FRANKFURT (Dow Jones)--Der deutsche Aktienmarkt ist am Donnerstag auf Jahreshöchstständen aus dem Handel gegangen. Eine Entspannung in der Griechenland-Schuldenkrise und deutlich steigende Notierungen an den US-Börsen am Nachmittag waren für die gute Stimmung verantwortlich und trieben den Dax in der Spitze bis auf 6.140 Punkte. Der deutsche Leitindex gewann letztlich 1,6% oder 94 Zähler auf 6.133. Umgesetzt wurden an DAX-Titeln auf Xetra rund 137,2 (Vortag: 133,6) Mio Aktien im Wert von rund 3,60 (Vortag: 3,34) Mrd EUR. Mit dem Anstieg über die technische Marke von 6.040 Stellen hat der Leitindex nun Luft bis in den Bereich von 6.300 Punkten.
Als Grund für die Kursgewinne wurde im Handel auf die Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen ihrer Regierungserklärung vor dem EU-Gipfel verwiesen, in der sie sich im Notfall für eine Kombination aus IWF- und bilateralen Hilfe der Euro-Länder für Griechenland aussprach. Bereits am Morgen hatte die Nachricht aus Dubai, dass die Staatsholding Dubai World eine Finanzspritze von der Regierung des Golfemirats von 9,5 Mrd USD erhält, die Stimmung für Aktien deutlich verbessert.
Die Aussagen von Ben Bernanke vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen des US-Repräsentantenhauses am Nachmittag spielten indes keine Rolle. Der US-Notenbankpräsident erklärte, dass die Abfolge der Exit-Strategie aus den geldpolitischen Sondermaßnahmen von der Entwicklung der Wirtschaft abhänge. Zugleich unterstrich Bernanke, dass die US-Wirtschaft weiterhin Leitzinsen nahe der Nullgrenze benötige. Damit sei kein Ende des billigen Geldes im Blick, hieß es dazu im Handel.
Gesucht waren Werte zyklische Werte. So gewannen ThyssenKrupp 2,8% auf 25,73 EUR oder Siemens 2,5% auf 73,75 EUR. Lufthansa legten mit verbesserter Charttechnik 2,9% auf 12,57 EUR zu. Starker Nachfrage erfreute sich auch der Finanzsektor: Deutsche Bank gingen mit einem Plus von 3,4% auf 57,32 EUR aus dem Handel, Commerzbank rückten 2,1% auf 6,71 EUR vor. Auch der Automobilsektor hatte einen guten Tag: BMW stiegen 2% auf 34,04 EUR und Daimler 1,5% auf 35,01 EUR.
Eine Ausnahme bildeten VW-Vorzüge, die 3,5% auf 66,57 EUR verloren. Die Platzierung der VW-Vorzugsaktien aus der Kapitalerhöhung wird nach Aussage mehrerer Händler zwischen 64 und 65 EUR erwartet. An der Börse würden nun die Vorzüge im Bereich 67,50 EUR in den Markt gegeben. "Das ist jetzt geschenktes Geld", sagte ein anderer Händler. Es sei nun damit zu rechnen, dass in den kommenden Tagen die Gewinnschätzungen und Kursziele wegen der Verwässerung teils deutlich nach unten angepasst werden.
Stark nachgefragt waren auch Versicherungstitel. Händler verwiesen auf die attraktive Dividendenrendite des Sektors, die diesen auch im weiteren Jahresverlauf stützen könnte. Allianz stiegen um 2,3% auf 91 EUR und Munich Re um 1,4% auf 119 EUR. Bei Munich Re wurde zudem bekannt, dass Warren Buffett seinen Anteil an dem Rückversicherer auf knapp 8% ausgebaut hat. Ein Händler sprach von einem Ritterschlag, wenngleich die Entwicklung nicht wirklich überraschend komme.
In der zweiten und dritten Reihe des deutschen Aktienmarkts bestimmten daneben Geschäftsberichte die Kurse. Die Aktie von IVG gehörte zu den Gewinnern im MDAX und legt um 4,5% auf 6,36 EUR zu. "Die eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen scheinen zu greifen", so ein Marktteilnehmer. Positiv wertet er, dass es keine negativen Überraschungen bei den Zahlen gegeben habe.
HOCHTIEF stiegen um 4,8% auf 59,59 EUR. Von "starken Zahlen" sprach Marc Gabriel, Analyst des Bankhauses Lampe. "Von Krise keine Spur". Der hohe Auftragsbestand sichere gute Ergebnisse in den kommenden Jahren, so der Experte weiter. Zu den 2009er Ergebnissen sagte er, der Vorsteuergewinn habe seine Schätzung um etwa 10% übertroffen. ProSiebenSat.1 Media kletterten um 7,7% auf 12,52 EUR, was unter anderem mit der Charttechnik erklärt wurde.
Evotec gewannen nach laut Händlern günstigen 2009-Geschäftszahlen 8% auf 2,10 EUR und waren damit stärkster Wert im TecDAX. United Internet fielen dagegen nach Geschäftsausweis um 2,7% auf 11,38 EUR. "Der Gewinn im vergangenen Jahr ist eindeutig besser als erwartet. Aber der Ausblick ist eindeutig mau", sagte ein Analyst.
Centrotherm waren nach vollständigen Geschäftszahlen schwächster Wert im TecDax mit Verlusten von 4,3% auf 33,80 EUR. Den Zahlen fehle der Kaufanreiz für die Aktie, stattdessen realisierten Anleger zwischenzeitlich aufgelaufene Gewinne, meinte ein Händler. Die WestLB spricht von einem "bedeutenden Risiko", dass sich die unter Druck geratenen Margen im Solarzellengeschäft nicht vollständig erholen könnten angesichts prozentual zweistellig nachgebender Preise.
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March 25, 2010 13:05 ET (17:05 GMT)
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