

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Facebook & Co: Welche Börsengänge waren ein Desaster?

Welches Unternehmen erzielte bislang das größte Emissions- volumen?

Welche Darsteller verdienen am meisten?

Diese Models verdienten 2014 am meisten

In welchen Ländern kostet der Big Mac wie viel?

mehr Top Rankings

Umfrage

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat den Sparkurs der Bundesregierung infrage gestellt. Denken Sie auch, dass der Staat mehr investieren sollte?