FRANKFURT (Dow Jones)--Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag gut behauptet, jedoch deutlich unter Tageshoch geschlossen. Der Dax gewann 0,2% oder 12 Punkte auf 5.077. Umgesetzt wurden in DAX-Titeln auf Xetra rund 97,6 (Vortag: 87,4) Mio Aktien im Wert von rund 2,81 (Vortag: 2,56) Mrd EUR.
Zentrales Thema war der US-Arbeitsmarktbericht, der kontroverse Reaktionen hervorrief. Vordergründig fielen die Zahlen unerwartet günstig aus: Mit 345.000 lagen die tatsächlichen Stellenverluste um fast 200.000 unter den Prognosen zwischen 525.000 und 540.000. "Das Schlimmste ist jetzt offenbar am Arbeitsmarkt überstanden", meinte eine Volkswirtin. Zwar dürfte der Beschäftigungsrückgang zunächst anhalten, aber immerhin verliere der Trend an Dynamik.
Der DAX markierte nach den Daten das Tageshoch, die Aufschläge schrumpften jedoch bis Handelsende deutlich. Händler bemühten hierfür zahlreiche Erklärungen. So verwiesen einige auf die weiterhin steigende Arbeitslosenquote, die sich zweistelligen Raten und dem Worst-Case-Szenario des US-Bankenstresstest nähert. Auch die hohe Zahl der Langzeitarbeitslosen zeuge von den Problemen am US-Arbeitsmarkt.
Andere verwiesen auf die fehlende Dynamik am Markt. "Wir haben es nicht geschafft, das bisherige Jahreshoch bei 5.178 Punkten zu überwinden, so dass es vor dem Wochenende zu Gewinnmitnahmen gekommen ist", meinte ein Marktteilnehmer. Damit sei der DAX kurzfristig zwischen 5.030 und dem Jahreshoch eingeschlossen.
Gewinne verzeichneten Zykliker und Finanzwerte, während die defensiven Sektoren eher Abgaben hinnehmen mussten. BMW zogen um 3,3% auf 27,99 EUR an, Daimler kamen noch auf ein Plus von 1,4% auf 27,73 EUR. Deutsche Bank stiegen mit 2,4% auf 48,37 EUR ebenfalls deutlich an. "Die Bank hat vermutlich weiter keinen Kapitalbedarf", so ein Händler. Zudem hatte ING die Aktie auf "Hold" von "Sell" angehoben.
Deutsche Post gewannen 2,9% auf 10,39 EUR, was mit charttechnischen Gründen in Zusammenhang gebracht wird. Beiersdorf verloren dagegen 1,8% auf 34,01 EUR, nachdem die Analysten von Goldman Sachs die Aktie auf "Neutral" gesenkt hatten.
Arcandor standen weiterhin im Blick des Marktes. Das Bankhaus Sal. Oppenheim will offenbar einen höheren Anteil an einer Sanierung leisten als ursprünglich gedacht. Dabei wolle sich die Bank als Großaktionärin entsprechend ihres Anteils von 30% an einer Kapitalerhöhung beteiligen, sagte ein Sprecher zu Dow Jones Newswires.
Die ebenfalls mit rund 30% an Arcandor beteiligte Aktionärin Madeleine Schickedanz würde sich diesem Vorschlag anschließen und die Kapitalerhöhung ebenfalls entsprechend ihres Anteils zeichnen, erfuhr Dow Jones Newswires zudem von einer mit der Verhandlung vertrauten Person. Gedacht sei an eine Erhöhung des Arcandor-Kapitals um rund 150 Mio EUR. Bislang hat Arcandor im Rahmen ihres Sanierungskonzepts eine Kapitalerhöhung von 100 Mio EUR vorgeschlagen. Die Aktie verlor 1,1% auf 1,88 EUR, während Metro um 2,3% auf 35,02 EUR fielen, was als Indiz gewertet werden kann, dass sich die Chancen auf eine Karstadt-Übernahmen in den Augen der Marktteilnehmer wieder verschlechtert haben.
Hamburger Hafen wurden ex Dividende von 1,00 EUR gehandelt. Die Aktie gab um 5,5% oder 1,67 auf 28,57 EUR nach. freenet rückten um 9,4% auf 7,12 EUR vor. "Am Markt preist man weiterhin eine Restrukturierung nach dem Verkauf des DSL-Geschäfts an United Internet ein", sagte ein Händler. Eine Fokussierung auf das Geschäft mit mobilem Internet mache die Aktie interessant. Zudem rechnet das Unternehmen beim mutmaßlichen Verkauf der Webhosting-Tochter Strato einem Bericht der "Welt" zufolge mit einem Preis von 300 Mio bis 400 Mio EUR.
DJG/mif/gei
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