14.03.2013 15:56
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Winterkorn stört die Diskussion über Managergehälter

   Von Nico Schmidt

   Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter in Deutschland momentan so sehr wie die Debatte um ausufernde Managergehälter. Immer wieder im Mittelpunkt steht dabei Martin Winterkorn, der auch 2012 zu den Top-Verdienern unter den deutschen Unternehmenslenkern gehört hat. Auch wenn er es bei der Bilanzvorlage von Volkswagen spürbar zu vermeiden versuchte, sein Gehalt und das seiner Vorstandskollegen als angemessen zu bezeichnen, so war ihm doch anzumerken, dass ihn zumindest die Art und Weise der aktuellen Diskussion stört.

   Winterkorn verwies stattdessen auf die Erfolge von Europas größtem Autobauer: VW verkaufte 2012 erstmals mehr als neun Millionen Fahrzeuge. Seit 2007 hat der Absatz um 3 Millionen Fahrzeuge zugelegt - ein Plus von etwa einem Drittel. Der Umsatz stieg um rund 80 Milliarden Euro und kratzt langsam aber sicher an der 200-Milliarden-Euro-Marke. Und der operative Gewinn kletterte in den vergangenen fünf Jahren um rund 90 Prozent auf den Rekordwert von rund 11,5 Milliarden Euro. Ganz nebenbei wurden 100.000 Stellen aufgebaut und VW ist auf dem Weg, bis 2018 der größte und erfolgreichste Autobauer der Welt zu werden.

   Kein Wunder, dass Winterkorn die in Deutschland auflodernde Debatte um die Begrenzung von Managergehältern stört. "Wir erleben momentan eine sehr lebhafte Diskussion (über das Thema Vorstandsbezüge), das mittlerweile auch den Wahlkampf erfasst hat", sagte Winterkorn am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz der Wolfsburger. Angesichts der Herausforderungen im wirtschaftlich schwierigen Umfeld hält er eine Debatte über die Gehälter derzeit für wenig hilfreich.

   Dass Winterkorn immer wieder Stein des Anstoßes ist, kommt nicht überraschend. Er bekam für das Jahr 2012 gut 14,5 Millionen Euro überwiesen - trotz neuer Rekordgewinne knapp 3 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Hätten die Niedersachsen nicht vor weniger Wochen das System der Bezahlung des Vorstands umgestellt, wären es sogar noch ein paar Millionen mehr gewesen. Damit war er der Großverdiener unter den deutschen Managern. Nur Anshu Jain, einer der beiden Vorstandschefs der Deutschen Bank, dürfte in ähnliche Sphären vordringen können: 2011 verdiente der Investmentbanker fast 10 Millionen Euro, 2012 dürfte es aufgrund des schlechteren Ergebnisses der Deutschen Bank aber eher weniger werden.

   Die Debatte um Vorstandsgehälter hat mittlerweile längst die deutsche Politik erreicht. Selbst die unternehmerfreundlichen Christdemokraten können sich Einschränkungen bei den Managergehältern vorstellen. Nach den Vorstellungen der CDU/CSU sollen künftig allein die Aktionäre über die Höhe der Vorstands- und Aufsichtsratsbezüge entscheiden. "Denn die Eigentümer müssen selbst wissen, was sie sich an Vergütungen leisten wollen", begründete der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Michael Fuchs, seine Forderung in einem Positionspapier.

   Allerdings wendet sich Fuchs gegen Forderungen, die Höhe Vergütungen gesetzlich zu beschränken oder ein festes Verhältnis von Grundgehalt und Bonuszahlung vorzuschreiben. Derzeit berät der Rechtsausschuss des Bundestags über eine entsprechende Neufassung des Aktienrechts. Regelungen zur Managervergütung könnten in diese Novelle aufgenommen werden.

   Nach der Volksabstimmung in der Schweiz Anfang März hat das Thema auch international an Gewicht gewonnen. Die Schweizer hatten Anfang des Monats mit Zweidrittelmehrheit dafür votiert, die Gehälter und Boni von Managern in der Schweiz zu begrenzen. In Deutschland hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel öffentlich die Maßlosigkeit von exorbitanten Gehältern kritisiert. Sie plädierte aber vor einigen Wochen gegen einen Alleingang Deutschlands. Vielmehr sollte Deutschland sein Verhalten mit europaweiten Regelungen abstimmen. Jetzt hat sie einen Schwenk vollzogen und unterstützt einen nationalen Alleingang.

   Deutschland könnte dabei eine wichtige Vorreiterrolle einnehmen. Im Gegensatz zu vielen europäischen Nachbarn geht es der deutschen Wirtschaft vergleichsweise gut, so dass Regelungen in Deutschland, wo es mit Volkswagen, Siemens und Deutsche Bank einige der größten Unternehmen auf dem Kontinent gibt, die europäische Debatte beeinflussen dürften. Im Vergleich zu den USA, wo die Top-Verdiener 50 Millionen US-Dollar oder mehr einstreichen, sind die Gehälter in Deutschland noch vergleichsweise gering. Allerdings haben viele Bürger das Gefühl, dass der Wohlstand in Deutschland ungleichmäßig verteilt ist, was Politiker vor der Bundestagswahl im September anfällig für populistische Vorschläge werden lässt.

   Sollte es zu den vorgeschlagenen Änderungen kommen, sieht VW den Neuregelungen allerdings gelassen entgegen. Wenn die Hauptversammlung das letzte Wort über die vom Aufsichtsrat vorgeschlagene Vorstandsvergütung habe, sieht VW-Personalchef Horst Neumann den Autobauer bereits gut aufgestellt. Denn 90 Prozent der Stimmrechtsinhaber der Hauptversammlung seien im Aufsichtsrat vertreten.

   --Susann Kreutzmann hat zu dieser Geschichte beigetragen.

   Kontakt zum Autor: Nico.schmidt@dowjones.com

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   March 14, 2013 10:25 ET (14:25 GMT)

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