XETRA-SCHLUSS/Schwach - Arcandor brechen mit Insolvenzgefahr ein
FRANKFURT (Dow Jones)--Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag schwach geschlossen, der Leitindex konnte sich aber knapp über 5.000 Punkten halten. Der Dax verlor 1,4% bzw 72 Punkte auf 5.005. Umgesetzt wurden in DAX-Titeln auf Xetra rund 86,3 (Vortag: 97,6) Mio Aktien im Wert von rund 2,30 (Vortag: 2,81) Mrd EUR.
Ein Händler sprach von Gewinnmitnahmen, die sich bereits Ende der Vorwoche angekündigt hätten. Selbst der deutlich besser als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht am Freitag habe den Markt nicht nachhaltig nach oben treiben können.
Aus technischer Sicht sei die Unterstützung bei 5.000 Punkten entscheidend. Ein nachhaltiger Fall darunter könnte den DAX Richtung 4.800 Punkte zurückwerfen, so technische Analysten. Nach oben sehen Händler im Bereich 5.160 bis 5.180 erste Widerstände.
Spannendstes Thema in einem eher ruhigen Markt war Arcandor. Am Vormittag wurde bekannt, dass der angeschlagene Touristik- und Handelskonzern Arcandor keine Bürgschaft und Kredithilfen aus dem Deutschlandfonds des Bundes bekommen wird. Der Lenkungsausschuss des Wirtschaftsfonds Deutschland habe die beantragten Hilfen am Montag "einstimmig" abgelehnt, sagte BMWi-Staatssekretär Walther Otremba nach der Sitzung des Gremiums in Berlin.
Wie Dow Jones Newswires aus Regierungskreisen erfuhr, hat sich auch die Bundesregierung gegen eine Rettungsbeihilfe ausgesprochen. Der Wunsch des Handels- und Touristikkonzerns nach einem Not-Kredit über 437 Mio EUR sei abgelehnt worden, hieß es am Nachmittag. Der Karstadt-Mutterkonzern hatte diesen beantragt, um die drohende Insolvenz zu vermeiden. Die Aktie brach daraufhin um 43,6% auf 1,06 EUR ein. Die Gespräche mit Metro über das Zusammengehen der beiden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof werden indes fortgesetzt. Die Metro-Aktie stieg um 0,8% auf 35,30 EUR.
Im DAX gehörten zyklische Werte und Finanztitel zu den Hauptverlierern, während sich die defensiven Aktien besser hielten. Schwache Mai-Zahlen des Automobilverbands VDA zum Nutzfahrzeuggeschäft belasteten besonders MAN. Laut VDA sind die Auslandsbestellungen im Mai um 77% eingebrochen. "Damit bleibt die Lage unverändert kritisch", sagte ein Händler. Laut VDA ist der Export nach Russland und nach Osteuropa nahezu zum Erliegen gekommen. Die Aktie verlor 3,4% auf 43,91 EUR.
Auch die Automobilwerte gaben nach, während die Stahlwerte unter schwachen Vorgaben und gesunkenen Rohstoffpreisen litten. Eine Sonderstellung nahmen einmal mehr VW ein. Weiterhin wurde darüber spekuliert, ob Katar bei Porsche einsteigt oder aber einen Teil der von Porsche gehaltenen VW-Optionen übernehmen könnte. Die marktengen VW-Stammaktien legten um 2,9% auf 247,88 EUR zu.
Bei Deutsche Telekom, die sich mit einem Verlust von 0,1% auf 7,96 EUR noch recht gut hielten, verwiesen Händler auf einen Bericht des amerikanischen Anleger-Magazins "Barron's". Telekomaktien seien gemessen an der Ertragsstärke und den Dividendenrenditen billig, hieß es darin.
Deutsche Postbank legten um 7,1% auf 17,80 EUR zu. Das "Handelsblatt" berichtete, die Deutsche Bank habe den Anteil auf knapp 30% aufgestockt. Ein Händler warnte allerdings vor vorschnellen Spekulationen um ein Übernahmeangebot. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte den Bericht nicht kommentieren. ProSiebenSat1 büßten dagegen 11,1% auf 3,37 EUR ein und weiteten damit die Korrektur auf die geplante Wandelanleihe hin aus.
DJG/mif/reh
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