FRANKFURT (Dow Jones)--Am deutschen Aktienmarkt zogen die Kurse am Montag deutlich an. Der Dax stieg um 108,62 Punkte oder 2,3% auf 4.885,09 Punkte. Damit schloss er nur knapp unter dem Tageshoch von 4.901 Punkten. Allerdings war der Umsatz erneut sehr dünn: Umgesetzt wurden in DAX-Titeln auf Xetra rund 86,5 (Freitag: 82,5) Mio Aktien im Wert von rund 2,14 (Freitag: 2,25) Mrd EUR.
Teilnehmer sprachen von so genannten "Window-Dressing"-Käufen vor dem Halbjahresende. Damit polierten Fonds ihre Bilanzen auf. "Die Stunde der Wahrheit schlägt am Mittwoch, also mit dem Beginn des zweiten Halbjahrs", so ein Marktteilnehmer, der bis Dienstagabend mit stabilen oder weiter steigenden Kursen rechnet. Ein anderer Händler meint allerdings, die dünnen Umsätze machten die Kurse auch kurzfristig rückschlagsgefährdet. Am Dienstag kämen wichtige US-Konjunkturdaten an den Markt, so das Verbrauchervertrauen für Juni und der Einkaufsmanager Chicago. Diese könnten für Impulse sorgen.
Über das Halbjahresgeschehen hinaus seien die Investoren unsicher, wie es weiter gehe. Sowohl nach oben als auch nach unten seien leicht Szenarien vorstellbar, die den DAX schnell 200 oder 300 Punkte in die eine oder andere Richtung führten, hieß es. Aus technischer Sicht habe sich die Situation verbessert. Einerseits sei der DAX bei der 200-Tage-Linie bei 4.701 Punkten unterstützt. Auf der anderen Seite sei der Index am Montag über die potenzielle Nackenlinie einer umgekehrten Kopf-Schulter-Formation gestiegen, damit seien Kurse über 5.000 Punkten wahrscheinlich, so ein Anhänger der technischen Analyse.
Auf der Gewinnerseite weit oben standen Münchener Rück, die nach einer Heraufstufung auf "Buy" von "Neutral" durch die UBS um 3,8% auf 97,05 EUR stiegen. Im Windschatten legten Allianz um 3,4% zu auf 65,33 EUR zu. Daneben waren konjunkturabhängige Aktien gefragt. So gewannen BASF 3,9% auf 29,12 EUR und Siemens 3,2% auf 50,41 EUR. Lufthansa zogen um 3,6% auf 9,00 EUR an. Der Vorstand der Fluggesellschaft sieht nun das Ende der Krise. Deutsche Post gewannen 3,9% auf 9,35 EUR.
Deutsche Telekom stiegen um 2,5% auf 8,43 EUR. Die T-Aktie wurde laut Händlern von Spekulationen über eine Lösung für das Mobilfunkgeschäft in Großbritannien gestützt. Laut "Financial Times" erwägt Vodafone ein Gebot. Aber auch die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens werde in Betracht gezogen.
Marktteilnehmer sehen einen Verkauf allerdings skeptisch. "Ob Vodafone dazu aus wettbewerbsrechtlichen Gründen überhaupt in der Lage ist, ist fraglich", so ein Händler. Noch dazu habe die Deutsche Telekom gerade erst das Management ausgetauscht und werde ihm daher wohl auch zumindest die Zeit für einen Sanierungsversuch geben. "Ein Gemeinschaftsunternehmen ist daher die wenn überhaupt wahrscheinlichere Lösung", ergänzte der Marktteilnehmer.
Merck KGaA gewannen 2,4% auf 71,95 EUR. Sie wurden nach Einschätzung eines Händlers etwas von den Aussagen des Leiters des Unternehmensbereichs Chemie gestützt. Wie Bernd Reckmann im Gespräch mit Dow Jones Newswires sagte, blickt das Unternehmen zusehends optimistisch auf das zuletzt stark von der Wirtschaftskrise betroffene Geschäft mit Flüssigkristallen. "Wir sehen seit Januar eine Bodenbildung und einen langsamen Aufwärtstrend", sagte der Bereichsleiter.
Auf der anderen Seite gaben Metro um 1% nach auf 34,28 EUR. Ein Teilnehmer verwies auf den defensiven Charakter der Aktie, der sich angesichts der allgemeinen steigenden Gesamtmarkttendenz belastend auswirkte. Daneben habe sich die charttechnische Lage mit dem jüngsten Fall unter die Marke von 35 EUR verschlechtert. Die Aktie habe nun Luft bis auf das Niveau von 32,50 EUR.
Commerzbank verloren 0,9% auf 4,43 EUR. Händler verwiesen auf Aussagen von Vorstandssprecher Martin Blessing im "Handelsblatt". Demnach sei das zweite Quartal sehr unterschiedlich gelaufen, im Juni habe es "Rückschläge" gegeben.
In der zweiten Reihe ging es für den MDAX um 1,9% oder 108 Punkte auf 5.784 Punkte nach oben. Der TecDax rückte um 2,0% bzw 12 Punkte vor auf 625 Punkte. Hier legten Anbieter alternativer Energien stärker zu, nachdem das US-Repräsentantenhauses der Klima- und Energiegesetzgebung am Freitagabend zugestimmt hat. Nordex stiegen um 10,8% auf 11,59 EUR.
-Von Herbert Rude, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29725 217,
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