FRANKFURT (Dow Jones)--Sehr schwach ist der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag nach den negativen US-Arbeitsmarktdaten aus dem Handel gegangen. Der Dax schloss auf Tagestief und verlor 3,8% oder 187 auf 4.718 Zähler. Unter den 30 DAX-Werten schafften nur Fresenius Medical Care den Sprung ins Plus. Die US-Arbeitsmarktdaten erschreckten den Markt. Mit 467.000 verlorenen Stellen wurden die Erwartungen von Volkswirten weit übertroffen, obwohl diese ihre Erwartungen nach dem schwachen ADP-Bericht vom Vortag bereits nach unten angepasst hatten. Im Schnitt waren sie von 350.000 Stellen ausgegangen, kaum ein Analyst hatte mit mehr als 450.000 gerechnet. Umgesetzt wurden in DAX-Titeln auf Xetra rund 109,7 (Vortag: 109,6) Mio Aktien im Wert von rund 2,58 (Vortag: 2,34) Mrd EUR.
Zudem sei auch der Trend zur Teilzeit-Beschäftigung ungebrochen, so dass die Zahlen per Saldo "grottig sind und Hoffnungen zerstören", kommentierte ein Händler. Auch der etwas geringer als erwartete Anstieg der Arbeitslosenquote auf 9,5% stimmte den Markt nicht versöhnlich.
Vor allem Konjunktur-Optimisten mussten nach den Zahlen zurückstecken. "Wir wollten eine verminderte Dynamik bei den Jobverlusten sehen", sagte ein Marktteilnehmer: "Stattdessen scheinen die Entlassungen sogar wieder neue Abwärtsdynamik aufzunehmen". Vor allem für konjunkturzyklische Branchen, Konsum und die Investitionsgüterindustrie seien das extrem schlechte Nachrichten: "Der Markt muss jetzt einsehen, dass er in den letzten Monaten zu weit nach oben vorgeprescht war". Die Leitzinsentscheidung der EZB ging demgegenüber völlig unter. Wie erwartet ließ die Notenbank den europäischen Leitzins unverändert. Technische Analysten gehen nun von einem Rückgang des DAX bis auf 4.500 Punkte aus.
Unter kräftigem Abgabedruck standen sämtliche zyklischen Werte. BASF verloren 5,2% auf 27,61 EUR, ThyssenKrupp fielen um 5,6% auf 17,30 EUR, MAN reduzierten sich um 4,7% auf 42,63 EUR und Siemens gaben um 5,3% auf 47,50 EUR nach. Auch die Finanztitel folgten den Kursverlusten der Zykliker. Allianz verloren 4,4% auf 64,94 EUR und Commerzbank rutschten um 6,5% auf 4,91 EUR ab.
Deutsche Börse fielen um 6,2% auf 51,76 EUR. Die schwachen Handelsdaten für Juni vom Vortag hatten den Markt bereits negativ überrascht. Dazu gesellten sich die schlechten Konjunkturaussichten nach den US-Daten. "Das weckt die Befürchtung, fallende Aktienkurse werden zu noch weniger Umsatz führen", so der Händler. Auch die Analysten-Statements zur Umsatzentwicklung fielen sehr negativ aus. So vermutet Sal. Oppenheim, dass der Gewinn (EBITA) des Börsenbetreibers um rund 28% gegenüber dem Vorjahr fallen könnte.
Automobiltitel litten unter US-Absatzzahlen und einer Herabstufung. Die Analysten von Credit Suisse haben den Sektor auf "Marketweight" von zuvor "Overweight" gesenkt. Die Absatzzahlen der deutschen Hersteller in den USA im Juni waren uneinheitlich ausgefallen. "BMW und Daimler haben im Vergleich zum Mai den Abwärtstrend gebremst, bei VW und viel stärker noch bei Porsche hat sich die Absatzentwicklung eingetrübt", sagte ein Händler. VW brachen um 7,8% ein auf 228,85 EUR, die nicht im DAX notierten Vorzugsaktien von VW legten indes um 1,8% auf 50,04 EUR zu. Porsche verloren 4%, Daimler 5,5% und BMW 3,4%. Die im MDAX notierten Konjunkturzykliker zeigten sich stabil und verloren meist nur bis zu 3%. "Die Nebenwerte hatten in den vergangenen Wochen mehr verloren als die DAX-Werte", sagte ein Händler. Hier seien nun weniger Investoren engagiert, die noch hätten verkaufen können.
Gute Nachrichten gab es im TecDax für einen Solarwert: Goldman Sachs hat die Einstufung von Phoenix Solar auf Buy nach Neutral erhöht. Die Aktie setzte sich demnach an die Indexspitze und legte 6% auf 35 EUR glatt zu.
DJG/mod/ros
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July 02, 2009 12:22 ET (16:22 GMT)
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